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Bekannte Aussicht oder neue Ufer? Beides hat Vor- und Nachteile.
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Bekannte Aussicht oder neue Ufer? Beides hat Vor- und Nachteile.

Pro und Contra

Jedes Jahr an denselben Ort reisen – oder ein neues Ziel entdecken?

Wieder dorthin fahren, wo man schon mal war? Oder lieber ein völlig unbekanntes Urlaubsziel wählen? Was für die einen ein Muss ist, betrachten die anderen nicht als Option. Auch in unserer Redaktion sind die Meinungen geteilt.

Von Katharina Klöber

Und, wo verbringen Sie dieses Jahr Ihren Sommerurlaub? Entweder Sie gehören zur ersten Gruppe derjenigen, die sich diese Frage nie stellt – weil für Sie feststeht: Es wird derselbe Ort sein wie im vergangenen Jahr – und im Jahr davor. Oder Sie gehören zur zweiten Gruppe, die immer wieder ein unbekanntes Reiseziel ansteuert. Was spricht eigentlich für oder gegen die beiden Varianten? Das hängt davon ab, was Ihnen im Urlaub wichtig ist. Zwei Kollegen, zwei Antworten.

René Kohlenberg meint:

Ich bin kein Mann für einen One-Time-Urlaub. Einmal hin und das war’s? Nein, ich suche etwas Langfristiges, etwas, auf das man sich verlassen kann. Ich will wissen, wie der Ort bei Tag und Nacht aussieht, bei Regen und Sonne, im Winter und im Sommer. Ich will seine Macken kennenlernen und all sein Schönheit.

Sicher, es ist aufregend, in eine fremde Stadt zu reisen, Straßen zu erkunden, eine unbekannte Sprache zu hören, verstehen zu lernen. Aber was nimmt man bei einem einmaligen Besuch schon wahr? Man kratzt wohl nur an der Oberfläche.

Ich hingegen habe mein Herz an Florenz verloren. Seit 2006 fahre ich jedes Jahr dorthin. Und weil ich das so oft mache, verbindet mich immer mehr mit dieser Stadt. In Florenz fand ich meine Liebe, feierte die Nächte durch, lernte eine fremde Sprache, eine andere Kultur und die Menschen dort kennen – und natürlich die Stadt selbst: Das beste Eis gibt es bei „La Carraia“, das beste Steak im „Aqua al due“. Ein Abend in einer Bar ohne einen Negroni (Longdrink aus Florenz) ist ein verlorener.

Und ich weiß, wo es nachts um zwei Uhr frische Croissants gibt. In meiner Stammbar „Angies Pub“ ist immer ein Platz an der Theke frei und Zeit für eine Zigarette vor der Tür – zumindest so lange bis der erzürnte Nachbar von oben wieder einen Eimer Wasser herunterschüttet, weil ihn die plappernden Raucher nerven.

Es ist jedes Mal ein tolles Gefühl, am Bahnhof anzukommen. Es ist wie das Wiedersehen in einer Fernbeziehung. Man freut sich, den anderen zu sehen. Natürlich sieht man auch, was sich in der Zwischenzeit verändert hat. Hier hat ein Laden dicht gemacht, dort eine neue Bar geöffnet, aber dennoch bleibt diese Vertrautheit.

Und wie in einer echten Beziehung gibt es auch Dinge, die mich an Florenz nerven: Die vielen Touristen, die alles fotografieren, was nicht bei drei auf den sehr spärlich gesäten Bäumen ist, und ein Durchkommen unmöglich machen. Die viel zu schmalen, hohen Bordsteine, die ein Nebeneinanderlaufen verbieten. Die Hundehaufen auf den Gehwegen und der Uringeruch im Sommer. Aber all das weiß man eben schon und man findet sich damit ab, lernt es als Teil dieser Stadt sogar zu mögen.

Ja, Florenz wird mich kaum noch so überraschen wie eine andere unbekannte Stadt. Aber sie wird mich auch nicht enttäuschen, denn ich weiß, was mich erwartet. Und was mich erwartet, ist wunderschön.

Katharina Klöber meint:

Kann man permanent Fernweh haben? Ja, das geht. Ich bin das beste Beispiel. Nichts löst in mir eine größere Freude aus, als wenn ich meinen Rucksack packe, ein Flugzeug betrete und an einem unbekannten Ort wieder aussteige. Eine unbekannte Kultur kennenlernen, andere Landschaften entdecken, fremden Menschen begegnen: Für mich gibt es nichts Besseres. Natürlich könnte ich auch jedes Jahr an den gleichen Ort fahren, ins gleiche Hotel. Dann wüsste ich, was mich erwartet. Entspannter, stressfreier und komfortabler wäre das mit Sicherheit. Aber für mich vor allem eines: langweilig. Routine habe ich ja schon im Alltag.

Im Urlaub brauche ich Abwechslung. Deswegen erkunde ich immer neue Ziele: Brasilien, Schweden und Indonesien waren es zuletzt.

Auf Java habe ich während eines Freiwilligendiensts drei Monate bei einer muslimischen Familie gelebt. Klar, eine Dusche, die daraus besteht, sich einen Eimer Wasser über den Kopf zu kippen, ist anfangs ungewohnt. Genauso, wie morgens vom Gesang des Imams in der Moschee nebenan geweckt zu werden. Zurückgekommen bin ich dafür mit einer zweiten Familie.

Auch mein Outdoor-Trip mit Kanufahren und Zelten in Schweden war nicht wirklich komfortabel. Insbesondere, weil es die meiste Zeit geregnet hat. Die wunderschöne Landschaft aus Seen und Wäldern hätte ich anders aber nicht so gut entdecken können.

Und wenn ich in Rio nicht auf einer Luftmatratze in einer Musiker-WG übernachtet hätte, wäre mir auch die herzliche Begegnung mit Nina und Pedro entgangen. Meine Gastgeber sprachen kaum Englisch und ich kein Portugiesisch. Deshalb haben wir uns mit Händen und Füßen verständigt – und viel gelacht.

Einfach, bequem und nervenschonend sind solche Trips bestimmt nicht. Dafür erlebe ich aber Dinge, die für mich unbezahlbar sind: Ich lerne immer wieder Neues kennen, fordere mich heraus, teste meine Grenzen.

Anstrengend mag der ein oder andere das finden. Spannend würde ich es nennen. Denn überall wo ich hinkomme, füllt sich meine innere Weltkarte mit Farbe. Die zweidimensionale Karte verknüpft sich mit dem dreidimensional Erlebten. So werden Orte, die in meiner Vorstellung grau waren, plötzlich bunt.

Fragt mich jemand nach meinem Traumziel, zähle ich locker drei auf, wenn mich niemand unterbricht, werden es schnell zehn. Schließlich gibt es noch so viel zu entdecken. Ums „Ländersammeln“ geht es mir dabei nicht. Ich sammle Geschichten – und male meine innere Weltkarte immer bunter.

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