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eFootball PES 2020: Barcelona ist eine der Lizenzen, die Konami sich sichern konnte.

Nischenkicker oder Königsmörder?

"eFootball PES 2020" im Test – Der FIFA-Killer?

Konami veröffentlichte vor Kurzem "eFootball Pro Evolution Soccer 2020". Reicht der neue Teil an "FIFA 20" von EA heran?

Ein Duell (fast) so alt, wie David gegen Goliath, so ikonisch wie Tom gegen Jerry und so aktuell wie Ketchup gegen Mayo: "Pro Evolution Soccer" gegen "FIFA". Nicht ganz! Im Versuch, den Zahn der Zeit zu treffen, entschied sich Konami nämlich in diesem Jahr für eine Umbenennung. Ihr Fußballzögling hört nun auf den Namen "eFootball Pro Evolution Soccer 2020". Damit soll der kompetitive Aspekt hervorgehoben werden. Ungeachtet des Namens werden sich jedoch auch dieses Jahr wieder hunderte von Fans der Fußballsimulationen für eines der beiden Spiele entscheiden müssen. Und auch dieses Jahr ist Konami wieder früher dran als die Konkurrenz von EA. 

Stellt sich nur eine Frage: Ist dieses Jahr endlich das Jahr, in dem "PES" ein so rundes Endprodukt ergibt, dass Fans über die mangelnden Lizenzen und die schwächere Verpackung hinwegsehen können? Denn dann steht dem Sturz von Titan "FIFA" nichts mehr im Wege. Ob das der Fall ist oder Konami auch 2020 wieder "nur" das Nischen-Spiel für Gameplay-Liebhaber stellen wird, haben wir in den letzten Tagen bei ausführlichen Matches herausgefunden. 

"eFootball PES 2020": Die alten Flauten 

Ich sehe...unlizensierte Mannschaften

Es muss auch dieses Jahr wieder erwähnt werden: "Pro Evolution Soccer" fehlen ganz offensichtlich eine Menge Lizenzen. Die Konsequenz sind jede Menge falscher Trikots, Logos und Teamnamen. Man City heißt beispielsweise Manchester Blue, Real Madrid wurde in Madrid Chamartin B umbenannt. Besonders schade ist auch das Fehlen der Bundesliga. Nur einzelne Vereine wie die Bayern und Schalke gibt es in "PES 2020" zu bewundern. Fixen lässt sich das jedoch bekanntermaßen auch recht einfach. Im Netz finden sich unzählige Hobby-Bastler, die eigenständig Trikots, Namen und Logos im Editor nachgestellt haben. Dennoch entsteht durch das Fehlen der Champions- und Europa-League-Lizenzen und vieler Vereine natürlich ein enormes Vakuum an Atmosphäre.

Zugutehalten muss man Konami, dass sie gerade in den kleinen Ligen inzwischen recht ordentlich aufgestellt sind. So sind beispielsweise die schweizer Liga, die französische Ligue 1 und sogar die italienische Serie A komplett enthalten. Kleiner moralischer Sieg: Juventus Turin konnte sich Konami sogar als Exklusivlizenz sichern, in "FIFA 2020" trägt der italienische Rekordmeister nun einen falschen Namen. 

Interessant: Gleichzeitig zum Release von "eFootball PES 2020" erscheint übrigens auch die Demo zum großen Konkurrenten "FIFA". Bloßer Zufall oder bewusster Seitenhieb?

Wenig meisterlicher Karrieremodus in "eFootball PES 2020"

PES 2020: So sieht das Meisterliga-Menü dieses Jahr aus

Konami versprach dieses Jahr so manches, unter anderem sollte die Menüführung verbessert und neue Interfaces eingeführt werden. Das kann "PES" auch gut gebrauchen, schön sahen die Menüs schließlich noch nie aus. Besonders schön kommen sie dieses Jahr leider auch nicht daher, die Meisterliga präsentiert sich zwar ein wenig anschaulicher als zuvor, an die "FIFAs" der letzten Jahre kommt sie aber noch lange nicht ran. Auch die Benutzerfreundlichkeit fehlt leider ein wenig, viele Menüs sind weitaus weniger eingänglich, als sie sein könnten. Auch sonst mangelt es dem Karrieremodus leider durchgängig an Tiefe. Alle Spieler haben Freigabeklauseln, die fast immer viel zu niedrig angesetzt sind, sodass kaum verhandelt werden muss. Wer faul ist, zahlt einfach immer die festgesetzte Summe und fertig. 

