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So verdienen Billigairlines trotz günstiger Tickets Geld

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Für mehrere Stunden mit Fremden auf engem Raum zusammen: eine Flugzeugkabine.
Für mehrere Stunden mit Fremden auf engem Raum zusammen: eine Flugzeugkabine. © dpa

Es klingt verlockend: Für wenige Euro in den Billigflieger steigen und quer durch Europa fliegen. Fast jeder Dritte fliegt in Deutschland inzwischen mit einer Billigairline. Doch wie günstig sind die Flüge für Urlauber wirklich?

Es klingt verlockend: Für wenige Euro in den Billigflieger steigen und quer durch Europa fliegen. Fast jeder Dritte fliegt in Deutschland inzwischen mit einer Billigairline. Mit Flugtickets zu günstigen Preisen wollen sich Fluggesellschaften wie Ryanair und Easyjet gegen Konkurrenten wie Lufthansa oder British Airways im Kampf um Kunden am Markt behaupten.

Doch sind Billigairlines tatsächlich so gut und günstig, wie sie behaupten? Ein Reporterteam des Saarländischen Rundfunks ist dieser Frage nun nachgegangen. Genau unter die Lupe genommen haben die Journalisten neben Ryanair und Easyjet die Billigairlines Eurowings, Air Berlin und Wizz Air. Die Ergebnisse ihrer Recherchen haben sie nun in der ARD-Sendung „Der Reise-Check: Die Tricks der Billigflieger“ veröffentlicht.

Kosten

Urlauber buchen ihre Flüge über die Webseiten der einzelnen Fluggesellschaften. Wie das Reporterteam analysiert hat, versuchen viele Airlines, den Preis durch Zusatzangebote beim Buchen in die Höhe zu treiben. Ohne dass der Kunde es möchte, bekommt er etwa einen Mietwagen oder ein Hotelzimmer angeboten. Air Berlin versucht sogar, dem Passagier eine zusätzliche Versicherung aufzudrängen. Das berichtet Martin Schindel, einer der an der Recherche beteiligten Redakteure. Wer die Versicherung nicht kaufen möchte, muss das Angebot ausdrücklich ablehnen. „Fluggesellschaften haften sowieso für verlorenes Gepäck oder Personenschäden“, sagt Schindel. Deswegen müsse man sich nicht doppelt absichern. Sinnvoll könnten höchstens Reiserücktrittversicherungen sein. Bei Wizz Air bemängelt Schindel Bearbeitungsgebühren: „Für jeden gebuchten Flug müssen Kunden acht Euro drauf zahlen. Hin und zurück sind das sofort 16 Euro extra.“

Ein weiterer Trick der Billigairlines, um mehr zu verdienen: Die angegebenen Günstig-Preise beziehen sich nur auf das Reisen mit Handgepäck. Wer einen Koffer mitnehmen möchte, zahlt drauf. Doch auch beim Handgepäck selbst lauern Fallstricke. „Die fünf von uns untersuchten Airlines haben in punkto Maße und Gewicht vier verschiedene Handgepäckregelungen“, sagt Reporter Martin Schindel. „Wenn Sie Pech haben, können Sie mit Ihrer Tasche problemlos mit Air Berlin fliegen, aber die gleiche Tasche gilt bei Ryanair als zu groß.“ Überschreitet ein Handgepäckstück die festgelegten Maße einer Fluggesellschaft, muss es nachträglich aufgegeben werden. Die Preise dafür beginnen bei 30 Euro (Eurowings). „Der Preis für eine Flugticket kann sich so ganz schnell verdoppeln“, warnt Schindel. „Beim Gepäck machen Airlines Geld mit der Unwissenheit der Passagiere.“

Komfort

Nervig wird eine Flugreise, wenn es zu Verspätungen kommt. Die Reporter untersuchten deshalb, welche Billigflieger so massive Verspätungen haben (mehr als drei Stunden), dass Entschädigungen fällig werden. „Ryanair und Easyjet liegen in diesem Punkt ganz vorne“, verrät Schindel. Die beiden Airlines würden sich außerdem oft weigern, berechtigte Entschädigungen an Passagiere auch wirklich zu zahlen.

Eine weitere Methode der Fluggesellschaften, um Geld zu sparen: Sie verlegen ihre Flughäfen aufs Land und benennen sie nach der nächstgelegenen Großstadt, etwa Frankfurt-Hahn oder Düsseldorf-Weeze. Für Urlauber bedeutet das: Für den Transport zu einem der abgelegenen Flughäfen müssen sie Zeit und Kosten aufwenden – und damit beim Komfort Nachteile einstecken.

Ebenfalls ein Minuspunkt bei der Bequemlichkeit: Snacks und Getränke kosten im Billigflieger extra. „Für einen Softdrink, ein Sandwich und einen kleinen Beutel Chips zahlen Sie bei Ryanair zehn Euro“, sagt Schindel. Bei der Lufthansa sei die gleiche Verpflegung dagegen im Preis inbegriffen. Auf diese Weise summieren sich die Kosten für Passagiere schnell. Bei einem Vergleich zwischen Lufthansa und Ryanair konnten die Reporter für die Strecke Frankfurt-Barcelona feststellen, dass Kunden beim Flug mit der Billigairline insgesamt mehr bezahlen.

Fairness

Kunden zahlen für die Flugtickets von Billigfliegern zwar niedrige Preise, aber auf Gewinne verzichten die Airlines dafür nicht. Gespart wird deshalb an anderer Stelle – und zwar bei den Mitarbeitern. „Wir haben mit einer Stewardess gesprochen, die neun Jahre lang Vollzeit für Ryanair gearbeitet hat“, erzählt Reporter Martin Schindel. „Sie hat in keinem Jahr mehr als 18.000 Euro brutto verdient. Auch eine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall bekam sie nicht.“ Eurowings und Wizz Air nehmen sich den Recherchen zufolge Ryanair in diesem Punkt zum Vorbild. Aufgrund der niedrigen Löhne kommen viele Flugbegleiter und Piloten inzwischen aus Osteuropa oder Spanien, Ländern mit niedrigeren Lebenshaltungskosten. Damit sich solche Arbeitsbedingungen ändern, gebe es nur ein Mittel, meint Schindel: Öffentlicher Druck und eine kritische Haltung der Passagiere.

Fazit

Zwar sind die Flugtickets der Billigairlines wirklich günstiger. Das bedeutet aber nicht, dass Urlauber am Ende auch weniger zahlen. Reporter Schindel rät deshalb: „Als Kunde muss man genau vergleichen und alle angegebenen Preise und Kosten gegen rechnen“.

(kkl)

Die Sendung „Der Reise-Check: Die Tricks der Billigflieger" ist noch ein Jahr lang in der ARD-Mediathek zu finden.

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