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Wie wir früher in den Urlaub gefahren sind

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Kind und Kegel ins Auto und ab in den Urlaub: Für Familien war die eigene Anreise früher noch günstiger als heute.
Kind und Kegel ins Auto und ab in den Urlaub: Für Familien war die eigene Anreise früher noch günstiger als heute. © dpa

Heute geht im Auto nichts mehr ohne Navi, früher kam man dank Blick auf die Straßenkarte trotzdem ans Ziel. Es gab auch eine Zeit, in der man im Flugzeug noch rauchen durfte. So war das, wenn wir früher in die Ferien starteten.

Von Katharina Klöber

Fotos auf Papier und Orientierung ohne Navi: Wie wir früher mit weniger Technik im Urlaub überlebt haben, können sich Kinder und Jugendliche heute nicht mehr vorstellen. Die schönsten Erinnerungen an „damals“:

Analoge Foto-Filme

Wollte man seine Urlaubserlebnisse in Bildern festhalten, musste man für den Fotoapparat vorher den passenden Film besorgen. Dabei musste man sich gut überlegen, wie die Lichtverhältnisse am Urlaubsort sein würden: Sonnig oder eher bewölkt? Je nachdem wählte man die Filmempfindlichkeit aus und kaufte einen ISO 100-, 200- oder 400-Film. Unbegrenzt auf den Auflöser drücken war damals nicht drin: Ein Film hatte entweder 24 oder 36 Bilder. Und die musste man sich gut einteilen, wollte man bis zum letzten Tag fotografieren können.

Geld tauschen

Wer mit dem Auto nach Frankreich, Italien oder Spanien fuhr, musste vor der Euro-Einführung im Jahr 2002 vor dem Urlaub Geld tauschen, wollte er vor Ort in der Lage sein, den Kindern nach einer langen Fahrt ein Eis zu kaufen. In der Sparkasse bekam man die fremde Währung in einem weißen Umschlag überreicht. Dazu gab es als besonderen Service eine Umrechnungstabelle im Scheckkartenformat, damit man vor Ort überprüfen konnte, wie viel man für das Eis eigentlich gerade bezahlte.

Wer in weiter entfernte Länder wie Portugal fuhr, musste entsprechend mehr als eine Währung eintauschen, eine für jedes Land, das man durchquerte. Weil man meistens zu viel tauschte, blieb am Ende des Urlaubs viel Spielgeld für die Kinder übrig: Schillinge, Francs, Peseten, Lira...

Rauchen im Flugzeug

Zwar konnte man auch früher schon mit dem Flugzeug in den Urlaub fliegen, vor 30 Jahren durfte man in der Kabine allerdings noch rauchen. Die Sitzreihen im hinteren Teil des Flugzeugs waren meist als Raucher-Abteil deklariert. Von den restlichen Plätzen war das Raucher-Abteil durch einen Vorhang abgetrennt.

Da der Vorhang die Raucher zwar optisch von den anderen Gästen trennte, den Qualm aber durchließ, wurden die nicht-qualmenden Passagiere kurzerhand zum Passivrauchen gezwungen. Insbesondere Eltern mit Kindern an Bord ärgerten sich darüber zwar, mussten die Tatsache aber hinnehmen – man kannte es ja nicht anders.

Straßenkarte statt Navi

Bevor es Navis und Smartphones gab, fuhren die Menschen ohne diese Hilfsmittel zum Urlaubsort. Das kann sich heute zwar niemand mehr vorstellen, war aber wirklich so. Früher orientierte man sich einfach an Straßenkarten und Autobahnschildern. Meistens war der Beifahrer für die Navigation verantwortlich.

Während Vater am Steuer saß, hatte Mutter die Karte auf dem Schoß und sagte die nächste Autobahn-Abfahrt an. Vor dem endgültigen Siegeszug der modernen Technik galten diejenigen Urlauber als besonders fortschrittlich, die sich die Strecke im Internet über Googles Routenplaner ausgedruckt hatten.

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Unangeschnallt auf der Rückbank

Den Fußraum der hinteren Sitze mit Koffern und Taschen füllen, große Decke darüber, fertig war das Nachtlager für die Kinder im Auto. Ein Zwischenstopp im Hotel kostete schließlich Zeit und Geld. Während die Eltern sich also auf dem Weg in den Süden nachts am Steuer abwechselten, durften die Kinder hinten schlafen. Bis zu einem gewissen Alter konnte man sich dabei sogar lang machen. Um Platz zu sparen, legten sich die Geschwister in entgegengesetzter Richtung hin. Dadurch hatte man zwar ab und zu die Füße der Schwester im Gesicht, bequem war es aber trotzdem.

Passkontrolle an den Grenzen

Jede Reise in den Süden bedeutete früher immer mindestens einen Zwischenstopp – und zwar an der Grenze. Daran führte kein Weg vorbei – selbst wenn Vater die Route so ausgeklügelt hatte (Abfahrt um 4 Uhr morgens), dass man alle Staus umschiffte. An den europäischen Grenzposten bildeten sich regelmäßig lange Schlangen. Das forderte Geduld.

Die Zeit wurde genutzt, indem Mutter im Auto für Ordnung sorgte und Kaugummi-Papier und Bananenschalen einsammelte. Schließlich wollte man den Beamten gegenüber einen aufgeräumten Eindruck vermitteln. War man endlich an der Reihe, setzten alle ihr schönstes Lächeln auf. Man hatte zwar nichts zu verbergen, aber man konnte ja nie wissen, wer an der Grenze scheinbar wahllos aus dem Verkehr gezogen wurde.

Stempel im Reisepass

Früher musste man nicht nach Asien, Amerika oder Australien fliegen, um den Reisepass mit Leben in Form von Stempeln zu füllen. Die gab es bei einer Reise durch Europa an jeder Grenze. Wer heute beweisen will, dass er wirklich gerade in Rom ist, tut das meistens online: Mit einem Klick auf „Füge einen Ort zu diesem Beitrag hinzu“ in der Statusmeldung „Superschön hier“ bei Facebook.

Dia-Vortrag im Keller

Um nach dem Urlaub die schönsten Erlebnisse noch einmal aufleben und das vollbrachte Auto-Abenteuer Revue passieren zu lassen, ließ man von den besten Fotos früher Dias entwickeln. Alternativ hatte man unterwegs mit einer Super-8-Kamera Videoaufnahmen gemacht. Die Vorführung von Dias oder Video glich einem wahren Event.

Dafür schleppte man Stühle in den Keller und kurbelte dort die Leinwand herunter. Zu der Präsentation, zu der auch Nachbarn und Freunde eingeladen wurden, wurden Snacks wie Spieße vom Käseigel gereicht. Solche Abende gibt es heute kaum noch: Stattdessen drücken Freunde unter dem Selfie vorm Kolosseum bei Facebook in Echtzeit auf „Gefällt mir“.

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