Teamrollen, einsehbare Statistiken und Fähigkeitentraining sind schöne Ansätze, davon bräuchte es jedoch viel mehr. Auch Konkurrent "FIFA" enttäuscht schließlich Jahr für Jahr Fans des Karrieremodus. Warum nicht hier mal ein wenig mehr Tiefgang à la "Football Manager" einbauen? Damit wir hier aber nicht nur herumnörgeln, wollen wir auch mal auf etwas Positives eingehen. Zu Beginn der Meisterliga kann man sich selbst einen Trainer erstellen, oder sich für eine vorgefertigte Legende entscheiden. Wir erleben unser Abenteuer in der spanischen Liga als Diego Maradona. Die schön gemachten Zwischensequenzen mit interaktiven Antwortmöglichkeiten sorgen für eine Menge Atmosphäre, hypen spannende Derbys in ungeahnte Höhen und helfen bei der Identifikation mit dem Team. Eine Vertonung wäre aber ganz nett gewesen. 

Pro Evo, die Gameplay-Bastion? 

Die Stärke von PES 2020 liegt auf dem virtuellen Grün

Warum also überhaupt "PES" anstelle von "FIFA" spielen? Hardcore-Fans der Konami-Version kennen ihre Antwort. "Pro Evolution Soccer" spiele sich einfach besser und realistischer als "FIFA" es je könne. Kann der neue Teil in diesem Bereich genug überzeugen? Um es klar und deutlich auszudrücken: Jein. Erst das Positive: "PES" macht großen, großen Spaß. Wenn alles funktioniert, die Ballstafetten nur so abgehen und eine spannende Aktion die nächste jagt, verzeihen wir Konami all die zuvor genannten Schwächen nur allzu gerne. Wenn da nur das Wenn nicht wäre. Denn bisher hat die Version, die wir getestet haben, auch so manche nervige Mangelerscheinung. Die Schiedsrichter sind enorm penibel. Jede Kleinigkeit wird abgepfiffen, was den Spielfluss leider enorm einschränkt und eine Menge ärgerlicher Freistöße und Elfmeter verursacht. Das zweite große Problem ist für uns der Spielstil der Computergegner. Diese stehen generell enorm weit hinten und lassen uns kaum in die Nähe des Tores. 

Das führt jedoch auch dazu, dass vonseiten des Computers selten Druck nach vorne aufgebaut wird. Viele unserer Spiele zu Beginn endeten daher 0:0. Auch schieben unsere Gegner den Ball oft 10 bis 15 (Ingame-)Minuten in ihrer Hintermannschaft hin und her, was recht frustrierend werden kann. Zusätzlich hat "PES", gerade für nicht-Veteranen, eine happige Lernkurve. Die ersten paar Stunden mussten wir uns erst einfinden, dann ging aber alles recht glatt. Gerade das Passsystem sagt uns aber immer noch zu. Der Fakt, dass unrealistische Pässe, die früher über das halbe Feld die komplette Hintermannschaft auseinandernahmen, nun deutlich schwerer geworden sind, gefällt uns besonders und bringt eine Menge Realismus. Auch das Ballgefühl ist eingänglich und realistisch zugleich und bringt den Spielen eine ganz besondere Dynamik! 

Auch interessant: "FIFA 20": Release der Demo geleaked - mit allen Inhalten und Seitenhieb gegen Konami.

"eFootball PES 2020": Esports-ready? 

