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Tischsitten im Wandel der Zeit

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Friedrich I. Barbarossa am Fuße des Kyffhäuserdenkmals.
Friedrich I. Barbarossa am Fuße des Kyffhäuserdenkmals. © dpa/Archiv

Zu allen Zeiten haben sich die Menschen gut oder schlecht benommen. Gut oder schlecht, passend oder unpassend, das sind auf dem Gebiet des guten Tons allerdings sehr veränderliche Begriffe.

Von Karl dem Großen (um 750) sind erste feinere Tafelsitten überliefert. Er speiste nach würdevollem Zeremoniell. Bei Tisch wurde das Fleisch mit kleinen Messern aufgespießt, Löffel gab es nur wenige.

Mit den Frauen kam Stil an den Tisch. Ab dem 11. Jahrhundert verbesserten sich die Tischsitten, denn es wurden vereinzelt auch Damen zu Tafeln zugelassen. Paare saßen zusammen und benutzten gemeinsam einen Becher und eine Schüssel. Den Tisch schmückte ein Tuch, das aber auch zum Hände abwischen diente. Für das Benehmen bei Tisch wurden bald besondere Regeln aufgestellt. Jeder sollte vermeiden, seine fettigen Finger an der festlichen Kleidung abzuwischen und allzu hastig zu essen und zu trinken.

Die Fixierung der Westeuropäer auf Tischmanieren ist historisch gesehen relativ neu. Bei den mittelalterlichen Adligen war es eine normal, mit den Fingern und einem säbelartigen Messer zu essen – jeder vom selben Gericht. Wenn jemand seine Mückenstiche oder Läusebisse kratzen musste, war es am besten, dieses nicht mit dem nackten Finger zu tun, sondern diesen mit einem kleinen Stück Tuch zu umwickeln.

Einer der ersten Vermittler von Bildung und Umgangsformen war Erasmus von Rotterdam (1466-1536), der mit seinen Erziehungsbüchern für Fürsten (Fürstenspiegel) und seinem Benimmbuch (de civilitate) einen Leitfaden vorgegeben hat. Franz I. (1494 – 1547), verfeinerte als erster französischer König die Lebens- und Liebesformen sowie die Tischsitten. Man lernte, wie man richtig hustet, sich schnäuzt und gepflegt Konversation macht.  Am Ende der Renaissance begann die höfische Gesellschaft, einen ausgefeilteren Kodex von Tischsitten zu entwickeln. Jetzt bekam jeder am Tisch seinen eigenen Löffel und seine eigene Schüssel. Gabeln fanden nur langsam Verbreitung, sie wurden nicht zuletzt von Martin Luther aufgrund ihrer Form als „Teufelswerkzeug“ bezeichnet. Im Gegensatz zum einfachen Volk sollten die vornehmen Leute fortan eine gewisse Feinfühligkeit kultivieren und spontane Verhaltensweisen unterdrücken. Und dieses „Unterdrücken der spontanen Verhaltensweisen“ hat sich bis heute weiter entwickelt. (ETI)

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