+
Um die Kräuter der Welt geht es im Kräuter-, Gewürz- und Teemuseum Kaulfuss in Abtswind.

Tabak, Pumuckl, Luft

Diese Museen müssen Sie sehen

Ein Museum über Luft? Warum nicht. In Bayern gibt es eine Reihe skurriler Ausstellungen, die sich teils mit sehr handfesten Dingen beschäftigen - und manchmal mit wenig greifbaren.

Von außen sieht die Gebäudefront in der malerischen Regensburger Innenstadt nicht anders aus als die benachbarten Patrizierhäuser: wuchtig, in zartem Gelb gestrichen. Drinnen: moderne Wohnungen. Und die Überreste des einst größten Arbeitgebers in der Domstadt an der Donau. Wenn Stadtführerin Marielle Kößler die gut gesicherten Räume in der Gesandtenstraße aufschließt, schlägt dem Besucher gleich ein markanter Geruch entgegen. Leicht süßlich, streng, aber nicht unangenehm: Tabak.

Blinde Fenster im Schnupftabak-Museum

Noch immer wabert das Aroma durch die Räume mit den hohen Stuckdecken - die Verarbeitung der Herba Nicotiana hat dafür gesorgt, dass die großen Fenster in dem alten Gebäude fast blind sind und die Decken an manchen Stellen dunkelbraun. Bis vor wenigen Jahren wurde hier, mitten im Zentrum der Domstadt, Schnupftabak hergestellt. Die Fabrik der Brüder Bernard beschäftigte mehr als 300 Mitarbeiter.

Das importierte Kraut, durch die Nase hochgezogen, hat in Bayern eine viel längere Tradition als die schnöde Zigarette - aber nicht nur hier. „Madame Pompadour ließ ihre Verehrer aus dem Ausschnitt schnupfen, Queen Charlotte, die Frau des britischen Königs George III. wurde „Snuffy Charlotte“ genannt und hat einen ganzen Saal im Schloss Windsor ihren Schnupftabak-Utensilien gewidmet“, berichtet Kößler. Auch der Alte Fritz und Napoleon waren Freunde der fermentierten Pflanze.
„Der Schnupftabak war viele Jahre das Laster der Oberschicht“, sagt die Stadtführerin. Denn den Tabak gab es schon lange, bevor die Zigarette überhaupt erfunden war. „Man rauchte Zigarre oder Pfeife - oder man schnupfte.“

Luft begreifbar machen

Nur rund 70 Kilometer von Regensburg entfernt liegt Amberg - dort widmet sich das kuriose Museum im Klösterl am Eichenforst keiner streng riechenden Materie, sondern der Luft. Im Jahr 2006 hat der Oberpfälzer Künstler Wilhelm Koch an einem verwinkelten Platz in der historischen Altstadt das Luftmuseum eröffnet, „passenderweise in einem Gebäude, dessen Hausname „Engelsburg“ ist“, sagt er.

650 Quadratmeter Platz sind darin für Ausstellungen zum Thema Luft - und die kommt in den verschiedensten Exponaten vor. In Gummireifen und in Maschinen, in einer Plastiktütenorgel und in zahlreichen Sonderschauen. Koch ist Initiator des Museum, das bis heute von einem Verein betrieben wird. Er selbst arbeitete immer wieder mit Gummi und Luft und will das Thema Luft „erleb- und begreifbar“ machen. „Neben den Ausstellungen organisieren wir Vorträge, Lesungen, Führungen und Konzerte.“

Levi Strauss ist Oberfranke

Doch nicht nur in der Oberpfalz finden sich Museen, die ein ungewöhnliches Thema haben - durch ganz Bayern verteilt findet man kuriose Ausstellungen. Der Jeans etwa widmet sich das Levi-Strauss-Museum im oberfränkischen Buttenheim - denn dort, in der Nähe von Bamberg, wurde der Erfinder der Nietenhosen geboren. Heute erinnert im Geburtshaus ein Museum an den bekannten Sohn der kleinen Stadt.

In Augsburg steht das Museum ?Die Kiste? - dort sind seit 2001 Kater Mikesch, Urmel, Jim Knopf, Lukas der Lokomotivführer, Kalle Wirsch, die Katze mit Hut und zahlreiche andere Stars der Augsburger Puppenkiste zu bewundern. Wie in der Werkstatt von Meister Eder fühlt man sich bei einem Besuch des Pumuckl-Museums in Ohlstadt. Dort hat Gründer Armin Krattenmacher dem frechen Kobold ein Zuhause gegeben und ihm eine Werkstatt eingerichtet, die fast so aussieht wie die Kulisse des Fernseh-Meister-Eders.

Auf der Burg Abenberg befasst sich das Klöppelmuseum mit der mühevollen Handarbeit. Die Exponate reichen von Metallspitzen in Gold und Silber bis zu handgeklöppelten Kleidungsstücken. Im Knopfmuseum in Bärnau gibt es allerlei Kuriositäten: Knöpfe aus vier Jahrhunderten und verschiedensten Materialien, Maschinen und Geräte zur Knopfherstellung, der größte und der kleinste Perlmutterknopf der Welt sowie ein Knopfpaar, dessen Kleidung aus fast 20.000 Knöpfen besteht. In Creglingen an der Romantischen Straße, zwischen Bad Mergentheim und Rothenburg ob der Tauber, können sich Handarbeitsbegeisterte im Fingerhutmuseum umschauen - dem weltweit einzigen seiner Art.

Über Minze, Meerrettich und Kartoffeln

Weit über die Landesgrenzen ist Bayern für seine deftige Küche bekannt - also dürfen in der Kuriositätenkammer der Museen auch solche mit kulinarischen Inhalten nicht fehlen. Da ist etwa das Pfefferminzmuseum in Eichenau, in dem über Anbau, Ernte und Trocknung der Mentha piperita, über ihre Heilkraft und über die Geschichte der Minze informiert wird. Mit dem Kren als ein Stück fränkischer und bayerischer Kultur- und Wirtschaftsgeschichte beschäftigt sich das Meerrettichmuseum in Baiersdorf. Das Kartoffelmuseum in München gilt als weltweit einziges, das sich dem Erdapfel ausschließlich in künstlerischer und kunsthistorischer Hinsicht widmet.

Um die Kräuter der Welt geht es im Kräuter-, Gewürz- und Teemuseum Kaulfuss in Abtswind: um Handel und Heilwirkung, um die Geheimnisse und die Macht dieser begehrten Handelsware. Eine 450 Jahre alte Scheune wurde zum Museum umgebaut, auf rund 1000 Quadratmetern und vier Etagen entdecken Besucher eine Menge spannender Geschichten. Und ganz im Süden des Freistaats, unweit der Grenze zu Österreich, ist das Salz Gegenstand eines Museums: In Bad Reichenhall, wo schon seit Jahrhunderten Salz gewonnen wird, zeigt eine multimediale Ausstellung Wissenswertes zur Geschichte des Gewürzes, zu seiner Bedeutung und der mühsamen Gewinnung des kostbaren Gutes. (dpa/tmn)

Alle Museen auf einen Blick zeigt die Bildergalerie.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion