1. Startseite
  2. Ratgeber
  3. Reise

Lufthansa streicht tausende Flüge: Reisende können Geld zurückbekommen

Erstellt:

Von: Sandra Kathe

Kommentare

Chaos an deutschen Flughäfen: Am Mittwoch (27. Juli) streicht die Lufthansa alle Flüge. Diese Rechte haben Reisende, deren Flug gestrichen wird. 

Frankfurt – Die Reisendenzahlen am Flughafen Frankfurt sind im Juni auf ein Rekordniveau seit Beginn der Corona-Krise gestiegen und dennoch mehren sich an den wichtigsten Flughäfen Deutschlands vor der Hauptreisezeit die schlechten Nachrichten. Airlines, vor allem die bei deutschen Flugreisenden beliebte Lufthansa, annullieren reihenweise Flüge, an den Kofferbändern stapelt sich seit Wochen verloren gegangenes Gepäck.

Schuld an der Situation an den Flughäfen ist nach Angaben von Betreibergesellschaften und Airlines ein massiver Personalmangel infolge der Corona-Pandemie, die Flughafenbetreiber und den Luftverkehr zu Personalabbau und Einführung von Kurzarbeit gezwungen hat. So fehlen nicht nur Beschäftigte bei Airlines, sondern auch das Ein- und Aussteigen von Passagierinnen und Passagieren, Sicherheitskontrollen und Gepäckabfertigung dauern deutlich länger. Am Mittwoch (27. Juli) muss die Lufthansa wegen eines Warnstreiks ihres Bodenpersonals fast alle Flüge an den Drehkreuzen Frankfurt und München streichen. Rund 134.000 Passagiere sind betroffen.

Die Lufthansa muss wegen des Warnstreiks ihres Bodenpersonals am Mittwoch (27. Juli) fast alle Flüge an den Drehkreuzen Frankfurt und München streichen. Welche Rechte Fluggäste haben.
Die Lufthansa muss wegen des Warnstreiks ihres Bodenpersonals am Mittwoch (27. Juli) fast alle Flüge an den Drehkreuzen Frankfurt und München streichen. Welche Rechte Fluggäste haben. © Sven Hoppe/dpa

Reisen und Chaos an Flughäfen: Die Fluggastrechteverordnung regelt die Einzelheiten

Die gute Nachricht für Reisende: Laut Angaben des Verbraucherschutzes fällt fehlendes Personal im Gegensatz zu Unwettern nicht unter die Begründung „höhere Gewalt“, sodass laut der Hamburger Verbraucherschützerin Julia Rehberg in den meisten Fällen eine Rückerstattung fällig wird. Alternativ können Reisende auch auf eine Ersatzverbindung bestehen, die die Airline nicht nur durch eigene Flüge, sondern wenn möglich, auch durch Zugverbindungen oder Flüge anderer Anbieter bereitstellen kann, erklärt Rehberg in einem Interview mit dem NDR. Auch im Falle eines Streiks haben betroffene Passagiere bei einer Flugannullierung unter anderem ein Recht auf Ersatzflüge und gegebenenfalls Ausgleichsleistungen, teilt die Verbraucherzentrale mit.

Dazu erklärt Rehberg, dass bei einer Reise, die im Zeitraum von zwei Wochen vor Reiseantritt durch die gesetzlich geregelte Fluggastrechteverordnung besonders klar definiert ist, was Reisende von der Fluggesellschaft verlangen können. Doch auch Reisende, deren geplanter Urlaub länger in der Zukunft liegt, hätten laut Rehberg gute Chancen auf alternative Beförderung: „Es kann unserer Auffassung als Verbraucherzentrale nicht sein, dass eine Fluggesellschaft einen Vertrag mit einem Kunden schließt und im Nachhinein sagt: Nein, das mache ich doch nicht.“

Verbraucherschutz zu annullierten Flügen: Reisende bekommen meistens Geld zurück

Die Option, Geld für einen annullierten Flug zurückzufordern, gebe es laut Verbraucherschützerin Rehberg grundsätzlich immer. Komplizierter werde es bei Reisenden, die von der Airline Folgekosten fordern, etwa für einen selbst gebuchten Ersatzflug oder eine Übernachtung im Hotel: Die Fluggesellschaft müsse diese in den meisten Fällen zwar grundsätzlich – laut der Einschätzung des Verbraucherschutzes – ersetzen, könnte jedoch auch einzelne Positionen anfechten.

Denn: Passagierinnen und Passagiere hätten dann eine Pflicht, den Schaden „möglichst gering zu halten“. Rehberg erklärt im NDR-Interview: „Wenn zum Beispiel ein Flug, der noch am gleichen Tag geht und weniger kostet als die Folgekosten, die entstehen, wenn ich gar nicht fliege, dann müsste ich mich für den Flug entscheiden. Zudem kann die Haftung für Folgeschäden mittels AGB auf grob fahrlässiges Verhalten begrenzt werden.“ Wird ein Flug wegen eines Streiks annulliert oder ist verspätet, können Betroffene mit der App „Flugärger“ der Verbraucherzentrale berechnen, wie viel Geld sie zurückbekommen.

Probleme an deutschen Flughäfen: Bei Verzögerungen Geld zurück holen

Problematische Situationen drohen aufgrund der aktuellen Lage jedoch nicht nur Kundinnen und Kunden, deren Flüge gestrichen wurden. Auch Menschen, die rechtzeitig am Flughafen sind, können an besonders Publikums-intensiven Tagen ihren Flug verpassen, etwa weil sie nicht rechtzeitig durch den Sicherheitscheck gekommen sind. Dazu ist es nötig, zu dokumentieren, dass man rechtzeitig, mindestens zweieinhalb Stunden vor geplantem Abflug, am Flughafen angekommen ist und lange Schlangen bei Check-In oder Sicherheit für Verzögerungen gesorgt haben, zum Beispiel mit Fotos.

In solchen Fällen kann es sich lohnen, Personal vor Ort anzusprechen und auf seine Situation aufmerksam zu machen, um sicherzustellen, dass man den Flieger doch noch rechtzeitig bekommt. Erst wenn auch das erwiesenermaßen nicht zum Erfolg führt, haben Reisende laut Einschätzung des Verbraucherschutzes in Niedersachsen einen Anspruch auf Schadenersatz durch den Flughafenbetreiber oder sogar den Staat.

Mit rund 5 Millionen Fluggästen im Juni 2022 berichtete der Flughafen Frankfurt kürzlich von einem Rekord-Aufkommen seit Beginn der Corona-Pandemie und einer Steigerung von 180 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Der Flughafen München, an dem die Lufthansa sowie ihre Tochtergesellschaften ebenfalls etliche Flüge gestrichen haben, meldet sogar, dass im ersten Halbjahr 2022 mit rund 13 Millionen Passagierinnen und Passagieren bislang mehr Fluggäste gezählt wurden als im gesamten Jahr 2021. Das entspräche eine Verfünffachung der Zahlen aus dem ersten Halbjahr 2021. (ska)

Auch interessant

Kommentare