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Auf einem Kreuzfahrtschiff genießen die Gäste ihre Fahrt.
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Auf einem Kreuzfahrtschiff genießen die Gäste ihre Fahrt.

Frack für die Haie

Das erlebten Schriftsteller auf Kreuzfahrt

Kuh an Bord, Boxkampf mit dem Steward: Wer könnte besser über Kreuzfahrten schreiben als Schriftsteller? Ein neues Buch versammelt nun die Seereise-Erlebnisse namhafter Autoren. Einige witzige Geschichten daraus lesen Sie hier.

An Bord eines großen Schiffes übers Meer schippern: Ganz klar – Kreuzfahrten sind total angesagt. Auch in früheren Zeiten faszinierten Seereisen die Menschen – so auch etliche Schriftsteller, die ihre Erlebnisse – wer hätte das gedacht – auf Papier festgehalten haben. Das neue Buch „Ich liebe das Meer wie meine Seele – Berühmte Schriftsteller und ihre Seereisen“ versammelt nun ihre Reiseberichte.

Die „Top Ten“ ihrer ungewöhnlichsten Kreuzfahrt-Erlebnisse haben wir hier zusammengestellt:

Kuh an Bord

Frische Milch zum Frühstück? Kein Problem, auch ohne Kühlraum mitten auf dem Atlantik. Die Cunard Line nimmt dafür 1842 auf ihrem Schaufelraddampfer „Britannia“ einfach eine lebendige Kuh mit. Der seekranke Romanautor Charles Dickens lehnt trotzdem dankend ab – und greift lieber zu reichlich Rotwein und Brandy.

Klammheimlich nach Athen

Er will 1865 die Akropolis sehen – und darf wegen strenger Quarantäne in Piräus nicht von Bord. Kein Hindernis für Reiseschriftsteller Mark Twain auf dem Raddampfer „Quaker City“: Er schleicht sich nachts heimlich an Land und bewundert die antiken Säulen im Mondlicht. Entdeckt wird er nicht – sonst hätte er ein griechisches Gefängnis von innen besichtigen können.

Boxkampf mit dem Steward

Als erstes schlägt er den Steward k.o. – und sichert sich so die Bewunderung der Mannschaft. Der spätere Sherlock-Holmes-Erfinder Arthur Conan Doyle verdient sich sein Medizinstudium 1880 als Schiffsarzt auf einem Grönland-Walfänger. Die rauen Seeleute sind dabei mehr von seinen Boxkünsten beeindruckt als von seinen ärztlichen Fähigkeiten.

Frack für die Haie

Äußerlich ungerührt auch im schlimmsten Atlantik-Orkan bleibt 1912 der dänische Schriftsteller Herman Bang. Während die meisten Passagiere schon mit dem Leben abgeschlossen haben, diniert er stoisch im leeren Speisesaal der „Moltke“ – gewandet in Frack und Fliege. Sein lakonischer Kommentar zur piekfeinen Garderobe: „Das schmeckt den Haien besser.“

Pelzmantel statt Sex

Ohne Klimaanlage wird 1934 eine Australienreise auf dem P&O-Liner „Strathaird“ für den Reporter Egon Erwin Kisch zur Tortur. Er bewundert die Mitpassagiere, die in der tropischen Nacht noch Energie für die „Betätigung der Liebe“ haben. Ihm selbst kommt das Schiff wie ein Backofen vor, sein Badeanzug wie ein dicker Pelzmantel.

Sprung an Land

In Australien wollen die Behörden Egon Erwin Kisch nicht von Bord lassen und direkt wieder nach Europa zurückschicken. Der Schriftsteller ist den Beamten politisch verdächtig. Kisch schlägt ihnen ein Schnippchen: Er wagt beim Ablegen einen stuntreifen Hechtsprung vom Deck auf den Kai. Die Folge: Ein gebrochenes Bein – und endlich die Einreiseerlaubnis.

Tee und Tiger

Die Bordzeitung der „Volendam“ präsentiert 1934 nur Belangloses und Vorproduziertes – denn für längere aktuelle Nachrichten reicht die Kapazität der Funkanlage nicht aus. So muss auch Literaturnobelpreisträger Thomas Mann eine uralte Klatschgeschichte vom Tiger in einem US-Zoo lesen, dem die Wärter das Whiskytrinken beigebracht haben. Den Dichter schaudert es – und er lässt sich einen Tee servieren.

Last-Minute-Weltreise

Nur Sekunden später, und die schöne Schiffsreise rund um die Erde in 80 Tagen wäre schon beim Start gescheitert: Wegen einer falschen Fahrplaninfo erreicht der französische Künstler Jean Cocteau 1936 erst im allerletzten Moment den Zug zum Schiff. Fast wäre es ihm so ergangen wie seinem literarischen Reise-Vorbild Phileas Fogg – doch am Ende läuft alles nach Plan.

Polizist als Fremdenführer

Beim kurzen Zwischenstopp in Athen verpflichtet Jean Cocteau als Fremdenführer einen Polizisten, der gerade nicht im Dienst ist und Französisch lernt. Ein höchst praktisches Arrangement, findet Cocteau: „Die Anwesenheit eines Polizisten befreit uns von jeglichem Gedränge.“

Schmetterlinge an Deck

Der deutsche „Jahrhundertschriftsteller“ Ernst Jünger nutzt 1965 auf dem Kombischiff „Hamburg“ eine Asienreise auch zum Sammeln von Käfern und Schmetterlingen. Jagen muss er die Tiere nicht: Die helle Beleuchtung der Außendecks lockt nachts in den Häfen viele tropische Falter an. Eine Riesenwanze fliegt sogar direkt in die Kabine.

(eichner/ koehlers verlagsgesellschaft)

Informationen zum Buch

Karsten Eichner: „Ich liebe das Meer wie meine Seele. Berühmte Schriftsteller und ihre Seereisen“, erschienen in Koehlers Verlagsgesellschaft, 144 Seiten, 19,95 Euro.

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