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Tatort: Lessing (Christian Ulmen) und Kira Dorn (Nora Tschirner) sind tatverdächtig.

„Tatort“, im Ersten

Tod in der Schrottpresse, oder: Zusammenhalten wie Essig und Öl

Die etwas schlappe, aber trotzdem lustige „Tatort“-Komödie „Die harte Kern“ - irgendwie lohnt es sich doch, den Krimi anzuschauen.

Kurz gesagt lohnt es sich irgendwie doch, den Tatort aus Weimar anzuschauen. Vor allem dann, wenn man jetzt sofort ein bisschen Quatsch braucht. 

Solche Sache passieren: Ein humpelnder Mann flieht im Schneckentempo, aber die Polizei hat viel Zeit. Die Kommissare stehlen ein dreirädriges Automobil, um unauffällig voranzukommen, aber damit geht es schließlich auch. Eine Statue bringt Unglück, aber nur punktuell. Es wird Goethe zitiert und ein Spruch aus dem Zitatenschatzkästlein als Anatole-France-Satz erkannt, aber Lupo (Arndt Schwering-Sohnrey) und seine neue Freundin wollen zusammenhalten wie Essig und Öl. Denn Sprache ist immer auch eine Falle. Und obwohl eine Schrottpresse viel leichter als solche zu erkennen ist, befinden sich alsbald einige Personen in ihrem Inneren, dem Inneren der Schrottpresse, und selbstverständlich läuft die Schrottpresse versehentlich an, und ausgerechnet jetzt will Lupo sterben. 

Nora Tschirner und Christian Ulmen im neunten Tatort

Jedoch geschieht all dies geschwind und in der Inszenierung von Helena Hufnagel auch ganz beiläufig. So zum Beispiel: Es tritt etwas Überraschendes ein, Lessing, der Kommissar mit dem formidablen Gedächtnis, kann gerade noch darauf hinweisen, das Höchste, wozu der Mensch gelangen könne, sei Erstaunen, und schon ist die Szene vorbei. 

„Die harte Kern“ ist der erste Tatort der Filmregisseurin Hufnagel, der neunte für Dorn und Lessing, Nora Tschirner und Christian Ulmen. Alle Beteiligte stellen sich gut auf die ins Lasche changierende, aber doch wieder ausreichend lebhafte Kein-Spruch-kann-zu-dumm-sein-Coolness ein, die in den Dorn-und-Lessing-Fällen regiert. Das kann einen in den Wahnsinn treiben. Aber „Die harte Kern“ zeigt doch auch wieder, wie schön dieses untertreibende, zugleich durchtriebene Wegreden ist, wenn man es an dieser Stelle einmal mit der Konkurrenz im komischen Fach aus Münster vergleicht. 

In Weimar muss, darf ein Witz nicht lange im Raum stehen. Tschirner und Ulmen, wenn sie nicht gerade ein bisschen postdramatisch über sich selbst lächeln müssen, reißen sich auch sehr zusammen, die Späße nebenbei rauszuhauen. Freilich ist das in diesem Fall besonders sinnvoll, denn keinen Witz auszulassen, birgt bei einer Handlung, die unter anderem auf einem Schrottplatz spielt, Risiken. 

Das kriminalistische Tatort-Geschehen ist tendenziell hanebüchen

Und, ja, die ansonsten bislang nicht aufzuspürenden Drehbuchautoren Sebastian Kutscher und Deniz Yildizr lassen echt nichts aus. Das kriminalistische Geschehen ist zudem tendenziell hanebüchen, wenn man es nicht lediglich als ironisches Herbeizitieren zahlloser Fernsehkrimis nehmen und wenn man womöglich mitfiebern will. Diesmal ist es Lessing, auf den ein krauser Verdacht fällt. „Die harte Kern“, Nina Proll, hängt sich als interne Ermittlerin an ihn ran. 

Lesen Sie hier die Kritik zum ZDF-Krimi: Zu viel Druck im Action-Kessel des ZDF-Thrillers

Bitte beachten Sie, dass schon wieder Katharina Marie Schubert in einer schillernden Rolle zu sehen ist. Der Soundtrack: handverlesen und durchsetzt mit vergessenen, jetzt aber an total passenden Stellen replatzierten Hits wie „Abracadabra“ von der Steve Miller Band. „Abra-abra-cadabra/I want to reach out and grab ya“, o Mann.

„Tatort: Die harte Kern“, ARD, So., 20.15 Uhr.

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Weniger lustig, dafür mit recht originellem Thema kommt der ARD-Stuttgart-Tatort "Hüter der Schwelle" daher. Er hätte sich jedoch noch etwas mehr trauen können, findet fr.de-Kritikerin Sylvia Staude. 

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