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Cocktails selber machen? Kein Problem – wir haben einige Rezepte für den Corona-Lockdown. 

Corona-Krise

Cocktail-Rezepte für den Corona-Lockdown: Höchste Zeit für Quarantinis

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Geschlossene Lieblingsbars und verrammelte Eckkneipen sind längst kein Grund, nüchtern zu bleiben. Rezepte für die heimische Cocktailhour.

Harald Juhnke hat’s ja schon immer gewusst. „Keine Termine und leicht einen sitzen“ – so formulierte er einst seine legendäre Losung, die ultimative Glückseligkeit und Wohlgefühl verspricht. Nun funktioniert das mit den leeren ƒTerminkalendern zwischen Zuhausebleiben und Kontaktverbot schon mal bestens. Und das mit dem Sitzen ist ja auch nicht ganz so schwer.

Der „Quarantini“ ist derzeit in aller Munde. Nicht als eigenständiger Drink – online streitet man sich schließlich noch über perfekte Rezepturen, auch wenn sich der gute alte Wodka als offenbar geeignetste Basis herauskristallisiert –, sondern als kleines Phänomen. Denn auch wenn der „Signature Drink“ der Krise noch nicht gefunden scheint, stehen die Räumlichkeiten, in denen er getrunken, geschlürft, gesüppelt wird, ja schon mal felsenfest.

Corona-Quarantäne: So geht der Cocktail „Quarantini“ 

Die zur Quarantänefestung umfunktionierten eigenen vier Wände ersetzen verrammelte Lieblingsbars und Eckkneipen. Mittrinkerinnen und Mittrinker lassen sich mit modernster Technik zuschalten. In den Sozialen Medien jedenfalls mehren sich Videochat-Screenshots, auf denen ganze Freundeskreise angeheitert Drinks in die Kamera halten. Deutlich wird: Deutschland trinkt ausgesprochen gerne* – und vielfältig.

Der eine bastelt sich einen bunten Cocktail, die andere begnügt sich mit der handelsüblichen Pulle Bier. Wir haben unsere Kolleginnen und Kollegen gefragt, was sie in der Video-Cocktailhour am liebsten zu sich nehmen oder auf dem Balkon auch völlig problemlos alleine runterkriegen. Eine Rezeptsammlung – in die es zur Ehrenrettung unserer Redaktion sogar ein alkoholfreies Getränk geschafft hat. 

Corona-Cocktail: Death in the Afternoon

Dekadenz ist in diesen Zeiten wohl eher nicht angemessen. Der „Death in the Afternoon“, erfunden von niemand geringerem als Ernest Hemingway himself, ist dennoch der ideale „Quarantini“. 

Sein Name ist Programm, besteht der „Tod am Nachmittag“ doch lediglich aus Absinth und Champagner. Hemingway empfiehlt, drei bis fünf zu trinken. Dem schließen wir uns nicht an. Aber so einer, nach getaner Arbeit im Homeoffice samt Homeschooling, nach der 24-Stunden-Schicht im Krankenhaus oder wenn die Kinder Mittagsschlaf machen, der darf schon sein. 

Dann prosten wir, in Jogginghose und mit der Champagnerschale in der Hand, dem Leben zu – und lachen dem Tod ins Gesicht.

Das kommt rein:  3 bis 4 cl Absinth, Champagner, Zitrone.

Zubereitung:  Absinth in ein Champagnerglas geben und mit dem gut gekühltem Champagner auffüllen. Mit einer Zitronenzeste garnieren und genießen. (Elena Müller)

Cocktail für die Corona-Quarantäne: Kikeriki

Ich wurde schon früh mit Eierlikör sozialisiert. Im Haushalt meiner Großmutter, in dem ich reichlich Ferien verbrachte, gehörte eine 0,7-Liter-Flasche „Verpoorten Original“ zum eisernen Bestand; der Kiosk um die Ecke hatte sie, es kann nicht anders sein, nur meiner Oma zuliebe in sein Sortiment aufgenommen. Meine Mutter schätzte Vanilleeis vor allem mit Eierlikör als „Dekoration“. Ich kann also nichts dafür. Auch ich liebe Eierlikör. Eher zufällig schüttete ich ihn einst in gekühlte Orangenlimo (für alle Kinder der 70er: Bluna!): Meine Königin der Schirmchengetränke war geboren. Offiziell firmiert sie unter dem bescheuerten Namen „Kikeriki“. Das Mischungsverhältnis ist für meinen Geschmack übrigens vollkommen beliebig …

Das kommt rein:  10 cl gut gekühlter Eierlikör, 20 cl Orangenlimonade.

