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Ratlos: Schimanski (Götz George, l.) und Hänschen (Chiem van Houveninge).

Wackerer Veteran im Polizeisumpf

Die Polizei ist nicht mehr die, die sie einmal war. Die Institution, die einmal für Recht und Ordnung sorgen sollte, die als Freund und Helfer der Bürger gedacht war, ist im neuen „Schimanski“ (ARD) mit dem Titel „Schuld und Sühne“ (ARD) auf den Hund gekommen.

Statt Vertrauen in die Staatsgewalt ist Misstrauen oberstes Gebot. Die Duisburger Polizei steckt in einem Sumpf aus Korruption und Drogenhandel, kaum ein Uniformträger, der nicht Dreck am Stecken hat.

Es ist eine deprimierende Welt, in die Regisseur Thomas Jauch seinen Titelhelden diesmal geworfen hat. Nichts ist mehr so wie damals, in den seligen Zeiten, als „Schimi“ mit Kollege Thanner nach erfolgreich abgeschlossener Gangsterjagd in Ruhe eine Currywurst kauen konnte. Jetzt wird der Ex-Kommissar von einem Polizeieinsatz beim Verzehr seiner Pommes gestört, und bald steckt der Pensionär wieder mittendrin im Geschehen. Doch das sieht deutlich trister aus als vor 25 Jahren. 

Die virtuos verschachtelte Geschichte von Jürgen Werner, in der es um den Selbstmord eines Polizisten und um interne Ermittlungen geht, um Vertrauen, Loyalität und Respekt, ist fast schon zu komplex für neunzig Minuten Fernsehspiel. Doch Jauch akzentuiert an den richtigen Stellen, lässt Götz George und seinem Gegenspieler Hannes Jaenicke viel Raum zur Entfaltung ihres wohl dosierten Spiels. Moral ist ein Fremdwort geworden, predigt der Film - da braucht es zur Rettung eben aus der Zeit gefallene Kämpfer wie den wackeren Veteranen Schimanski.

Ulrike Frick

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