Wenn es im Getriebe knirscht

Mediation ist auch im Berufsleben ein geeignetes Mittel zur Konfliktlösung / Reden statt Prozessieren

Von SABINE DEMM

Frankfurt a.M. - Der selbstständige IT-Spezialist Martin K. leitete im Ausland ein Projekt für eine Unternehmensberatung und kündigte nach einem Jahr ordnungsgemäß. Ein Mitarbeiter des Auftraggebers sollte seine Position übernehmen. K. sollte ihn noch einweisen und reiste dazu nach dem Ende seines Jobs noch mal ins Ausland. Der Mitarbeiter erschien jedoch nicht.

Der IT-Projektleiter stellte daraufhin seine letzte Rechnung über rund 12 000 Euro. Doch der Auftraggeber reagierte nicht - weder Nachfragen noch Mahnung halfen. Erst nach Einschalten eines Rechtsanwalts antwortete das Unternehmen nunmehr mit einer Gegenforderung von rund 60 000 Euro, da K. seine Leistungen angeblich nicht vertragsgemäß erbracht habe. Hierauf sah der IT-Spezialist nur noch eine Möglichkeit: eine Klage vor Gericht.

Als die gleiche Unternehmensberatung K. jedoch für ein neues, langfristiges Projekt für einen Kunden engagieren wollte, sahen sich beide Seiten gezwungen, doch noch eine andere Lösung zu finden. Sie baten Rechtsanwalt Benno Grunewald darum, eine Mediation durchzuführen. Das Ergebnis: Alle Beteiligten mussten miteinander ins Gespräch kommen und erhielten einen vollkommen neuen Eindruck von der Gegenseite. Sie erkannten, warum der andere sich so verhalten hatte. Nach etwa drei Stunden kam man schon zu einem konkreten Ergebnis: Die Unternehmensberatung ließ die Gegenforderungen fallen und zahlte dem Freiberufler 80 Prozent seiner Honorarforderung. Die Kosten der Mediation in Höhe von rund 1000 Euro teilte man sich und sparte so geschätzte 15 000 Euro Gerichtskosten.

So wie in diesem Fall verläuft eine Mediation optimal. "Es gibt aber auch Fälle, wo es wirklich absolut keinen Sinn hat. Die Beteiligten können einfach nicht mehr miteinander reden oder setzen sich erst gar nicht an einen Tisch", gibt Grunewald zu. Mediation ist ein Verfahren, um berufliche Konflikte außergerichtlich zu lösen. Gerade Selbstständige in der IT-Branche könnten leicht in berufliche Streitsituationen geraten, die eskalieren. Denn sie arbeiten oft in Projekten, an denen verschiedene Unternehmen mit Freiberuflern und Festangestellten beteiligt sind. Der Berufsverband Selbstständige in der Informatik (BVSI) hat deshalb eine Mediationsstelle eingerichtet, an die sich IT-Freiberufler bei Problemen wenden können.

BSVI-Rechtsanwalt Grunewald, der bei der Deutschen Anwaltsakademie eine Zusatzausbildung zum Mediator gemacht hat, erklärt, was das Verfahren auszeichnet: "Durch die vermittelnde Rolle einer dritten, neutralen Person im Gespräch, kommt oft das auf den Tisch, worum es wirklich bei dem Streit geht." Meist seien Honorardifferenzen oder die nicht ordnungsgemäß geleistete Arbeit nur stellvertretende Aspekte. "Oft haben in Wahrheit zwischenmenschliche Dinge, wie verletzter Stolz, den Konflikt ausgelöst", sagt Grunewald.

Mediation führt laut Studien aus den USA, wo das Verfahren länger erprobt ist als hier zu Lande, in 75 bis 80 Prozent der Fälle zum Erfolg. Der Mediationsprozess läuft in festgelegten Phasen ab, wobei der Mediator zuerst klar macht, dass er neutral ist und es in der Verantwortung der Beteiligten liegt, eine Lösung zu finden. Dann erklären die Parteien, welche Streitpunkte vorliegen und jeder kann das Problem aus seiner Sichtweise darstellen. Daraus sollen die Beteiligten eine kreative Lösung zum Vorteil aller entwickeln und das konkrete weitere Vorgehen festlegen. Die Vorteile der Mediation gegenüber einem gerichtlichen Verfahren liegen für Grunewald auf der Hand: "Es ist sehr viel kostengünstiger und weniger zeitaufwendig." Mediation kann schon in wenigen Stunden zum Erfolg führen. Die Kosten, die entstehen, sind meist nur das Honorar des Anwalts. Außerdem können sich die Konfliktparteien nach einer erfolgreichen Mediation wieder in die Augen sehen. Die Basis für eine weitere Zusammenarbeit ist dann geschaffen.

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