Stellplatz

Sommerurlaub während Corona: Wie Sie noch einen Campingplatz ergattern können

  • vonFinn Mayer-Kuckuk
    schließen

Auf den Campingplätzen in Deutschland wird es während des Sommerurlaubs voll. Wer keinen Stell- oder Zeltplatz mehr bekommt, kann es bei neuen Anbietern versuchen.

  • Immer mehr Menschen machen ihren Sommerurlaub auf dem Campingplatz.
  • Das liegt unter anderem an Corona.
  • Die Suche nach einem Stell- oder Zeltplatz kann sich schwierig gestalten.

Deutschlandurlaub statt Flugreise: Vielen Familien bleibt im Sommer gar nichts anderes übrig, als Ferien innerhalb der Landesgrenzen zu machen. Das Ergebnis ist jedoch ein Ansturm auf die Campingplätze. Schon an den langen Wochenenden zu Pfingsten und Himmelfahrt mussten Platzwarte in beliebten Zielregionen zahlreiche Anreisende wegschicken. Denn wegen der Hygieneregeln passen ausgerechnet in diesem Jahr weniger Wohnwagen und Zelte auf die Plätze als sonst.

Camping und Urlaub im Sommer: Festivals vorerst abgesagt

An anderer Stelle zeigt sich ein ganz anderes Bild: Weitläufige Wiesen, auf denen jetzt im Sommer Festivals stattfinden sollten, stehen leer. Große Musikveranstaltungen sind zur Eindämmung der Pandemie vorerst abgesagt. Der Werbe- und Eventfachmann Jobst von Paepcke von der Firma BSP Media in Hamburg hatte daher im April die Idee, beide Beobachtungen zu verbinden. Er wollte die Festivalflächen fürs Camping nutzbar machen. Im zweiten Schritt kam er auf die Idee, auch andere große Privatgrundstücke einzubeziehen.

BSP Media hat dazu die Website popupcamps.de registriert und eine Plattform online gestellt, die Flächenbesitzer und Urlauber zusammenbringen soll. Camper können dort jetzt schon erste Stellplätze reservieren. „Wir in der Firma sind selbst Outdoor-Enthusiasten“, sagt von Paepcke. „Uns war klar, dass die Campingplätze im Sommer dringend Entlastung brauchen würden.“ Er wusste auch früh um den Ernst der Pandemie: Ihm sind neun Zehntel seines Geschäfts weggebrochen.

Camping und Corona im Sommer: Pop-Up ist ein Trend

Wegen Corona verbringen dieses Jahr viele Menschen ihren Sommerurlaub in Deutschland auf Campingplätzen.

Die Vorsilben „Pop-up-“ sind ein Modeausdruck für Geschäfte und andere Einrichtungen, die schnell und temporär entstehen. DiePop-up-Campingplätze stehen dabei für einen größeren Trend unter flexiblen Gewerbetreibenden: In der Corona-Krise nutzen viele von ihnen die freien Ressourcen einer anderen Branche, um die Überlastung der anderen zu lindern. Eine Restaurantkette leiht ihre Mitarbeiter an eine Supermarktkette aus, ein Messedienst baut Infektionsschutzwände fürs Kaufhaus.

Doch zunächst prallten beim Pop-up-Camping zwei Welten aufeinander. Die Eventmanager mit ihrem forschen Planungsstil stießen auf die Ordnungsämter, die sich im Sinne der Sicherheit der Bürger keine Fehler leisten mögen. Zum Beispiel da, wo das Pangea-Festival stattfinden sollte. Das Großereignis startet normalerweise mit über 14 000 Besuchern im August in Pütnitz in Mecklenburg-Vorpommern. Das Festival nutzt normalerweise die Fläche eines alten Militärflugplatzes plus einen angrenzenden Strand. Für Pop-up-Camping wäre das weitläufige Gelände bestens geeignet. Doch bisher steht die nötige Genehmigung noch aus.

Projektbüro erstrebt eine zeitweilige Genehmigung für das Camping

Das mit BSP partnerschaftlich verbundene Projektbüro CastX aus Stuttgart versucht derzeit nach eigener Aussage, die zuständige Stadt Ribnitz-Damgarten zu überzeugen, eine zeitweilige Genehmigung für das Camping in Pütnitz zu erteilen. „Aufseiten des Ordnungsamts gibt es Sorgen, die Fläche könne zu einem Corona-Hotspot werden“, sagt Christoph Baumeister von CastX.

Er hat deshalb ein detailliertes Hygienekonzept eingereicht: Die Wohnwagen sollen auf Abstand stehen, die einzelnen Familien würden sich nicht vermischen. Offenbar ist der Antrag aber noch nicht weit gediehen: Eine Sprecherin von Ribnitz-Damgarten sagte am vergangenen Freitag, der Vorgang sei dort „nicht bekannt“.

Pop-up-Camping könnte den Urlaub nachhaltiger machen

Auf der Webseite sind viele – aber nicht alle – Pop-up-Plätze daher noch als „in Planung“ angezeigt. Die Behörden müssten die Idee des Pop-up-Campings jedoch eigentlich fördern, glaubt von Paepcke. Als Bauernsohn kennt er die Folgen des Wildcampens. Eine Wiese des Hofs der Familie lag an einem Fluss. Als Junge musste von Paepcke regelmäßig hinter Wasserwanderern aufräumen, die ihren Müll hinterließen und damit die Gesundheit der Pferde gefährdeten. Im Pop-up-Camping sieht er nun eine Möglichkeit, den Natururlaub in nachhaltige Bahnen zu lenken.

Schon an den zurückliegenden langen Wochenenden hat sich gezeigt, dass die wenigsten Familien einfach in die Stadt zurückfahren, wenn sie am Campingplatz abgewiesen wurden. Sie haben ihre Zelte zum Teil einfach da aufgestellt, wo Platz war. Das war zumindest der Augenschein in Brandenburg. Ein Leserkommentar auf der Webseite Zeit.de fordert bereits, das Wildcampen durch ein „Jedermannsrecht wie in Skandinavien“ freizugeben. Förster sind jedoch entsetzt über den Gedanken – schon wegen der Waldbrandgefahr. In Deutschland ist die Bevölkerungsdichte zudem 16-mal größer als etwa in Norwegen.

Zeit nach Corona: Setzt sich Pop-up-Camping durch?

Für BSP und CastX bietet die Arbeit am Pop-up-Camping derweil willkommene Beschäftigung in einer Zeit, in der fast alle anderen Aufträge weggebrochen sind. Die Unternehmen können sich jedoch auch vorstellen, für die Zeit nach Corona daraus ein richtiges Geschäftsmodell zu entwickeln. Schon jetzt will BSP die Vermittlung für kleinere Privatflächen schon ab einem einzigen Stellplatz öffnen. Damit ließe sich die Idee zu einem Airbnb für Campingmöglichkeiten ausbauen.

Waldbesitzer und Bauern wollen zwar nicht unbedingt das ganze Jahr über Urlauber auf ihrer Fläche haben. „Doch eine gezielte Vermietung zum Höhepunkt der Saison könnte für sie eine willkommene Einnahmequelle sein“, glaubt von Paepcke.

Rubriklistenbild: © AFP/Christof Stache

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare