Fall aus Schwarzwald im TV

Vermisstenfall Scarlett S. bei Aktenzeichen XY: Über 70 Anrufe – „beziehen sich auf Sichtung“

  • Jason Blaschke
    VonJason Blaschke
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Noch immer fehlt von der im September 2020 verschwundenen Scarlett S. aus Bad Lippspringe im Schwarzwald jede Spur. Bei „Aktenzeichen XY“ wurde der Fall erneut aufgegriffen:

Update vom 30. Juni: Am Mittwoch (29. Juni) gehen während der Ausstrahlung von Aktenzeichen XY im ZDF über 70 Anrufe bei der Kriminalpolizei Waldshut-Tiengen und im Fernsehstudio ein. „Die überwiegende Anzahl der Hinweise bezieht sich auf eine Sichtung der Vermissten in der Umgebung von Wehr/Todtmoos“, so eine Sprecherin der Behörde.

Die Auswertung werde einige Zeit dauern, deswegen könne man jetzt noch nicht sagen, sich daraus neue Erkenntnisse ergeben. Scarlett S. wird seit dem 10. September 2020 vermisst. Sie ist zu einer Wanderung im Schwarzwald aufgebrochen und seither verschwunden. Familie und Freunde erhoffen sich von der Wiederaufnahme bei Aktenzeichen XY, Scarlett S. endlich zu finden, wie sie in der Facebook-Gruppe „Bitte findet Scarlett“ schreiben.

Aktenzeichen XY im ZDF: Scarlett S. (26) bricht zu Wanderung auf und wird seither vermisst

Erstmeldung vom 27. Juni: Kurze Hose, Wanderschuhe und ein großer, roter Rucksack mit gelben Herzchen – so sieht Scarlett S. aus Bad Lippspringe in Nordrhein-Westfalen auf der letzten Fotoaufnahme aus, ehe sie im September 2020 plötzlich verschwand. Die 26-Jährige war zum Wandern im Schwarzwald unterwegs, kam aber niemals an ihrem Ziel in der Stadt Wehr (Landkreis Waldshut) an. Seit dem 10. September 2020 fehlt von der jungen Frau jede Spur, wie MANNHEIM24 berichtet:

SendungAktenzeichen XY... ungelöst
SenderZDF
ModeratorRudi Cerne
GenreTrue Crime
Erstausstrahlung20. Okt. 1967, ZDF

Scarlett S. Ende Juni bei „Aktenzeichen XY“: Genauer Sendetermin bekannt

Hubschrauber, Spürhunde, Suchtrupps: Die Ermittel zogen alle Register, um die vermisste Scarlett S. im Schwarzwald zu finden – vergeblich. Bis heute gibt es von der Vermissten kein Lebenszeichen. Auch diverse Medienberichte und TV-Sendungen führten zu keinen neuen Hinweisen. Zuletzt war im November 2021 eine Reportage über Scarlett S. auf Sat.1 Gold ausgestrahlt worden. Neue Erkenntnisse waren aber auch hier Fehlanzeige. Dafür verbreiteten sich im Laufe der Monate abstruse Theorien über den Vermisstenfall Scarlett S..

Am Mittwoch (29. Juni 2022) wird der Fall Scarlett S. in einer der bekanntesten True Crime-Shows im deutschen TV erneut aufgerollt – in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ mit Moderator Rudi Cerne. Die neuen Folgen von „Aktenzeichen XY“ zeigt das ZDF im TV immer mittwochs. Die Episoden können aber auch über die ZDF-Mediathek abgerufen werden. Offiziell ausgestrahlt wird die Folge mit Scarlett S. am Mittwoch ab 20:15 Uhr und endet um 21:45 Uhr.

ZDF drehte für „Aktenzeichen XY“ im Schwarzwald, wo Scarlett verschwand

Dass der Vermisstenfall Scarlett S. in der prominenten True Crime-Show wieder aufgerollt wird, kommt nicht überraschend. Bereits im März 2022 war bekannt geworden, dass das ZDF für „Aktenzeichen XY“ im Schwarzwald dreht und das Verschwinden von der jungen Frau visuell rekonstruiert. Im September 2020 war Scarlett S. an die Schweizer Grenze nach Stühlingen gereist. Ihr Plan war, die sechs Etappen des Schluchtensteigs bis nach Wehr zu wandern.

119 Kilometer hatte sich die 26-Jährige vorgenommen, die ersten fünf Etappen schaffe sie. Doch vor Beginn ihrer letzten Etappe im Schwarzwald reiste die Verbindung plötzlich ab. Das letzte Lebenszeichen datieren die Ermittler auf den 20. September 2020 – da wurde Scarlett das letzte Mal lebend in Todtmoos gesehen, einem Ort zwischen Freiburg und der Grenze zur Schweiz. In der kleinen Gemeinde entstand auch das bekannte Fahndungsfoto im Supermarkt.

„Aktenzeichen XY“ am 29. Juni im ZDF: Vier Fälle, vier tragische Schicksale

In der neuen Folge von „Aktenzeichen XY“ am 29. Juni 2022 hoffen Moderator Rudi Cerne und die Ermittler auf neue Hinweise, damit die quälende Ungewissheit für Familie und Freunde ein Ende hat. Das tragische Verschwinden von Scarlett S. ist am Mittwoch aber nicht der einzige Fall. In der neuen Folge von „Aktenzeichen XY“ werden insgesamt vier Schicksalsfälle gezeigt, die alle eines gemein haben: Die Personen sind plötzlich spurlos verschwunden.

  • Scarlett Salice (26): vermisst seit September 2020 – ist zu einer Wanderung in den Schwarzwald aufgebrochen, aber nie an ihrem Ziel angekommen. Die Suche nach Scarlett gestaltete sich extrem schwierig.
  • Till Ramming (15): vermisst seit September 2017 – ist auf der Fahrt vom Norden in den Süden von Deutschland plötzlich verschwunden. Ist es eine typische Ausreißer-Geschichte?
  • Walter Schuster (58): vermisst seit Juli 2021 – ist ein gestandener Mann mit beeindruckendem Hund an seiner Seite. Seit einer Gassi-Runde kehren beide nicht mehr zurück. 
  • Yolanda Klug (23): vermisst seit September 2019 – wollte im Möbelhaus etwas kaufen. 

Im Fall Scarlett S. spricht Moderator Rudi Cerne in „Aktenzeichen XY“ live mit Scarletts Vater sowie ihrer Tante. Zudem wird Christian Weinhold von der Kripo Waldshut-Tiengen über den Vermisstenfall im TV berichten. In einer Mitteilung vom ZDF heißt es, dass es von privater Seite für Hinweise, die zur Aufklärung führen, bis zu 12.000 Euro Belohnung gibt. Die entsprechende Telefonnummer, über die man die Ermittler erreichen kann, wird in der True Crime-Show eingeblendet.  

