Personalführung

Vorgesetzte müssen in der Krise loben

In Krisenzeiten wird das Betriebsklima schnell rauer - Vorgesetzte tun sich aber keinen Gefallen, wenn sie unter ihren Mitarbeitern ein Klima der Angst schüren.

Köln. In Krisenzeiten wird das Betriebsklima schnell rauer - Vorgesetzte tun sich aber keinen Gefallen, wenn sie unter ihren Mitarbeitern ein Klima der Angst schüren.

Vielmehr sei es gerade jetzt wichtig, Mitarbeiter zu motivieren und öfter mal ein Lob für sie übrig zu haben, sagte der Coach Manuel Tusch aus Köln. "Viele denken, dass jetzt keine Zeit mehr für den ganzen Psycho-Quatsch ist und die Leute froh sein sollen, dass sie überhaupt einen Job haben."

Das gehe aber nach hinten los: Mangelnde Anerkennung sorge für Frust im Job. "Ein bisschen Wertschätzung zu spenden, kostet ja nichts. Und dann arbeiten alle effektiver."

Auch für Vorgesetzte sei die Wirtschaftskrise keine leichte Situation. "Da befinden sich viele in einer Sandwichposition, wenn sie zum Beispiel Einsparziele in ihrer Abteilung erreichen müssen. Das ist natürlich eine undankbare Rolle", sagte der Psychologe.

Wer sich als Abteilungsleiter dabei bloß als knallharter Entscheider präsentiert, macht sich aber schnell zum Buhmann der Belegschaft. Besser sei es, offen mit der Situation umzugehen und sich als Chef auch mal von seiner menschlichen Seite zu zeigen.

Dabei sei es nicht unbedingt hilfreich, nur auf die Sachzwänge zu verweisen, um den "schwarzen Peter" anderen zuzuschieben. "Das ist natürlich ein Totschlagargument", sagte Tusch. Statt die Verantwortung von sich zu weisen, wirke es entlastender, wenn Vorgesetzte ihre Anteilnahme und Betroffenheit zeigen - dafür reiche manchmal schon ein einfaches "Es tut mir leid".

Ein falsches Signal sei es auch, als Vorgesetzter in der Abteilung zum Beispiel den Kaffee oder die Süßigkeiten zu streichen. "Das sorgt erst recht dafür, dass dann die Angst umgeht", erläuterte Tusch. Vielmehr sei es in Krisenzeiten Aufgabe des Chefs, auch positive Perspektiven aufzuzeigen. "Man sollte also nicht bloß dauernd sagen, wie furchtbar alles ist, sondern auch, welche Chancen die Firma hat, wenn alle zusammenhalten."

Um die Angst aus dem Betriebsklima zu nehmen, sollten Vorgesetzte zudem versuchen, das Wir-Gefühl in ihrer Abteilung zu stärken. Hierbei könne zum Beispiel helfen, auch Lösungsvorschläge zu anstehenden Problemen aus einzelnen Teams im Büro anzuhören.

Eine weitere Möglichkeit sei, dass Mitarbeiter "Patenschaften" von Kollegen übernehmen: Dabei wird vereinbart, dass ältere Kollegen jüngeren Mitarbeitern in Krisenzeiten zur Seite stehen. Das stärke die Gemeinschaft und beuge dem Eindruck vor, dass in der Krise jeder Mitarbeiter bloß noch sich selbst der nächste ist. (dpa/tmn)

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