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Paolo Sorrentino 2016 in Venedig. beim Filmfestival. Foto: Claudio Onorati

Erdbeben als Filmset

Sorrentino will im zerstörten Amatrice drehen

Darf man in einer von einem Edbeben zerstörten Stadt einen Film drehen? In Italien werden Pläne von Regisseur Paolo Sorrentino kontrovers diskutiert.

Rom (dpa) - Der Regisseur und Oscarpreisträger Paolo Sorrentino (47) will das Erdbebengebiet in Mittelitalien als Filmkulisse nutzen und hat damit bei Opfern der Tragödie Empörung ausgelöst.

Im Juli soll in der zerstörten Stadt Amatrice gedreht werden, wie italienische Medien berichteten. Er habe die Dreharbeiten einzig im Inneren einer Kirche erlaubt, sagte Bürgermeister Sergio Pirozzi laut der Zeitung "La Repubblica". Er wünsche sich, dass Sorrentinos Werk ein "künstlerisches Zeugnis" werde von dem, was übrig geblieben sei.

Bei dem Erdbeben kamen im August vergangenen Jahres 299 Menschen ums Leben. Ganze Ortschaften liegen immer noch in Trümmern, zehntausende Menschen wurden obdachlos. Die Einwohner des Gebiets protestieren immer wieder gegen den schleppenden Wiederaufbau.

Für welchen Film Sorrentino, der für seine Rom-Hommage "La Grande Bellezza" den Oscar gewonnen hatte, in Amatrice drehen will, ist nicht bekannt. Erdbebenopfer kritisierten den Plan als respektlos den Toten und den Hinterbliebenen gegenüber. "Willst du nun den Oscar mit der Großen Apokalypse gewinnen?", kommentierte zum Beispiel Francesca Mileto von einer Erdbebenopfer-Initiative auf Facebook. "Eine Schande! Jeder Stein ist eine Erinnerung, eine Geschichte, unsere, nicht deine."

Erdbebenkomitee auf Facebook, Italienisch

Bericht auf La Repubblica, Italienisch

Kritikerin auf Facebook, Italienisch

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