Ausstellung in Berlin

Mantegna und Bellini: Renaissance-Influencer mit Post-it

"Madonna auf der Wiese" von Giovanni Bellini. Foto: Britta Pedersen
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"Madonna auf der Wiese" von Giovanni Bellini. Foto: Britta Pedersen
"Kardinal Ludovico Trevisan" (l) von Andrea Mantegna und "Der Doge Leonardo Loredan" von Giovanni Bellini. Foto: Britta Pedersen
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"Kardinal Ludovico Trevisan" (l) von Andrea Mantegna und "Der Doge Leonardo Loredan" von Giovanni Bellini. Foto: Britta Pedersen
"Die Auferstehung Christi" von Giovanni Bellini. Foto: Britta Pedersen
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"Die Auferstehung Christi" von Giovanni Bellini. Foto: Britta Pedersen
Die Renaissance in Berlin. Foto: Britta Pedersen
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Die Renaissance in Berlin. Foto: Britta Pedersen
"Christus am Ölberg" (l) von Giovanni Bellini und "Christus am Ölberg" von Andrea Mantegna. Foto: Britta Pedersen
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"Christus am Ölberg" (l) von Giovanni Bellini und "Christus am Ölberg" von Andrea Mantegna. Foto: Britta Pedersen

Influencer der Renaissance, malende Konkurrenten und dann auch noch eine Familie - die italienischen Künstler Mantegna und Bellini haben viel gemein. Nun hängen ihre Werke in der Gemäldegalerie Berlin zum Vergleichen nah.

Berlin (dpa) - Abgepaust, wie in der Schule. Nur eben ein paar Jahrhunderte früher. Nicht von malfaulen Pennälern ist die Rede, sondern von zwei Genies der italienischen Renaissance.

Die Ausstellung "Mantegna und Bellini. Meister der Renaissance" zeigt in der Berliner Gemäldegalerie eindrucksvoll den produktiven Gegensatz von freundschaftlicher Nähe und künstlerischer Rivalität der beiden Maler Giovanni Bellini (um 1435-1516) und Andrea Mantegna (um 1431-1506).

Gleich zu Beginn der großräumig konzipierten Ausstellung stehen zwei Arbeiten für Parallelen und gegenseitige Einflüsse der beiden Ausnahmekünstler. "Die Darbringung Christi im Tempel" Mantegnas (um 1454) nahm sich Bellini knapp 20 Jahre später vor, pauste dafür die Vorlage nach jüngsten Erkenntnissen ab und malte seine eigene Version davon. Weniger ausdrucksstark in der Mimik, dafür wirken die Figuren ohne Heiligenschein menschlicher und nahbarer.

Beide Künstler setzten dabei wohl auch auf Selfies in diesen Arbeiten. Als Mantegna wird interpretiert, der da hinter der ausladenden Schulter des Tempelweisen Simeon steht und mit mitfühlend-liebevollem Blick das Schicksal des Jesus-Kindes im Zentrum schon zu kennen scheint. Die als Bellini interpretierte Figur schaut dagegen aus dem Bild heraus, direkt zu den Betrachtern. Mögliche Botschaft: "Ihr wisst ja selbst, wie die Geschichte ausgeht."

Mantegna und Bellini waren in der Renaissance das, was heute auch als Influencer durchgeht. Zu ihren Bewunderern zählten Tizian, Dürer oder Correggio. Ihre Wurzeln waren regional und sozial grundverschieden: Mantegna ein Viehhirte mit Zeichentalent aus der Provinz Padua, Bellini unehelicher Spross einer venezianischen Künstlerdynastie. Zusammen fanden beide als Schüler von Francesco Squarcione. Zudem wurden die Bande richtig familiär: Mantegna heiratete Bellinis Schwester Nicolosia.

In der für London und Berlin konzipierten Ausstellung hängen nun erstmals 94 Arbeiten der beiden Künstler zum Vergleichen nah beieinander. "Sie waren Rivalen, die sich gegenseitig inspiriert haben", sagt Michael Eissenhauer, Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin. "Sie haben sich kopiert bis zum Abpausen hin, aber sie haben sich auch bewundert." Die Ausstellung zeige erstmals "die Einflüsse, die Möglichkeiten, auch die Reife dieser beiden Maler".

Das Projekt ist aus Sicht von Co-Kuratorin Dagmar Korbacher auch ein deutsch-britisches Statement zur Brexit-Diskussion: "Die Arbeit, die wir gemacht haben, und die Schätze, die wir hier beherbergen, sind das, was Europa ausmacht. Jenseits jeder Krise ist das die Seele von Europa."

Solch kooperativen Ansätzen wollte sich wohl auch die Queen nicht entziehen. Aus ihrem Besitz steuerte Elisabeth II. drei Arbeiten aus Mantegnas neunteiligem Zyklus "Der Triumphzug Cäsars" (vor 1506) bei. Die jeweils fast neun Quadratmeter großen Bilder stehen in der Ausstellung zusammen mit anderen Werken auch für die Auseinandersetzung beider Künstler mit der Antike, deren Motive mit der Renaissance neu entdeckt, wiedergeboren wurden.

Erstmals überhaupt als Leihgabe jenseits der Insel ist Bellinis wohl bekanntestes Werk zu sehen: das aus Sicht Eissenhauers "als Ikone verehrte" Bildnis "Der Doge Leonardo Loredan" (um 1501/1502). Am unteren Rand des Gemäldes ist eines jener Cartellini zu finden. Ein wie zufällig angebrachtes Schild, ein gemaltes Zettelchen, das den Namen des Künstlers offenbart, mitunter auch Ort oder Jahr. Ein solches Post-it der Renaissance benutzt auch Mantegna in seinem "Evangelist Markus" (um 1448): Scheinbar improvisiert hängt dort ein noch von Falten gezeichnetes Papier, das seinen Künstler preisgibt.

(Nicht nur) Renaissance-Einsteigern bieten die Berliner Ausstellungsmacher einen spielerischen Weg zu Werk und Künstlern: Auf der Internet-Seite zur Ausstellung (www.mantegnabellini.de) lassen sich in Quizform "Mantegna oder doch Bellini" erraten oder "Same same but different" Ähnlichkeiten und Unterschiede ergründen. Beim interaktiven "Re-mastered" können zahlreiche Bildelemente auf eine Bellini-Landschaft zu einem sehr individuellen Renaissance-Bild montiert werden.

Mantegna + Bellini. Meister der Renaissance

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