Sie tun so, als mache ihnen alles nichts aus: Samir (l.), Vanessa und Leon.
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TV-Kritik zum Tatort

Odenthal-Tatort: Das kann ihnen nicht egal sein – über vernachlässigte Kinder und schlechte Eltern

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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Der Odenthal-Tatort „Leonessa“ erzählt über vernachlässigte Kinder und hoffnungslos schlechte Eltern.

  • TV-Kritik zum Odenthal-Tatort in der ARD
  • Tatort über vernachlässigte Kinder und hoffnungslos schlechte Eltern
  • Leicht konfus und auch ein wenig zu erwartbar

Mit dem rätselhaften Titel „Leonessa“ tritt der neue Lena-Odenthal-Tatort an. Er wird damit erklärt, dass Leon und Vanessa, zwei von den Eltern ähnlich vernachlässigte Jugendliche, nach dem Vorbild Brangelina als quasi unzertrennliches Duo gerufen werden. Dass es dann im Film keiner tut, ist nicht verwunderlich: Brad Pitt und Angelina Jolie sind Vergangenheit, mindestens für Teenager. Und besonders wohl für die Teenager, die hier die Hauptrollen spielen und deren Leben eine große Härte ist – eine Härte, der sie mit einer Coolness zu begegnen versuchen, die nicht ganz ihre Verzweiflung verdecken kann.

„Tatort“ in der ARD: „Muss erst einer sterben, dass ihr kommt?“

Der herzhaft nach Westernmanier dekorierte „Saloon“ von Hans & Hanne, in dem zu Beginn des Films Hans erschossen wird, liegt in einem traurig-schmutzigen Betonklotz. Davor hängen oft die Jugendlichen ab, kaufen sich alkoholische Getränke, bekommen sie auch vom Kneipenbesitzerpaar, angeblich damit sie „nichts Schlimmeres“ nehmen.

Vanessa schiebt einen Hunderter über die Theke; da fragt sich doch die Kommissarin gleich, woher ein Kind, dessen Eltern von Hartz IV leben, so viel Geld hat.

TV-Kritik zum „Tatort“ in der ARD: „Das ist doch ’ne Kneipe hier, das ist doch normal“

„Tatort: Leonessa“, ARD, So., 20.15 Uhr

Das hat sich womöglich auch Hans gefragt, der, so hören die Ermittler, nicht abgeneigt war, sich notfalls auch handgreiflich einzumischen in so allerlei rund um seinen „Saloon“, außerdem Anzeige zu erstatten bei der Polizei. „Das ist doch ’ne Kneipe hier, das ist doch normal“, sagt Hanne, und packt sofort auch einen beliebten Vorwurf aus: „Muss erst einer sterben, dass ihr kommt?“ Dieser Tatort nach einem Drehbuch von Wolfgang Stauch und in der Regie Connie Walthers wird keinen Preis für originelle Dialoge gewinnen, immerhin vermeidet er die allerschlimmsten Klischees. Na ja, fast: Zuletzt muss Ulrike Folkerts doch noch was von „kaputten Seelen“ sagen.

Lena Odenthal und Kollegin Johanna Stern entdecken bald, dass Leon und Vanessa sich auf eigene Rechnung prostituieren – Ulrike Folkerts muss sich schwer betroffen zeigen und, etwas kurios, einen halben Apfel nach Lisa Bitter werfen.

TV-Kritik zum „Tatort“ in der ARD: Leicht konfus und auch ein wenig zu erwartbar

Aber Hand in Hand tun die beiden gleich wieder auch ihre Arbeit. Stern geht zu Leons Mutter, die zwar einen „Dr.“ hat, aber schwere Alkoholikerin ist. Odenthal geht zu den Eltern Vanessas, die hängen vorm Fernseher oder Computerspiel, die Mutter sagt: „Und was soll ich da jetzt machen?“ Vanessa selbst sagt zu den Ermittlerinnen: „Ganz ehrlich, das kann euch doch völlig egal sein.“

Während die Dinge leicht konfus und auch ein wenig zu erwartbar ihren Gang gehen, sich Odenthal und Stern zum Beispiel ein weiteres Mal im Parkhaus auf die Lauer legen, Leuten hinterherrennen, herauszufinden versuchen, ob Hans einen der Freier erpresst haben könnte, ist das Teenager-Trio im Mittelpunkt des Geschehens interessant genug. Trio? Samir, Mohamed Issa, ist „das dritte Rad“ zu Leon und Vanessa (gespielt von Michelangelo Fortuzzi und Lena Urzendowsky), er schwärmt für das Mädchen, und sie wird den schönsten Satz des Abends zu ihm sagen: „Küss mich ehrlich“.

Von Sylvia Staude

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