+
Ein Erfurter Muslim wird bei der TV-Talkshow "Maischberger" (ARD) erst eingeladen, dann wieder ausgeladen. Stattdessen soll ein AfD-Politiker kommen.

„Sie sind nicht so wichtig“

Muslim wird für AfD-Mann bei „Maischberger“ ausgeladen - nun reagiert die Moderatorin

  • schließen

Ein Erfurter Muslim wird bei der TV-Talkshow „Maischberger“ (ARD) erst eingeladen, dann wieder ausgeladen. Stattdessen soll ein AfD-Politiker kommen.

  • Ein Muslim aus Erfurt wird zur TalkshowMaischberger“ (ARD) ein- und wieder ausgeladen - jetzt soll ein AfD-Politiker kommen.
  • Er ist der erste Moscheebauer in Thüringen - und hat mit der AfD zu kämpfen.
  • Nun hat Sandra Maischberger auf die Kritik reagiert

Update vom Freitag, 6. März 2020, 10.31 Uhr: Die ARD-Moderatorin Sandra Maischberger widerspricht der Darstellung des Erfurter Muslims Mohammad Suleman Malik, der die Redaktion der Talkshow „Maischberger“ dafür kritisiert, ihn ausgeladen und mit dem AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla ersetzt zu haben. 

In einer Stellungnahme, die Sandra Maischberger am Donnerstagabend (05.03.2020) über den Kurznachrichtendienst Twitter veröffentlichte, bedauert sie zwar die Absage, betont aber, dass diese in „keinem Zusammenhang mit der Einladung der PolitikerInnen“ stehe, die nun in der Sendung am 11. März auftreten sollen. Man habe auch „vielen weiteren InteressentInnen absagen“ müssen. Die Redaktion hätte den Erfurter Muslim Mohammad Suleman Malik „für das Publikum angefragt, wie viele andere engagierte Thüringer Bürger auch.“

„Maischberger“ (ARD): Moderatorin reagiert auf die Kritik des Erfurter Muslims

Mohammad Suleman Malik sei demnach bereits in einer Sendung der Talkshow „Maischberger“ (ARD) vom 16. November aufgetreten. Damals habe er über den Bau einer Moschee in Erfurt berichtet. Die Redaktion schätze ihn als „engagierten Diskutanten“, der wichtige Probleme in der Gesellschaft anspreche. In ihren Sendungen thematisiere das Team von Sandra Maischberger „alle gesellschaftlich relevanten Themen.“ Auch Fragen zur Integration, Rassismus, Verrohung von Sprache und politischer Kultur würden regelmäßig diskutiert, verteidigt Maischberger die Ausrichtung der politischen Talkshow.

Die Kritik kam im Vorfeld der für den 11. März geplanten Sendung von „Maischberger vor Ort" aus Erfurt auf: Darin sollen die kontroversen Vorgänge um die Ministerpräsidentenwahl in Thüringen im Februar und die bundesweiten Folgen thematisiert werden.

„Maischberger“ (ARD): Muslim aus Erfurt ausgeladen - Kritik an Auswahl der Gäste

Erstmeldung vom Donnerstag, 5. März 2020: Talkshow-Fans kennen das. Mittwochs wird um 22.45 Uhr ARD eingeschaltet. Zumindest dann, wenn man Diskussionen zu aktuellen Themen bei „Maischberger“ verfolgen möchte. Das Spektrum der Gäste-Auswahl ist breit, meist finden vor allem Politiker den Weg in die Show. 

Jetzt war der Erfurter Muslim Mohammad Suleman Malik, Sprecher der Ahmadiyya-Gemeinde, nach eigener Aussage zu „Maischberger“ eingeladen worden - und kurz darauf wieder ausgeladen. Stattdessen soll nun ein AfD-Politiker kommen.

„Maischberger“ (ARD): Muslim aus Erfurt wird für AfD-Politiker aus Talkshow ausgeladen

Malik ist Kommunalpolitiker, stellvertretender Ortsteilbürgermeister und: Thüringens erster Moscheeneubauer. Über drei Jahre lang trieb er das Projekt voran. Der Grundstein der Moschee wurde mittlerweile gelegt. Doch das geschah nicht ohne Proteste durch die AfD

Wenig verwunderlich also, dass man bei „Maischberger“ (ARD) auf die Idee kam, Malik als Gast in die Sendung einzuladen. Wie er bei Twitter berichtet, wurde Malik am 24. Februar angerufen und zur Talkshow eingeladen. Malik zitiert das Angebot wie folgt: „Herr Malik, wir würden Sie gerne in unsere Talkshow einladen. Sie stehen ja in der öffentlichen Kritik und in Thüringen wird Ihre Moschee gebaut.“ 

Mohammad Suleman Malik sorgte für den Bau der Moschee der Ahmadiyya-Gemeinde in Thüringen.

Malik habe sich sehr über die Anfrage gefreut, denn: „Endlich! Endlich gibt man uns Migranten/Muslimen auch eine Bühne in den Talkshows.“ Wenige Tage später, am 5. März dann die Ernüchterung: Malik wird wieder ausgeladen.

„Maischberger“ (ARD): Erfurter Muslim bei Talkshow ausgeladen - für AfD-Chef Tino Chrupalla

Malik soll doch nicht in die Talkshow „Maischberger“ kommen. Er stehe zu sehr in der Öffentlichkeit, das sei unfair gegenüber anderen, so die Begründung laut dem Erfurter. Stattdessen wolle man Bürger zu Wort kommen lassen, „die nicht so sehr in der Öffentlichkeit stehen“, berichtet Malik via Twitter von dem Telefonat weiter. 

Wer stattdessen komme? „Tino Chrupalla“, der AfD-Chef. Malik reagiert kritisch. Auf die Frage, wieso man ihn erst ein- und jetzt wieder ausgeladen habe, soll man ihm entgegnet haben: „Sie sind aber nicht so wichtig.“

Muslim aus Erfurt bei „Maischberger“ (ARD) ausgeladen - für ihn soll Chrupalla (AfD) kommen

Malik schreibt weiter, dass er im Anschluss aufgelegt hat. Er sei fassungslos und wirft der Talkshow „Maischberger“ (ARD) vor, „Faschisten und Rassisten eine Bühne“ zu bieten. Seine Forderung: „Sie lädt die AfD ein. Diese Sendung muss boykottiert werden.“ Ob Tino Chrupalla (AfD) - dessen Auto kürzlich angezündet wurde* - tatsächlich in der Talkshow auftreten wird, bleibt abzuwarten. Ein anderer AfD-Mann wurde in Thüringen nun zum Vizepräsidenten des Landtags gewählt.

Die Sendung vom Mittwoch, 4. März, musste übrigens abgesagt werden, weil in der ARD das DFB-Pokalspiel zwischen Eintracht Frankfurt und Werder Bremen* übertragen wurde. Da war Mohammad Suleman Malik, der erste Moscheebauer in Thüringen, längst ausgeladen worden. Wenige Tage später versucht sich Sandra Maischberger mit einem neuen TV-Konzept und scheitert grandios. 

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare