Wenn der Job zum Bewerber passt und umgekehrt

Vor einer Stellenbesetzung sollten beide Seiten genau klären, wen und was sie wollen

Von NILGÜN AYGEN

Frankfurt a. M. - Immer mehr Unternehmen erkennen, dass eine erfolgreiche Mitarbeiterauswahl viel Geld sparen beziehungsweise bringen kann. Tatsache ist, die richtigen Leute mit ihren Stärken auf der richtigen Stelle zu haben, kann den Unterschied ausmachen zwischen Bankrott und Überleben, zwischen Gewinn und Verlust. Echte "Leistungsträger", das beweisen jüngste Studien, leisten 64 Prozent mehr als leistungsschwache Mitarbeiter. Leistungsstarke Führungskräfte leisten 96 Prozent mehr als leistungsschwache. Oft allerdings misslingt die Suche nach dem richtigen Kandidaten. Warum? Die oft beschworene ideale Bewerberpersönlichkeit existiert nicht. Der Auswahlprozess verläuft nicht optimal.

Es gibt universal gesehen, keine guten oder schlechten Bewerber, sondern nur die zu einer Stelle passenden oder eben nicht passenden Kandidaten. Das Unternehmen muss sich darüber klar sein, welche Anforderungen es eigentlich an einen Bewerber hat, welchen Mehrwert er dem Unternehmen bringen soll. Stellensuchende sollten zunächst hinterfragen, ob die Stelle wirklich zu ihnen passt. Ich rate deshalb sowohl von Bewerbungen nach dem Gießkannenprinzip als auch von übertriebenem Bewerbungstraining ab.

Die Erfahrungen zeigen immer wieder, dass Bewerber, die sich hervorragend "verkaufen" können, aber eigentlich gar nicht dem Anforderungsprofil entsprechen, letztendlich sowohl sich selbst als auch dem Unternehmen schaden. Ein unpassender Arbeitsplatz führt dazu, dass ein Mitarbeiter mehr damit beschäftigt ist, seine Schwächen zu überspielen als damit, seine Stärken optimal zur Geltung zu bringen. Der damit verbundene Produktivitätsschwund führt schnell zu Frust auf beiden Seiten.

Eigene Stärken kennen

Ein Bewerber muss sich mit dem Unternehmen des potenziellen Arbeitgebers identifizieren können und die charakteristischen Anforderungen an die zu besetzende Stelle kennen. Deshalb sollte einer Bewerbung eine gründliche Selbstanalyse vorausgehen. Sie dient der Bestimmung der eigenen Stärken und Schwächen, Vorstellungen und Ziele. Das gezielte Studium von Fach- und Wirtschaftsliteratur, der Tagespresse sowie der Besuch von Jobbörsen und -messen geben die Möglichkeit, die Anforderungen der Unternehmen konkret kennen zu lernen. Arbeitgeber sollten sich nicht scheuen, moderne Methoden der Personalauswahl auszuprobieren und einzusetzen. Die klassischen Bewerbungsgespräche aber auch die häufig praktizierten Assessment Center weisen erhebliche Mängel etwa in Bezug auf Objektivität und Zeitaufwand auf. Immer mehr Unternehmen setzen deshalb moderne und wissenschaftlich basierte Profiling-Verfahren ein. Erhobene Persönlichkeits- und Kompetenzmerkmale haben dabei oftmals einen sehr direkten Bezug zu den Anforderungskriterien der zu besetzenden Stelle.

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