Zubereitung:  Rühren, Schirmchen rein Trinkhalm rein, fertig! (Tanja Kokoska)

Cocktails im Corona-Lockdown: Skinny Bitch

Es gibt da dieses Internetbildchen. Ein Thermometer und eine Waage sind darauf zu sehen. „Ich weiß nicht, vor welchem Ergebnis ich mehr Angst habe“, steht darüber. Das dürfte so einigen Homeoffice-Knechten und Quarantäne-Geplagten aus der Seele sprechen. Denn zu jedem bewegungslosen Tag zu Hause scheint sich das ein oder andere Frust-Gramm zu gesellen. 

Nun ist Alkohol freilich keine gute Waffe im Kampf gegen die Corona-Wampe. Wer ihn aber nicht durch süße Flüssigkeiten und zuckrige Ganituren ergänzt, hat wenigstens das Gefühl, alles richtig zu machen. „Skinny Bitch“ – der Klassiker des kalorienarmen Betrinkens.

Das kommt rein:  2 bis 4 cl Wodka, Sodawasser, Zitrone oder Orange, Eis.

Zubereitung:  Eiswürfel in ein großes Cocktailglas geben, den Wodka (ich nehme am liebsten Grey Goose) darübergießen und mit dem Sodawasser auffüllen. Mit einer Zitronenscheibe garnieren. Ich nehme noch lieber eine Orangenscheibe und presse mir manchmal auch eine halbe Orange mit ins Glas. Geradezu gesund. (Manuel Almeida Vergara)

Corona-Quarantäne: Cosmopolitan

„Warum haben wir eigentlich jemals aufgehört, ihn zu trinken?“, fragten sich die vier „Sex and the City“-Mädels. Und das frage ich mich auch. Irgendwie ist der „Cosmo“ in Vergessenheit geraten und von Munich Mule, Whiskey Sour und Gimlet abgelöst worden. 

Aber dann kam der Tag, an dem eine Flasche von Freunden mitgebrachter Cranberrysaft in meine Wohnung kam, die ich nicht anders zu verwerten wusste … Die Wiederaufnahme einer wunderbaren Freundschaft.

Das kommt rein:  4 cl Wodka, 2 cl Cointreau, 2 cl Zitronenssaft, 2 cl Cranberrysaft, Eis.

Zubereitung:  Alle Zutaten in einem Tumbler gut verrühren, zwei Eiswürfel dazu, cheers. (Judith Kohl)

Cocktails mischen in der Quarantäne: Gin Tonic

Die Älteren werden sich erinnern, vorigen Sommer konnte man kreuz und quer durch Europa hüpfen, selbst auf die Gefahr hin, Menschen zu berühren. In Meran saßen wir im Juli am Flussufer, und plötzlich berührte uns: Gin Tonic. Es war Liebe auf den ersten Schluck. 

Daheim kristallisierte eine jahrealte Flasche Campari, der Longdrink an sich war uns entfremdet, Duty-free-Orgien von einst vergessen, der GT-Hype fast schon spurlos an uns vorbei – dann diese Begegnung vor der kleinen Meraner Bar. Später am Abend spielte eine Südtiroler Band umsonst und draußen für alle. Wir waren so frei. Wenn’s nachher klimpert auf dem Balkon, denken wir dran zurück.

Das kommt rein:  4 cl Gin, Tonic Water, Zitrone oder Limette, Eis.

Zubereitung:  Gin in das Glas geben und langsam mit Tonic Water auffüllen, damit möglichst wenig Kohlensäure entweicht. Erst dann vorsichtig einige Eiswürfel zugeben und mit einem Cocktailstab umrühren. Abschließend den Glasrand mit einer Zitronen- oder Limettenscheibe garnieren oder die Fruchtscheibe in das Glas geben. (Thomas Stillbauer)

Corona-Quarantäne: Kir Royal

Aufbruch in die Welt, für mich immer verbunden mit Kir Royal. Um es gleich vorwegzunehmen: Die gleichnamige Fernsehsatire mit Mario Adorf – erst wenige Jahre später in aller Munde – hatte damit nichts zu tun. 

