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Priorität: Auf Platz eins der Wunschliste berufstätiger Männer und Frauen stehen flexible Modelle, Familienzeiten einplanen zu können.

Familie und Beruf

Zeit  als neuer Gesellschaftsentwurf

Mindestens in jeder zweiten Legislaturperiode legt das Bundesministerium einen Bericht über die Lage der Familien vor. Der aktuelle Bericht greift Probleme zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf auf und macht den gesellschaftlichen Umgang mit Zeit zum Zukunftsentwurf.

Der Bericht wurde von einer unabhängigen Kommission unter Leitung von Prof. Dr. Georg Thüsing erarbeitet. Er trägt den Titel "Zeit für Familie. Familienzeitpolitik als Chance einer nachhaltigen Familienpolitik".  Anliegen der Politik müsse es sein, so die Kommission, eine Benachteiligung der Familie zu verhindern, wenn es darum geht, Zeit gesellschaftlich einzuteilen. Daher sollen Zeitstrukturen und Zeitnormen entwickelt werden, in denen die Familie ihren Platz hat.  

Zeitsouveränität von Eltern im Job

Mehr Zeitsouveränität von Eltern kann etwa durch den weiteren Ausbau der Betreuungseinrichtungen oder durch die Gestaltung von Arbeitszeit erreicht werden. Dabei dürfen betriebliche Notwendigkeiten nicht außer Acht gelassen werden.

Verschiedene Zeitstrukturen, wie Arbeitszeiten und Öffnungszeiten von Betreuungseinrichtungen seien häufig nicht aufeinander abgestimmt. Eine solche Abstimmung könne in den meisten Fällen am besten auf kommunaler Ebene erfolgen. Lokale Zeitpolitik sei ein integraler Bestandteil familienbezogener Zeitpolitik.

Ingrid Sehrbrock, stellvertretende DGB-Vorsitzende, sieht das ganz praktisch: „Überstunden und eine Kultur der Dauerpräsenz bestimmen den Alltag der Beschäftigten. Oftmals erwarten Arbeitgeber Verfügbarkeit rund um die Uhr. Zeitsouveränität für Familien gibt es aber nur dort, wo Arbeit gerecht verteilt wird. Die Organisation der Arbeitszeit ist der Schlüssel für eine familienfreundliche Arbeitswelt: Wir brauchen eine breite gesellschaftliche Arbeitszeitdebatte.

Dienstleistungen zur Familienunterstützung  

Weiter heißt es im Familienbericht, das mitverantwortliche Potenzial älterer Menschen sollt häufiger angesprochen werden, um diese für die Familienzeit zu gewinnen. Familienunterstützende Dienstleistungen können Familien entlasten und dazu beitragen, dass sie ihren Alltag besser organisieren können.

Damit diese Dienstleistungen in Deutschland mehr genutzt werden, müssten sowohl  Informations- als auch Kostenfragen gelöst werden. Ein neuartiges kommunales Engagement, das den Aufbau und die Förderung sowie neue Zugänge zu Dienstleistungen umfasse, könne Perspektiven für Familien schaffen. Bestehende Infrastruktureinrichtungen, wie z. B. Mehrgenerationenhäuser oder Kitas könnten als Drehscheiben oder Vermittlungszentren mit neuartigen Funktionen als Dienstleistungszentren genutzt werden.

„Großelternzeit, Freiwilligendienste und Nachbarschaftshilfe, wie sie der Familienbericht empfiehlt, können den Ausbau der institutionalisierten Kinderbetreuung nicht ersetzen. Wir brauchen ein Netz qualitativ hochwertiger und professioneller Kinderbetreuung, das den Bedarf verlässlich deckt“, hält Ingrid Sehbrock entgegen.

Zeit für Familie heiße auch, dass man kurzfristig frei nehmen könne, wenn familiäre Angelegenheiten dringend geregelt werden müssen. Teilzeit dürfe nicht zur Sackgasse werden. Sehbrock: „Deshalb brauchen wir für die Beschäftigten einen Rechtsanspruch auf Rückkehr in die Vollzeit.“ (red)

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