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Festnahme eines Protestanten bei einer Schwulenparade in Russland.

Gay Travel Index

Gefährliche Reiseländer für Homosexuelle

Für die westliche Reisebranche sind Homosexuelle eine begehrte Zielgruppe. In anderen Teilen der Welt aber bleibt Homosexualität illegal. Schwule und lesbische Urlauber sollten diese Länder meiden, sonst droht schlimmstenfalls sogar die Todesstrafe.

Die Reisebranche hat Homosexuelle längst als begehrte Zielgruppe entdeckt, weil sie besonders reisefreudig sind und sich oft auch teure Urlaube leisten. Auf der diesjährigen ITB in Berlin stellten über ein Dutzend Anbieter ihre Reiseideen für schwule und lesbische Urlauber vor. Angebote dieser Richtung werden gerade in Nordamerika, Europa oder Australien immer weiter ausgebaut.

Eine liberale, offene Haltung gegenüber Homosexuellen und Hotels mit dem Label ?gay friendly? (dt.: ?Homosexuelle willkommen?) sind in einigen vor allem europäischen Ländern Gang und Gäbe. Dort ist es normal, dass homosexuelle Paare sich Händchen haltend in der Öffentlichkeit, am Strand oder in Bars, zeigen.

„International Gay Travel Index“

Nicht an allen Orten der Welt können schwule und lesbische Paare aber unbeschwert Urlaub machen und ihre Zuneigung offen ausdrücken. In bestimmten Ländern geraten sie sogar in große Gefahr, wenn sie dort als Paar auftreten, weil Homosexualität dort ein sitten- oder regelwidriges Verhalten darstellt. Der ?Spartacus International Gay Travel Index? gibt eine Übersicht über die gesetzliche Lage und die Akzeptanz von Homosexuellen in 138 Reiseländern.

Todesstrafe für Homosexuelle in vier Ländern

In Lebensgefahr bringen sich gleichgeschlechtliche Reisende demzufolge im Iran, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Nigeria und Ägypten. In diesen Ländern steht auf homosexuelle Handlungen die Todesstrafe. In über 30 weiteren Ländern ist Homosexualität illegal. Menschen werden dort deshalb diskriminiert und verfolgt. In Russland, dem schwulenfeindlichsten Land Europas, aber auch in Jordanien und in klassischen Urlaubsregionen wie Jamaika, Madagaskar und den Bahamas werden Schwule und Lesben wegen ihrer sexuellen Orientierung sogar häufig ermordet.

Religiöse Einflüsse und regionale Unterschiede

Die Rechteverhältnisse variieren oft sogar innerhalb der Länder, abhängig von Regionen und dem Einfluss religiöser Strömungen. In Indonesien zum Beispiel ist Homosexualität zwar legal, in der Provinz Aceh aber gelten die Gesetze der islamischen Scharia – zumindest für gläubige Moslems. Auch in der Provinz Djakarta wird Homosexualität offiziell als „spirituelle Störung“ angesehen, Schwule und Lesben sind hier nicht geschützt.

Schwulenfeindliche Tendenzen verbreitet

Sehr häufig besteht auch ein Unterschied zwischen der Rechtslage und der Wahrnehmung bzw. dem Umgang der Bevölkerung mit homosexuellen Bürgern und Besuchern. In etwa 100 Ländern gibt es in der Bevölkerung schwulenfeindliche Tendenzen – das gilt auch für Reiseorte wie Griechenland, Malta, Portugal oder die USA.  

Deutschland auf Platz 12

Zu den liberalsten Ländern gehören Schweden, Belgien, Frankreich, die Niederlande, Großbritannien und Kanada. Dort sind gleichgeschlechtliche Ehen und auch Adoptionen für homosexuelle Paare gesetzlich erlaubt. In über 30 weiteren Ländern ist zumindest eine eingetragene Partnerschaft möglich. Dort gibt es auch Anti-Diskriminierungsgesetze zum Schutz von Schwulen und Lesben. Deutschland rangiert im Gay Travel Index auf Platz 12 der internationalen Liste – noch hinter Uruguay und Spanien. (iw)

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