Aktenzeichen XY: Seit 1967 im ZDF – mit diesen Bildern fing alles an

Moderator Eduard Zimmermann (vorn) im April 1970 in der Kulisse der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“. 30 Jahre lang führte der Münchner Fernsehjournalist in seiner Sendung „Aktenzeichen XY ...ungelöst“ die Zuschauer auf die Fährten von Schwerverbrechern.
Der Journalist Eduard Zimmermann (1929 – 2009) aus München hat sich die Sendung ausgedacht und moderierte am 20. Oktober 1967 die erste Folge – der Beginn einer TV-Geschichte. © picture-alliance/dpa
Moderator Eduard Zimmermann sitzt im Studio der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“.
In ihren Anfängen wurde „Aktenzeichen XY“ im ZDF noch in schwarz-weiß ausgestrahlt. Auch die Videoschalten waren zeittypisch ohne Farbe gehalten.  © picture alliance/Renate Schäfer/ZDF/dpa
Moderator Eduard Zimmermann steht 1972 im Studio der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“.
Ab 1972 bekamen die Zuschauer die Crime-Show Aktenzeichen XY endlich auch in Farbe zu sehen. An der Ausrichtung änderte sich im Fernsehen aber nichts. Wie immer jagt Moderator und Verbrecher-Schreck Eduard Zimmermann Täter.  © picture alliance/Renate Schäfer/ZDF/dpa
Eduard Zimmermann (r) und seine Stieftochter Sabine Zimmermann – Moderatorenteam der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“.
Stolze 300 Folgen der Crime-Show „Aktenzeichen XY“ moderierte Eduard Zimmermann von Oktober 1967 bis Oktober 1997. Zum 24. Oktober 1997 übernahmen Zimmermanns Tochter Sabine und ihr Kollege Butz Peters die Moderation. © picture alliance/Hermann Roth/ZDF/dpa
Überreichung des goldenen und silbernen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich an Eduard Zimmermann (L) und Peter Nidetzky (R) durch Bundesinnenminister Karl Schlögl im Jahr 1997.
Für seine journalistischen Leistungen wurde Eduard Zimmermann mehrfach ausgezeichnet. Im Foto bekommt er das goldene sowie das silberne Ehrenzeichen von der Republik Österreich verliehen – eine seiner wichtigsten Auszeichnungen.  © picture-alliance/dpa/Pfarrhofer_H.
Die Bildcollage zeigt die Moderatoren der Fernsehfahndung „Aktenzeichen XY...ungelöst“, Rudi Cerne (Archivfoto) und Eduard Zimmermann.
Nach der langen Ära Zimmermann bekommt die ZDF-Crime-Show „Aktenzeichen XY... ungelöst“ ab 18. Januar 2002 ein neues Gesicht: Ex-Sportler Rudi Cerne wird nach Zimmermann und Tochter Sabine neuer „Verbrecherjäger“. Bis heute ist der für das ZDF im Einsatz. © picture alliance/dpa/dpaweb/Zdf_Friedl/Istvan_Bajzat
Fernseh-Fahnder Eduard Zimmermann (l), seine Frau Rosmarie (M) und Stieftochter Sabine am Freitag (17.10.1997) bei der Verleihung des bayerischen Fernsehpreises im Münchner Prinzregenten-Theater. Zimmermann erhielt den undotierten Ehrenpreis für seine TV-Show „Aktenzeichen XY-ungelöst“.
Am 19. September 2009 verstarb der Moderator von „Aktenzeichen XY... ungelöst“ in München. Mit der Crime-Show wurde er über den deutschsprachigen Raum hinaus als „Verbrecherjäger“ bekannt. Mit Rosmarie Zimmermann war er über 40 Jahre verheiratet. © picture-alliance/dpa/Jan_Nienheysen
„Aktenzeichen XY... Vermisst“: Moderator Rudi Cerne im Fernsehstudio.
Seit Januar 2002 führt Rudi Cerne allein durch die RTL-Crime-Show „Aktenzeichen XY“. Über die Jahre haben sich auch diverse Sonder-Formate etabliert – etwa „Aktenzeichen XY... vermisst“. © ZDF/Nadine Rupp
Der ZDF-Redaktionsleiter Matthias Pfeifer (l-r), der stellvertretende ZDF-Programmdirektor Reinhold Elschot, die Chefredakteurin der Redaktion Eduard Zimmermann, Ina-Maria Reize-Wildemann, der Moderator Rudi Cerne, der Produzent Martin Groß und der verantwortliche ZDF-Redakteur Roman Beuler.
Am 13. September 2017 feierte „Aktenzeichen XY... ungelöst“ das 50-jährige Bestehen. Noch heute zählt die Crime-Show im ZDF zu den beliebtesten und bekanntesten Sendungen im deutschen TV. © picture alliance/Georg Wendt/dpa
„Aktenzeichen XY... Vermisst“: Nachgestellte Szene. Tagsüber auf dem Jakobsweg. Zwei Frauen stehen am Wanderweg mit Ihren Rücksäcken. Ein Mann spricht zu ihnen. Die junge Frau hört sehr aufmerksam und interessiert hin.
Nicht bloß Kriminalfälle und Tötungsdelikte gehören zum Portfolio der spannenden Crime-Show „Aktenzeichen XY“ Im Juli 2022 etwa zeigt das ZDF ein Special mit mysteriösen Vermisstenfällen. Dabei wird auch der Fall der verschollenen Scarlett S. im Schwarzwald im TV (Bild) thematisiert. ©  ZDF/Marcus von Kleist

Vermisstenfall von Scarlett S. im ZDF: „Zu wenige Menschen wissen Bescheid“

Viele Betroffene im Fall Scarlett S. haben große Hoffnung, dass mit der Ausstrahlung in der ZDF-Show „Aktenzeichen XY“ ganz neue Hinweise zum mysteriösen Vermisstenfall auftauchen könnten. „Weil das Interesse lokal begrenzt ist, wissen zu wenige Menschen über das Verschwinden von Scarlett Bescheid“, sagte Patricia Lindinger von der Facebook-Gruppe „Bitte findet Scarlett“ hierzu der „Badischen Zeitung“.

Die verschwundene Scarlett S. aus Bad Lippspringe (Foto) beschäftigt auch die User auf Facebook – viele haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben.

In der Vergangenheit hatte es immer wieder neue Hinweise zum Vermisstenfall gegeben. Berichten von „echo24.de“ zufolge gibt es im Schwarzwald sogar „Scarlett-Steine“, die an Scarletts Naturverbundenheit, aber auch an ihr Verschwinden erinnern sollen. All die Steine sind mit einem Hashtag versehen, damit aufmerksame Wanderer, die möglicherweise einen Hinweis haben, diesen mitteilen können.

Scarlett S. bei „Aktenzeichen XY“: „Hoffe, dass viele Hinweise eingehen“

Dass der Fall in „Aktenzeichen XY“ gezeigt wird, begrüßen viele User auf Facebook. „Endlich wird es in XY gesendet. Hoffe, dass viele Hinweise eingehen und dass man Scarlett findet“, textet etwa eine Nutzerin. „Ich drücke ganz doll die Daumen“, ergänzt hierzu eine andere.

Rubriklistenbild: © Polizei Freiburg

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