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Herrschaftlicher Glanz früherer Zeiten: Highclere Castle in der englischen Grafschaft Hampshire

Highclere Castle

Der Drehort der Hit-Serie „Downton Abbey“

In der vielfach prämierten britischen Adelsserie „Downton Abbey“ bildet das Schloss den herrschaftlichen Schauplatz. Eigentlich heißt das Anwesen Highclere Castle, liegt südwestlich von London – und seine Besitzerin trägt Gummistiefel statt Kostüm.

Die grünen Hügel Englands heben und senken sich wie die Wogen des Meeres. Wiesen und vereinzelte mächtige Bäume bestimmen das Bild. Kein Mensch weit und breit, nur Schafe, so weit das Auge reicht. Und dann plötzlich der Ausruf: „Da ist es!“ Für Augenblicke kommen die Zinnen eines Turmes zum Vorschein, zu kurz, um Einzelheiten zu erkennen, aber lange genug, um eine Atmosphäre gespannter Erwartung zu erzeugen. Zwei Wegbiegungen weiter steigt es endlich am Horizont empor wie aus einem Wellental: Downton Abbey. Welch ein Auftritt!

Downton Abbey heißt Highclere Castle

„Downton Abbey“ ist die zurzeit erfolgreichste britische Fernsehserie, ein weltweiter Exportschlager, der schon in über 100 Länder verkauft worden ist. Zu den Fans zählt Michelle Obama - sie ließ sich die dritte Staffel sogar vorab zukommen. In Deutschland läuft das Adelsepos im ZDF. In der Serie steht das Schloss in Nordengland, aber das ist ebenso wie der Name eine Erfindung des Drehbuchautors Julian Fellowes. In Wahrheit heißt Downton Abbey Highclere Castle und liegt südwestlich von London.

Das Schloss ist Stammsitz der Carnarvons, eines der ältesten englischen Adelsgeschlechter. Ein Ägyptisches Museum im Keller erinnert bis heute an den berühmtesten Vertreter der Sippe, den 5. Earl of Carnarvon. Er war es, der sein ganzes Vermögen in die Suche nach dem Grab des Tutanchamun im Tal der Könige steckte und am 27. November 1922 märchenhaft belohnt wurde.

„Können Sie etwas sehen?“, fragte er seinen Ausgrabungsleiter Howard Carter, als dieser durch ein Loch in der versiegelten Tür spähte. Worauf dieser die legendäre Antwort gab: „Ja, wundervolle Dinge!“ Nur vier Monate später starb der Lord an einem Moskitostich - die Zeitungen schrieben, der Fluch des Pharao habe ihn getroffen.

Die neue Mylady kommt in Gummistiefeln

Gut vernetzt sind die Carnarvons noch immer. Auf einer unscheinbaren Kommode steht ein kleines gerahmtes Foto, das die Familie mit Prinzessin Diana zeigt. Aber im Umgang mit der Außenwelt gibt man sich jetzt bürgerlich-jovial. Die Frau, die da in Gummistiefeln und Jeans über den Hof kommt, ist Mylady herself. Zerzauste Haare, offenes Lachen - keine Spur von spätfeudaler Distanz. Wenn im Schloss gefilmt wird oder wenn es zur Besichtigung freigegeben ist, lebt sie mit ihrem Mann, dem 8. Earl, in einem Anbau in der Nähe der Stallungen.

Dennoch ist das Schloss bis heute kein Museum, sondern ein Einfamilienhaus. Es umfasst ungefähr 300 Zimmer, ab und zu kommt noch eines dazu. So fand sich vor einiger Zeit hinter einem Schrank eine Geheimtür zu einem bis dahin unbekannten Treppenhaus.

Kein Butler und keine Zofe mehr

Trotz dieser Ausmaße ist das Schloss deutlich kleiner, als es im Fernsehen scheint. Und noch ein anderer Eindruck drängt sich dem „Downton-Abbey“-Fan auf: Das Schloss wirkt ausgestorben! Wo ist der Butler, die Köchin, die Zofe? Die traurige Wahrheit ist: Die Parallelgesellschaft von downstairs hat sich schon vor langer Zeit aufgelöst - sie war unbezahlbar geworden. Die Bedienstetenräume einschließlich der Küche existieren nicht mehr - sie mussten für „Downton Abbey“ in Filmstudios nachgebaut werden.

Zu den größten Herausforderungen der Serie zählt es, die im Studio gedrehten Szenen aus der Welt von unten mit denen von upstairs überzeugend zu verbinden. Wenn ein Diener mit dampfendem Braten aus der Küche läuft und ihn im nächsten Moment im Speisesaal auftischt, dann sind das zwei Szenen, die im Abstand von mehreren Wochen an unterschiedlichen Orten gedreht wurden.

Stille statt Bediensteten-Treiben

Die Welt der Diener sucht man also vergeblich, aber für das Herrschaftsbiotop nutzt das Filmteam ausschließlich die Originalsäle von Highclere. Wer die Serie gesehen hat, erkennt sie auf Anhieb. Und auch wieder nicht, denn alles ist so leer, so ungewohnt still. Wenn man in einem dem Garten zugewandten Salon sitzt, weil sich Mylady gerade noch umkleidet, hört man nichts außer dem Blöken der Schafe. Keine Schritte, kein Klingeln, kein Klappern. Einst beschäftigte das Schloss 60 Bedienstete - weit mehr als in der TV-Version „Downton Abbey“.

In einem Gang hängt noch das Bellboard, auf dem alle wichtigen Räume verzeichnet sind, bis hin zu Lord Carnarvon's Steam Bath. Wenn Seine Lordschaft irgendwo im Haus einen Wunsch verspürte, musste er nur auf einen Knopf drücken, und schon läutete unten eine Glocke, um die Dienerschaft zu alarmieren. Ein Licht auf dem Bellboard gab an, in welchem Raum gerade Hilfe erwünscht war.

Mega-Altbau mit Reparatur-Bedürfnis

Heute fließen alle Mittel in die Instandhaltung des riesigen Hauses. Obwohl Highclere Castle viele Besucher anzieht und außerdem Hochzeiten und Konferenzen ausrichtet, ist doch nicht zu übersehen, dass auch die Carnarvons sparen müssen. Hier und da blättert die Farbe von den Fußleisten, die einfach verglasten Fenster werden nachts mit groben Holzpanelen zusätzlich abgedichtet.

Wenn gerade gedreht wird und Platz gemacht werden muss, stapelt sich ein Großteil des Mobiliars in einem Raum. Manches wirkt abgestoßen. Wer einmal in einer Altbauwohnung gelebt habe, könne sich vielleicht eine Vorstellung davon machen, was in diesem Mega-Altbau so alles an Reparaturen anfalle, seufzt Fiona Carnarvon.

Her Ladyship spürt wohl selbst, dass die Stille im Schloss etwas Trauriges hat. Ungefragt kommt sie darauf zu sprechen, wie anders es hier zugeht, wenn das Haus ausnahmsweise aus dem Dornröschenschlaf erwacht. „Wenn Gäste kommen, kann es hier wunderbar sein. Von oben hört man Schritte und Stimmen, und das Schönste ist, durch die Korridore zu laufen und überall Licht unter den Türen durchscheinen zu sehen. In solchen Momenten weiß ich: Highclere lebt wieder.“ (dpa)

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