Polit-Talk im ZDF

Illner-Talk über die Iran-Krise: „Putin kommt doch vor Lachen nicht mehr in den Schlaf ...“

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Bei Maybrit Illner ging es um die USA-Iran-Krise. Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel sieht die Tötung Suleimanis als "katastrophal falsch" und Putin als möglichen Profiteur der Krise.

  • Im ZDF-Talk "Maybrit Illner" diskutierten die Gäste über den Konflikt zwischen den USA und dem Iran.
  • Ex-Außenminister Sigmar Gabriel hält die Tötung des Gnerals Suleimani für „katastrophal falsch“.
  • Er deutete an, dass Russland von der Krise profitieren könnte.

München - „USA gegen Iran – ist ein Krieg noch zu verhindern?" lautete erwartungsgemäß das Thema bei Maybrit Illners erster Talkshow im neuen Jahr, und sie hatte dazu Gäste eingeladen, die die diffizile Sachlage mit differenzierenden Argumenten beleuchteten. Einig war man sich natürlich in der Erleichterung, dass eine weitere Eskalation zunächst vermieden wurde, aber auch darin, dass der Iran im Moment nicht nur Anlass zum Trauern habe. 

Denn wenn sich die Demonstrationen im Irak zuvor gegen die Anwesenheit des östlichen Nachbarn gerichtet hätten, so wendeten sie sich jetzt gegen die Amerikaner, merkte Sigmar Gabriel an, Ex-SPD-Chef und aktuell für die „Atlantik-Brücke“ tätig. Historikerin Ulrike Becker vom „Mideast Freedom Forum Berlin“ berichtete stattdessen von Freudenkundgebungen der Bevölkerung über den Tod des Generals Suleimani. Die Perspektive der Iraker werde hier zu wenig gesehen. 

Maybrit Illner: ZDF-Talk über USA-Iran-Krise

Das Volk sei mürbe, bestätigte Menschenrechtsaktivistin Düzen Tekkal. Dass Suleimani kein Heiliger war, bestätigte Daniel Gerlach, Orientalist und Chefredakteur der Zeitschrift „Zenith“. Aber er wies auch darauf hin, dass der Iraner und der mit ihm getötete der schiitische Milizenführer Abu Mahdi al-Muhandis als Befehlshaber die verschiedenen Milizen zusammengehalten hätten; nun halte zwar das Regime in Teheran erst einmal still, aber für den schiitischen Widerstand in der Region sei es mit einigen wenigen Raketen auf eine Militärbasis nicht getan – was auch bedrohlich für Europa sein könnte. 

Bis auf Ulrike Becker, die aus dem Blickwinkel Israels fast ein wenig dogmatisch den Iran als den alt bösen Feind sah, waren sich die Gäste recht einig, dass die Tötung des Generals ein Fehler gewesen sein dürfte. Nun sei alles schlimmer geworden, fand Gabriel. Düzen Tekkal erinnerte daran, dass der IS nicht wirklich besiegt sei, die Region drohe wieder instabiler zu werden. Die Nachkriegsphase im Irak könne nun kaum noch sinnvoll genutzt werden. 

USA-Iran-Krise bei Maybrit Illner: Kein gutes Zeugnis für Europa

Elmar Theveßen, Studioleiter des ZDF in Washington, hielt fest, dass es keinen Prozess für eine Sicherheitspolitik in der US-Regierung gebe, da sei niemand, der weiter denke. Auch den Europäern stellte der Journalist in dieser Hinsicht kein gutes Zeugnis aus. Dagegen sah Gabriel, der im übrigen die Ignoranz Trumps gegenüber den Verbündeten beklagte, eine „Stunde für Europa“, das die diplomatischen und ökonomischen Kanäle nutzen könne – schließlich wollten die Amerikaner auf lange Sicht die Region verlassen. Gegen Theveßens Kritik an der mangelnden strategischen Weitsicht auch der Europäer hielt der SPD-Mann fest, dass es keiner Einigkeit aller 28 Staaten bedürfe, um tätig zu werden, England, Frankreich und Deutschland könnten handeln. 

TV-Kritik: Sigmar Gabriel spricht bei Maybrit Illner über die große Krise

Gerlach bestätigte: Europa habe im Irak gemeinsame Interessen, das sei ein Glücksfall. Denn die Iraker wollten das demokratische System. Ulrike Becker brachte Israel ins Spiel, wo große Sorge herrsche. Zwischen ihr und Gabriel herrschte Dissens über die Wirksamkeit des Anti-Atom-Abkommens. Dieses sei kein sicherer Schutz, Iran würde falsch spielen. Der Sozialdemokrat verwies auf die Wiener Kontroll-Kommission, die dem Regime der Mullahs bescheinigt habe, dass sie sich an den Vertrag hielten. Es sei besser, daran festzuhalten, als nachher wie im Falle Nordkoreas festzustellen, dass die Gegenseite längst Fakten geschaffen habe. Auch Theveßen befand, das Abkommen sei nicht gestorben. 

Und Gabriel hatte noch ein Argument für Kontinuität in diesem Fall: Wenn die Amerikaner abzögen und der Iran auch von den Europäern fallen gelassen werde, warte schon jemand anders darauf, in das Vakuum zu stoßen und etwa Waffen zu verkaufen: „Putin kommt doch vor Lachen nicht mehr in den Schlaf ...

Daland Segler

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Rubriklistenbild: © screenshot ZDF

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