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Annette
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In „Annette“ wird viel gesungen - und auch geküsst: Adam Driver als Henry McHenry und Marion Cotillard als Ann Defrasnoux.

Kino-Musical

„Annette“: Melodram mit Stars, Sparks und Mut zum Trash

Zwei Weltstars stürzen sich mutig in ein französisch-amerikanisches Musicalprojekt: Adam Driver, Marion Cotillard und ihr außergewöhnliches Filmkind sowie ein Soundtrack von den Sparks - „Annette“ wird Kinogänger irritieren.

Berlin - Dass dieser Film exzentrisch werden könnte, war zu erwarten. Als Regisseur von „Annette“ firmiert schließlich Leos Carax, mittlerweile 61 Jahre alt und bekannt geworden als einer der Wilden des französischen Films („Die Liebenden von Pont-Neuf“).

Filmidee, Drehbuch und Musik stammen zudem von den Brüder Ron und Russell Mael alias Sparks, einer der schrillsten US-Bands der Popgeschichte.

Dass „Annette“ - als Eröffnungsfilm der diesjährigen Festspiele von Cannes im Scheinwerferlicht des Weltkinos - jedoch so exzentrisch sein würde, erstaunt dann doch. Wenn dieses 140 Minuten lange Musical-Melodram nun in die Kinos kommt, sollte sich das deutsche Publikum auf zwei furchtlose Starschauspieler (Marion Cotillard und Adam Driver), einige grandiose Massenszenen und eine Unmenge von visuellen Ideen einstellen - aber auch auf eine Geschichte, die mit krude noch vorsichtig umschrieben ist.

Es wird zur bombastischen Electropop-Orchester-Musik der Sparks also viel gesungen in „Annette“. Driver als aufbrausender Bühnenkomiker Henry auf dem absteigenden Ast und Cotillard als sanfte, frenetisch gefeierte Opernsängerin Ann machen ihre Sache gar nicht schlecht, obgleich der US-Amerikaner Driver („Star Wars“, „Marriage Story“) bisweilen mehr mit seinem muskulösen Oberkörper überzeugt als durch eine große Stimme.

Oscar-reif sind die Leistungen der beiden Top-Schauspieler nicht. Dazu wird ihnen vom Maels/Carax-Drehbuch und der Regie des Franzosen zu viel Pathos und oft auch blühender Unsinn abverlangt.

Natürlich, wie so oft im Musical, spielt das Kommen und Gehen der Liebe bis hin zum gemeinsamen Weg in den Abgrund (Driver besingt ihn bis zum bitteren Ende mehrfach) eine große Rolle in „Annette“. Die Titelfigur wiederum - so viel darf hier verraten werden - ist ein Baby, und was für eines! Die Gelassenheit, mit der die Eltern dieses unfassbare Wesen herzen und anschmachten, grenzt ans unfreiwillig Komische (wie übrigens auch eine der Sexszenen mit Gesang).

„Wir pfeifen auf die Logik/es war nicht der Plan“, singt Adam Drivers Henry als potenziell gewalttätiger Comedian mit dem Künstlernamen „Affe Gottes“ gleich zu Beginn. Das passt. „Annette“ nimmt sich (zu) viele Freiheiten, die Sinnhaftigkeit der Handlung bleibt auf der Strecke. Andererseits: Es gibt nicht viele Regisseure wie Carax, die sich so viel opulent bebilderte Trash-Nähe trauen. Ein Film, der polarisieren wird - wobei am Ende Kritiker-Himbeeren näher liegen könnten als Oscar-Ehren.

Annette, Frankreich, Belgien u.a. 2021, 140 Min., FSK ab 12, von Leos Carax, mit Adam Driver, Marion Cotillard, Simon Helberg dpa

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