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Selbstinszenierung: Wer im Asessment Center glänzen will, muss die Anforderungen genau kennen.

Assessment Center

Stresstest: Die Bewerber fürchten dieses Auswahlverfahren

Alle haben Angst vor dem Assessment Center. Dabei können sie stolz sein, denn schließlich haben nur die besten die Chance, sich in diesem speziellen Wettbewerb zu beweisen. Vor allem erfahrenes Personal für leitende Positionen wird auf diesem Weg gesucht.

Von Andrea Frey

Seit den 80er- Jahren wird das Assessment Center als spezielles Auswahlverfahren auch in Deutschland angewandt: Etwa fünf bis zwölf Bewerber müssen eine Reihe von Aufgaben bewältigen, die besten werden schließlich auserwählt.

Die Abläufe sind immer gleich: „Die Angst vor dem Assessment Center ist zum Teil unbegründet“, sagt Christian Püttjer, Karriereberater und Buchautor. „Beruhigend könnte sein, dass die Prüfungen im Assessment Center heute berufsnäher sind.“ Die Abläufe sind eigentlich immer mehr oder weniger die gleichen. Bei einer Selbstpräsentation sollen die Bewerber ihren Lebenslauf kurz umreißen und ihre Erfahrungen und Fähigkeiten auf die Jobanforderungen abstimmen. In Rollenspielen, die einem schwierigen Mitarbeitergespräch oder einer Kundenberatung nachempfunden sind, können Bewerber Verhandlungsgeschick und unternehmerisches Know-how beweisen. Gleichzeitig wird bei der Übung ersichtlich, wie sie mit Konflikten umgehen.

Durchsetzungsvermögen auf dem Prüfstand

In einer Gruppendiskussion, die ebenfalls auf dem Programm steht, wird geprüft, wie es um ihr Durchsetzungsvermögen bestellt ist, ob sie zielstrebig oder teamfähig sind. Doch Vorsicht: Welche Verhaltensweise erwünscht ist, hängt von der zu besetzenden Stelle ab. Ein Klassiker unter den Prüfungen ist die sogenannte Postkorb-Übung: Hier müssen die Bewerber 15 bis 20 Aufgaben nach Dringlichkeit sortieren. Die Aufgaben können sich allerdings überschneiden. Also ist Organisationstalent gefragt. Zum Schluss steht ein Stressinterview auf dem Plan, bei dem teilweise auch persönliche Fragen gestellt werden.

Bei der Bewerbung eine "Rolle spielen"

Hier können die Prüflinge im günstigen Fall beweisen, dass sie sich so schnell nicht aus der Ruhe bringen lassen. Einen Vorteil haben diejenigen, die souverän bleiben und sachlich fit sind. Aber wie macht man das? Zunächst gilt es, die beruflichen Stärken auf die Anforderungen im Assessment Center zu übertragen. Was wird von mir erwartet? Welches Verhalten
möchte man von mir sehen? Da hilft eiserne Recherche weiter. Ein Studium der Internetseite des suchenden Unternehmens ist der erste Schritt. Sinnvoll ist es auch, Mitarbeiter des Unternehmens zu befragen. Muss ich mich als Führungskraft präsentieren oder als kompetenter Berater?
Oftmals sollen über das Assesment Center mehrere Positionen besetzt werden. Experten raten davon ab, eine Rolle zu spielen. Von einem aufgesetzten Verhalten lässt sich ohnehin kein Personaler überzeugen.

Stresstest: Wir wirke ich auf andere

Standardverhalten fällt durch „Es geht nicht darum, schauspielern zu lernen, sondern sich darüber klar zu werden, wie man unter Stress reagiert“, sagt Püttjer. Bin ich hektisch oder einsilbig? Beides ist nicht gut. Wer denkt, mit Standardverhalten zu bestehen, handelt blauäugig. Die Körpersprache spielt eine besonders große Rolle. Der Karriereberater rät jedem Bewerber zu überprüfen, ob er sich in Stresssituationen tatsächlich so verhält, wie er denkt. Das Verschränken der Arme während eines Gesprächs ist im Arbeitsalltag akzeptabel. „Im Assessment Center wird so etwas abgelehnt“, sagt Püttjer. Das Abgleichen von Selbstbild und Fremdbild lässt sich übrigens in guten Trainings üben. Das Assessment Center ist ein Stresstest. „Und wenn ich nicht weiß, wie ich auf andere wirke, werde ich scheitern.“

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