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Nadja Mchantaf als Mimi und Jonathan Tetelman als Rodolfo in "La Bohème". Foto: Gregor Fischer

Premiere

In der Falle: Kosky inszeniert "La Bohème" in Berlin

Der Evergreen von Giacomo Puccini als Trauerspiel: Karg und minimalistisch hat Barrie Kosky die Szenen aus dem Pariser Künstlerleben an der Komischen Oper Berlin inszeniert.

Berlin (dpa) - Paris wie es liebt - und stirbt: Mit einer düsteren Sicht auf "La Bohème" hat Barrie Kosky an der Komischen Oper Berlin den Evergreen von Giacomo Puccini (1858-1924) als Trauerspiel vereinsamter Gestalten inszeniert.

Zur Premiere am Sonntag feierten die Zuschauer vor allem das Sängerensemble und das Orchester.

Puccini hatte den Bestseller von 1896 "La Vie de Bohème" von Henri Murger (1822-1861) zu einer knapp zweistündigen Oper in vier Szenen zusammengefasst. Der Poet Rodolfo liebt Mimì, sein Freund Marcello die schöne Musetta. Es ist ein harter Winter, doch die Stimmung im Quartier Latin ist gut. Dann aber kehrt der hochverschuldete Rodolfo der todkranken Mimì den Rücken. Als er sich eines besseren besinnt, ist es zu spät.

Karg und minimalistisch haben Kosky und der Bühnenbildner Rufus Didwiszus diese Szenen aus dem Pariser Künstlerleben in der Mitte des 19. Jahrhunderts gestaltet. Der emotionale Funke springt nicht sofort auf das Publikum über.

Eine kleines Podium als Künstlerbude muss reichen. Durch eine Falltür im Boden reicht Mimì zu Beginn ihrem künftigen Geliebten Rodolfo das "kalte Händchen". Ansonsten ist die Bühne leer. Üppiger wird es dann im Mittelteil, wenn Kosky das Lotterleben der Stadt aufblühen lässt - nackte Haut, bunte Gestalten, Transvestiten und Huren drehen sich im Kreis (Kostüme: Victoria Behr).

Vor allem das Orchester (Leitung: Jordan de Souza) und das Liebespaar Rodolfo (Jonathan Tetelman) und die in der Rolle der Mimi debütierende Nadja Mchantaf werden laut gefeiert. Aber auch Musetta (Vera-Lotte Böcker) sowie die Künstlerfreunde Marcello (Günter Papendell), Schaunard (Dániel Foki) und Coline (Philipp Meierhöfer) bekommen viel Beifall.

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