Wir rackern uns ab, um unserem Match Day-Team zum Sieg zu verhelfen...

Aber der Name sagt es ja schon, Konami will nachziehen und mehr Wert auf die Online-Komponente legen. Da wäre zuerst einmal myClub, das Pendant zu EAs Ultimate Team. Der Spielmodus funktioniert recht ähnlich wie das Vorbild, "FIFA" davonziehen kann "PES" aber nicht. 

...am Ende reicht es aber leider nicht.

Große Neuerungen gibt es weder hier noch im normalen Online-Ranglisten Modus eFootball. Neu ist dafür der sogenannte Match Day, in dem Spieler sich auf eine von zwei Seiten schlagen und in der Gruppenphase Punkte für ihr Team erkämpfen. Auf die Gruppenphase folgt das Finale, in dem je ein Spieler jedes Teams gegeneinander antritt. Dafür kann sich jeder registrieren, der teilgenommen hat. Alle, die nicht für das Finale ausgewählt werden, dürfen zusehen und ihren Spieler anfeuern. Wer in der Gruppenphase vorne war, kriegt einen Tor-Bonus für das Finale. Interessantes Konzept, wie fesselnd es auf lange Sicht sein wird, bleibt abzuwarten. 

"PES 2020": Schön wie eh und je 

Unser Alter Ego, niederländische Spieler- und Trainer-Legende Johann Cruyff, delegiert und organisiert.

Enden soll man ja immer mit etwas Positivem. Und eines kann man "Pro Evolution Soccer" nicht absprechen: Es sieht auch in diesem Jahr wieder wirklich schön aus. Die Gesichter sind enorm realistisch und schön anzuschauen, das Geschehen auf dem Spielfeld sieht top aus und die verschiedenen Kameraeinstellungen wissen alle zu gefallen. 

Wie immer mit dabei: Viele Kaffeebecher.

Das Kommentatorengespann, bestehend aus Hansi Küpper und Marco Hagemann, ist leider wie gehabt eher auf der durchwachsenen Seite des Feldes zuhause. In Sachen Stadiongeräusche, Menümusik und Sounddesign allgemein macht Konami jedoch kaum etwas falsch. Der Soundtrack ist eingängig, die Spielgeräusche realistisch und die Atmosphäre in den Arenen fesselnd. 

Fazit - unsere Meinung zu "eFootball PES 2020"

Die Welt der Fußballsimulationen ist, wenn man es freundlich formuliert, eine gemütliche. Drückt man es weniger nett aus, könnte man sagen, sie ist festgefahren, ein wenig abgestanden und repetitiv. Konami verlässt sich auch dieses Jahr wieder auf sein Grundgerüst, das zugegeben immer noch ordentlich Spaß macht, verlässt aber in keinem Bereich auch nur ansatzweise seine Komfortzone. Wer das "Pro Evolution Soccer"-Spielgefühl mag und Wert auf die aktuellen Transfers legt, darf zugreifen. Wer bisher aber "FIFA" bevorzugt hat, wird das vermutlich auch dieses Jahr tun. 

PROS

CONS

+ Gameplay nach wie vor spaßig

- Kaum Lizenzen

+ Match Day-Modus hat Potenzial

- Interface alles andere als schön

+ Juventus Turin als Exklusivdeal

- Schiedsrichter viel zu penibel

+ Großartige Grafik

- Karrieremodi sehr seicht

+ Atmosphärische Zwischensequenzen in der Meisterliga

- Kleine Balancing-Probleme im Gameplay

Für alle, die nicht genug von "eFootball Pro Evolution Soccer 2020" kriegen können: Konami arbeitet offiziellen Angaben zufolge nicht nur an den handelsüblichen Versionen, sondern hat auch eine Mobile- und Tabletfassung von "PES 2020" in Planung. Diese soll bereits einen Monat nach Release des Spiels erscheinen.

Ebenfalls spannend: PS5: Erscheint die Konsole von Sony am 14. September 2020? Hier die Fakten.

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