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Das waren noch Zeiten: Erst die Stulle verzehrt, dann den Chef auf seinem Wählscheiben-Telefon angerufen, mit der Schreibmaschine einen Bericht getippt und diesen per Rohrpost verschickt...

Rohrpost, Stullen, Schreibmaschine

Was viele Büro-Arbeiter vermissen werden

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Früher war zwar nicht alles besser, aber oft entschleunigter: Schreibmaschine, Wählscheiben-Telefon oder langsam tröpfelnde Kaffeemaschine sorgten für Atmosphäre und Gemütlichkeit im Büro. Dreizehn Dinge, die vom Arbeitsplatz verschwinden.

Eine gute Nachricht für Paternoster-Fans: Die gemütlichen Aufzüge in Behörden und Betrieben sollen doch wieder für die Allgemeinheit geöffnet werden, entschied das Bundeskabinett am Mittwoch. Eigentlich sollte der Zutritt künftig nur noch geschulten Mitarbeitern erlaubt sein.

Auch wenn uns die 200 deutschen Paternoster wieder offen stehen, müssen wir von vielen liebgewonnenen Dingen im Büroalltag Abschied nehmen. Eine Retro-Sammlung, die Erinnerungen weckt:

Wählscheiben-Telefon

Mit der Wählscheibe dauert es ungefähr doppelt so lange, eine Nummer zu wählen. In Deutschland ging die Ära der mechanischen Nummernschalter in den 1980er-Jahren zu Ende. Mittlerweile feiern die Retro-Telefone in hippen Privathaushalten ihr Comeback – doch am Arbeitsplatz werden viele das leise Schnurren der Wählscheiben vermissen.

Telefonbücher

Das erste Telefonbuch überhaupt erschien laut Wikipedia am 21. Februar 1878 in New Haven, Connecticut – als Liste mit 50 Einträgen. Heute wundert man sich, wenn ein Stapel Telefonbücher und gelber Seiten vor der Haustür liegt, die Hälfte landet im Altpapier. Auch auf Schreibtischen sind die Papier-Verzeichnisse heute Geschichte.

Röchelnde Kaffeemaschine

„Gurgel, Spotz, Röchel“ – der Sound alter Filterkaffeemaschinen gehört wohl bald endgültig der Vergangenheit an. Stattdessen kaufen wir teure Kaffeekapseln und Pads, oder wir ziehen uns in der Mittagspause am Automaten einen schnellen Espresso. Hand in Hand mit dem Filterkaffee werden wir auf Dauer auch Kaffeesahne und Würfelzucker aus unserem Büroleben verbannen.

Rohrpost

Eine schnelle Methode, um Gegenstände zu transportieren: Die längsten Rohrpost-Leitungen maßen mehrere hundert Kilometer Länge. Auch heute gibt es in manchen Gebäuden noch Rohrpost-Netze, etwa in Krankenhäusern zum internen Versand von Blutproben und Krankenakten. Moderne Büros kommen aber meist ohne aus.

Rollodecks

Wer schön die Adressen und Visitenkarten einsortiert hat, musste nur am Rädchen drehen – und da war er, der Kundenkontakt. Heute sind die Rollodecks kaum noch auf Schreibtischen zu finden, und auch das gute alte Karteikarten-Kästchen ist vom Aussterben bedroht.

Mittagspause zu Hause

Früher kam Väterchen zwischen 12 und 14 Uhr nach Hause, aß das von Mutti gekochte Essen und machte dann gemütlich sein Mittagsschläfchen auf dem Sofa – heute kaum noch vorstellbar! Kaum ein Pendler schafft es, mittags daheim vorbeizuschauen, und wenn doch, könnte er sofort wieder umdrehen. Aus dem Mittagsschläfchen wird nun das „Power Napping“ im Büro, wenn überhaupt. Oder es wird mit offenen Augen geschlafen – im Meeting.

Stullen in Folie

Graubrot, fingerdick mit Butter beschmiert und mit Dauerwurst belegt, das Ganze eingewickelt in Klarsicht- oder Alufolie (oder in Butterbrotpapier) – eine aussterbende Speise. Heute rennt man in der Pause schnell zum Bäcker oder hat erst gar keine Zeit zum Essen. Vielleicht greift man auch schuldbewusst zum kalorienarmen Salat und verzichtet ganz auf Kohlenhydrate, der Figur wegen.

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Briefmarkenbefeuchter

Das Wort klingt sehr technisch, denn eigentlich handelt es sich ja nur um einen nassen Schwamm im Behälter. Bekannt ist das Tool auch unter dem Namen „Anfeuchtkissen“. Auch wenn Briefmarken anlecken wenig Freude macht: Außer in Postfilialen findet man den Amtsschwamm nur noch selten.

Durchschlagpapier

Das Durchschreibepapier, auch Blaupapier, Kohlepapier oder selbstkopierendes Papier genannt, ist eine aussterbende Art, so scheint es. Weil Computer die Schreibmaschine fast vollständig verdrängt haben, werden Kohlepapiere heutzutage praktisch nur noch für handschriftliche Dokumente gebraucht.

Aschenbecher

Früher wurde in Bürogebäuden überall gequalmt, auf den Fluren, im Chefsessel und bei Besprechungen. Die Zeiten sind vorbei, spätestens seit der Nichtraucherschutz am Arbeitsplatz 2002 gestärkt wurde. Ein bisschen vermisst man sie aber doch, die hektisch durchgezogene Kippe am Schreibtisch, eine gemütliche Zigarre nach dem Mittagessen oder dick gedrehte Feierabendfluppen.

Schreibmaschine

Schreibmaschinengeklapper, wo hört man das noch? Kaum jemand kann sich heute vorstellen, wie damals in den 80ern ein Büro „klang“. Völlig geräuschlos ist die Computertastatur von heute natürlich auch nicht, aber auch dieser Sound wird von leiseren Laptops und bunten Touchscreens verdrängt. Schade eigentlich.

„Tippse“

„Frau Müller zum Diktat“ – das heißt es immer seltener in deutschen Büros. Viele Chefs erledigen ihre Korrespondenz selbst am Computer, wenn auch mit Zwei-Finger-Suchsystem. Das Bild von fleißig tippenden Sekretärinnen, die mit Kopfhörern und Pedalen hantieren, um das Diktiergerät vor- und zurückzuspulen, das wird es wohl bald nur noch in nostalgischen TV-Serien geben.

Tipp-Ex

Ohne Schreibmaschinen und Tippsen braucht die Büro-Welt wohl auch weniger Tipp-Ex – denn wie oft schreibt man noch lange Briefe oder Berichte von Hand? Erfunden wurde die erste Korrekturflüssigkeit übrigens von der Amerikanerin Bette Nesmith Graham. Sie arbeitete Anfang der 1950er als Sekretärin bei einer Bank in Dallas. Dort überpinselte Graham vertippte Buchstaben oder Wörter mit Lack, pustete und schrieb neu darüber.

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