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Das sind die Rituale genialer Menschen

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Von: Gesa Schölgens

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Sechs Stunden Schlaf, zwanzig Zigaretten und ein rasend schneller Spaziergang durch Wien gehörten zur täglichen Routine von Psychoanalytiker Sigmund Freud.
Sechs Stunden Schlaf, zwanzig Zigaretten und ein rasend schneller Spaziergang durch Wien gehörten zur täglichen Routine von Psychoanalytiker Sigmund Freud. © RJ Andrews

Schiller konnte ohne den Geruch verfaulter Äpfel nicht schreiben, Kant unterrichte 40 Jahre lang die gleichen Kurse an der Uni: Das Buch „Musenküsse: Die täglichen Rituale berühmter Künstler“ zeigt Alltagsroutinen von 88 Genies - nicht alle laden zur Nachahmung ein.

Kreativität hängt eng mit geregelten Tagesabläufen und Routinen zusammen. Glauben Sie nicht? - Das Buch Musenküsse: Die täglichen Rituale berühmter Künstler (VerlagKein & Aber) wird Sie eines Besseren belehren. In 88 unterhaltsamen Miniaturen schildet der Journalist und Autor Mason Currey die Alltagsstrategien von Schriftstellern, Komponisten, Malern, Filmemachern und anderen kreativen Berühmtheiten - darunter Sigmund Freud, Wolfgang Amadeus Mozart und Friedrich Schiller.

Einige Künstler entwickelten äußerst schräge Ticks, um produktiv zu bleiben. So zum Beispiel Friedrich Schiller: Der Dichter und Dramaturg lagerte faule Äpfel in einer Schreibtisch-Schublade, da er nach eigener Aussage den Geruch des Verfalls zum Schreiben brauchte. Charles Dickens benötigte zwar keine alten Äpfel, dafür aber absolute Ruhe zum Schreiben. Er ließ eine zweite Tür in seinem Arbeitszimmer einbauen, um alle Geräusche von sich fernzuhalten. Schriftsteller Truman Capote konnte nur im Liegen gut nachdenken, addierte zwanghaft und weigerte sich, Telefonnummern zu wählen oder in Hotelzimmern zu übernachten, deren Quersumme ihm nicht passte.

Alkohol zum Einschlafen und ein großes Pfeifchen

Regisseur Kollege David Lynch trank sieben Jahre lang täglich im Café einen Milchshake und bis zu sieben Tassen Kaffee mit reichlich Zucker: „Der ganze Zucker versetzte mich in einen Rausch, und mir kamen unendlich viele Ideen.“ Diese Einfälle notierte er auf einer Serviette. Mark Twain trank lange Zeit Alkohol, um einzuschlafen zu können, dabei wechselte er von Champagner zu vier Flaschen Lagerbier und probierte am Ende heißen Scotch aus. Tatsächlich gehören Suchtmittel wie Alkohol, Kaffee und Nikotin für viele zum kreativen Prozess dazu - eine Angewohnheit, die man sich aber nicht unbedingt abschauen sollte.

Philosoph Immanuel Kant hatte sich zum Beispiel die Regel auferlegt, täglich nur eine Pfeife zu rauchen, „doch angeblich wurden die Pfeifenköpfe im Laufe der Jahre immer größer“. Ansonsten liebte der Intellektuelle dem Buch zufolge Regelmäßigkeit: „Er blieb Junggeselle und unterrichtete über vierzig Jahre lang die gleichen Kurse an der örtlichen Universität. Sein Leben verlief geordnet und gleichmäßig, weswegen er später als charakterloser Automat wahrgenommen wurde.“ Psychoanalytiker Sigmund Freud rauchte am Tag bis zu zwanzig Zigaretten, obwohl er immer ernstere gesundheitliche Probleme bekam - Freud litt jahrelang an Gaumenkrebs.

Nicht mehr als drei Stunden Schlaf am Stück

Auch mit der Nachtruhe hatten viele Genies offenbar große Probleme. So berichtet etwa Regisseur Frederico Fellini, er könne nie mehr als drei Stunden am Stück schlafen: „Ich stehe um sechs auf, gehe durch die Wohnung, öffne Fenster, durchstöbere Kisten, räume Bücher von hier nach da. (...) Um sieben bin ich immer am Telefon. Ich überlege mir sehr genau, wen ich morgens um sieben wecken kann, ohne dass er wütend wird“, beschrieb der Filmemacher 1977 in einem Interview seine Morgenroutine.

Mozart komponierte meistens vor dem Schlafengehen, oft bis ein Uhr nachts - und stand um sechs wieder auf, um von sieben Uhr bis neun Uhr weiterzumachen. Als freiberuflicher Komponist in Wien musste er sich tagsüber seinen Lebensunterhalt damit finanzieren, „von einer Klavierstunde zur nächsten zu hetzen, Konzerte zu geben und den wohlhabenden Mäzenen der Stadt aufzuwarten.“

Die Sammlung an Anekdoten ist amüsant und zeigt, dass manche Klischees über Genies tatsächlich der Wahrheit entsprechen. Bleibt noch zu fragen: wie hat der Autor all die Rituale der Künstler gesammelt? „Soweit möglich, sprechen alle Personen für sich selbst, sei es durch Briefe, Tagebucheinträge oder Interviews“, erklärt Currey im Vorwort. Manchmal habe er auch eine Zusammenfassung aus mehreren Sekundärquellen gestrickt.

Inspiriert von dem Buch hat der ?Data-Storyteller? RJ Andrews die Tagesabläufe einiger Künstler in Grafiken umgewandelt. Diese Visualisierungen findet man auch auf Andrews' Blog infowetrust.com.

Unsere Bildergalerie zeigt eine Auswähl der kuriosesten Tagesabläufe berühmter Musiker, Mediziner und Philosophen:

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