Es war mein erster grenzüberschreitender Urlaub ohne Erwachsene, eine Gruppe Jugendlicher in einem kleiner Ort in der Normandie, ganz in der Nähe des Mont Saint Michel. Dort gab es eine herrliche kleine Bar, in der man oft Kir Royal – na ja, um ehrlich zu sein war es die günstigere Variante Kir (Weißwein statt Champagner) – trank. 

Mit Champagner oder einem guten Crémant ist der süffige Apéritif aber bei Weitem köstlicher. Abschluss und Neubeginn – bis heute leichter mit einem kleinen Glas Kir Royal. Und schmeckt auch am geöffneten Fenster mit Blick in die Ferne.

Das kommt rein:  2 cl Creme de Cassis, Champagner.

Zubereitung:  Einfacher geht’s kaum. Erst den Cassis ins Kelchglas geben, dann mit gut gekühltem Champagner auffüllen. (Dorothee Wahl)

Negroni

Wenn auch Conte Negroni diesen Klassiker italienischer Cocktailkunst erstmals um 1920 in Florenz orderte, so wird sich mit ihm für mich doch auf ewig eine andere, weniger aristokratische Stadt verbinden: Triest, an der Grenze zu allem, auf deren so großzügig dimensionierter Freiterrasse zum Meere hin sich trefflich Ankunft und Abfahrt halten lässt. Hier wurde einst auf der Reise zu den Schwefelquellen der südlichen Toskana der weltbeste Negroni gemixt und geschlürft. Jene Piazza Unità d’Italia gemahnt übrigens an die Einheit dieses vielgeprüften Volkes – zurzeit, ohimè, leider nötiger denn je …

Das kommt rein:  2 cl Gin, 2 cl Campari, 2 cl roter Wermut (Martini rosso), Zitrone, Eis.

Zubereitung:  Nach Gusto zwei bis drei Eiswürfel in ein Tumbler- oder Saftglas geben, die Spirituosen nacheinander darübergießen, den Rand des Glases mit der Zeste einer Zitrone abreiben und diese mit hinein. Leicht schwenken und genießen – am besten zu Salzgebäck oder Oliven auf sonnigem Balkon und mit Jimmy Fontanas „Il mondo“ im Ohr!(Karsten Essen)

Antiviraler Corona-Killer

Als Paranoiker habe ich mir in den vergangenen Wochen einen neuen Superdrink angewöhnt. Den „Antiviralen Corona-Killer“. Meine Kräuterhexe, pardon, Siebenjährige hat die Zutaten ersonnen. Frische Zitronenmelisse hat sie im Garten gefunden. Und dass die gesund ist, hat sie in der Schule gelernt, als es noch eine gab.

Das kommt rein:  ein paar Blätter Zitronenmelisse, frischer Ingwer, etwas Honig, Eis.

Zubereitung:  Den Ingwer schälen und kleinschneiden. Zusammen mit den Blättern und etwas Honig in einen Topf und mit heißem Wasser überbrühen. Zu scharf sollte es nicht werden (Ingwer), sonst meckern die Kinder, also lassen wir fünf bis zehn Minuten ziehen und seihen den Tee hernach durch ein Sieb in eine schmucke Karaffe. Die kommt zum Kühlen in den Keller. Wer möchte, kann experimentieren, Orangensaft oder Zitrone beimengen. Serviert wird mit Eiswürfeln. Tagsüber gibt das eine schöne Limonade. Zum Abend hin verändert sich das Getränk mittels Papierschirmchen in einen Longdrink. Zwei Skype-Parties habe ich damit schon überstanden. So viel Gesundheitsbewusstsein mag im Angesicht der Apokalypse verschroben wirken. Aber wenigstens trage ich beim Videochat keinen Mundschutz. (George Grodensky)

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks. 

Wer suchtkrank ist, für den ist die Corona-Krise ein doppeltes Risiko. Sucht-Expertin Susanne Schmitt aus Frankfurt warnt im Interview vor den Gefahren, die erhöhter Alkoholkonsum zuhause birgt. Sie blickt auch sorgenvoll auf die Situation von Menschen, die von illegalen Drogen abhängig sind. 

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