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Eine Kopie des Lebenslaufs sollten Bewerber dabei haben.

Bewerber-Knigge

Sieben No-Gos im Vorstellungsgespräch

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Simpsons-Krawatte, Lästern über den Ex-Chef, Lebenslauf-Lügen: Das sind nur einige Dinge, die Bewerber im Vorstellungsgespräch vermeiden sollten. Karriere-Experten geben Ratschläge für einen erfolgreich und selbstsicheren Auftritt.

Jeder dritte Arbeitnehmer in Deutschland kann sich laut einer Forsa-Umfrage noch in diesem Jahr einen Jobwechsel vorstellen. Allerdings ist der dazu nötige Bewerbungsmarathon den meisten ein Graus. Dabei kann jeder Kandidat im Vorstellungsgespräch mit seinen Stärken und seiner Persönlichkeit überzeugen - wenn er bestimmte Regeln beachtet. Das sind die sieben Todsünden im Personalgespräch:

1. Falsche Köperhaltung, Gestik und Mimik

Körpersprache und Haltung werden meist unterschätzt. Ein Großteil der Arbeitgeber entscheidet innerhalb der ersten Minuten, ob ein Bewerber eine Chance auf die Stelle hat, ergab eine Umfrage von CareerBuilder.de. Der erste Eindruck und die persönliche Ausstrahlung spielen also eine große Rolle. „Bei einem Vorstellungsgespräch ist es wichtig, gleichzeitig selbstbewusst, aber auch offen und interessiert aufzutreten“, sagt Oskar Ehehalt, Geschäftsführer der CareerBuilder Germany GmbH, die die Marken CareerBuilder und JobScout24 unter ihrem Dach vereint. Bedingung hierfür seien eine aufrechte Körperhaltung sowie eine freundliche Mimik. „Bereits die Begrüßung mit einem wohldosierten Händedruck sendet deutliche Signale aus“, sagt der Manager. Augenkontakt zeige ebenfalls Selbstbewusstsein, aber auch Interesse am Gespräch und am Gesprächspartner. Zu vermeiden ist nach Möglichkeit wildes Gestikulieren beim Sprechen: Das signalisiert nämlich Hektik.

Meist findet das Gespräch im Sitzen statt. „Hier ist eine aufrechte, dem Gesprächspartner zugewandte und leicht nach vorn gebeugte Haltung ideal“, sagt Ehehalt. Keinesfalls sollte man verkrampft auf seinem Stuhl kauern. Problematisch kann es auch sein, die Beine übereinander zu schlagen: „Dadurch zirkuliert nämlich das Blut schlechter. Als Folge sinkt wohlmöglich auch die Aufmerksamkeit des Bewerbers“, sagt Anke Quittschau, Karriereberaterin bei der Imageberatungsagentur korrekt!. Falls man trotzdem gerne in dieser Position sitzt, sollte man darauf achten, sich dem Gesprächspartner zuzuwenden.

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Auch vom zu breitbeinigen Sitzen rät die Expertin ab: „Das ist eine männliche Machtdemonstration. Wer breitbeinig sitzt, nimmt sehr viel Raum für sich ein und demonstriert Platzhirsch-Verhalten.“ Eine zu lässige und prollige Sitzhaltung sollte also beim Bewerbungsgespräch vermieden werden, die Beine bleiben am besten locker geschlossen.

Vor dem Gespräch hilft es übrigens, eine kurze Strecke sehr dynamisch zu gehen. Das bringt den Körper in Schwung und sorgt dafür, dass man engagierter wirkt. Experten raten zudem, vor dem Gesprächszimmer ein paar Mal kräftig ein- und auszuatmen. Auf diese Weise baut man einen guten Teil des Drucks und der Aufregung ab, die eigene Haltung wird aufrechter und die Stimme voller und fester.

2. Unpassende Kleidung

Ob leger oder formell: Kleidung prägt den ersten Eindruck nachhaltig und kann durchaus auch ein Statement sein. Welches Bewerbungsoutfit gewählt wird, hängt stark von Branche, Position und Auftreten des zukünftigen Arbeitgebers ab. „Während der potenzielle Kundenberater in einer Bank mit Anzug und Krawatte sicher gut bedient ist, hat die zukünftige Grafikdesignerin in einer hippen Werbeagentur hier sicherlich mehr Spielraum“, sagt Oskar Ehehalt. Eine Faustregel für den Dresscode könnte lauten: „Angepasst, aber individuell.“

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Doch was tun, wenn man sich mit hohen Absätzen oder engen Hemdkragen absolut unwohl und verkleidet fühlt? Anke Quittschau empfiehlt, zuvor im gewählten Business-Dress zu üben: „Gehen Sie vorher einmal in dem neuen Anzug oder den hochhackigen Schuhen aus. Dann bewegen Sie sich natürlicher darin und wirken auch sicherer.“ Frauen sollten darauf achten, transparente Stoffe zu vermeiden, kein nacktes Bein oder übermäßiges Dekolleté zu zeigen und nicht zu steile Absätze zu tragen. Ein No-Go seien Stilettos: „Ein schwankender Gang wirkt auf manche Männer vielleicht niedlich, aber alles andere als souverän auf den Arbeitgeber“, sagt die Expertin.

Simpsons-Krawatte, Ringelsocken und auch die Jeans sollten besser zuhause im Kleiderschrank bleiben. „Kleidung ist ein Ausdruck von Wertschätzung - dem Arbeitgeber und mir selbst gegenüber. Deswegen rate ich zu einem Outfit, das einen Tick konservativer ist als sonst im Büroalltag üblich“, so Quittschau. Für Frauen die nicht gerne Röcke tragen, bietet sich etwa ein Hosenanzug mit weißer Bluse an, vielleicht kombiniert mit einem schicken Tuch. „Farbe ist durchaus erlaubt - sei es bei Hemd, Krawatte oder Schmuck und Accessoires“, ergänzt Ehehalt. Aber bei aller Individualität sei dennoch Vorsicht bei Knallfarben und bunten Mustern geboten.

Generell ist eine Krawatte für Männer heutzutage kein „Muss“ mehr - abgesehen von bestimmten Branchen wie Banken oder Versicherungen, wo sie schlicht zum Dresscode gehört. Manche Ratgeber empfehlen, auf der Unternehmenswebsite oder bei Facebook nach Team-Fotos zu suchen. Denn solche Bilder aus dem Büroalltag der Mitarbeiter können Orientierung bei der Kleiderwahl geben.

Auch Accessoires wie Tasche oder Handyhülle sollte nicht gedankenlos ausgewählt werden. „Chefs achten heute auch auf solche Details. Frauen sollten deshalb eine dezente Tasche bei sich tragen, Männer eine Aktentasche. Nieten oder Bommel an Taschen sind wenig businesslike“, sagt Quittschau.

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3. Unpünktlichkeit
Bewerbungsratgeber sind sich einig: Wer zu spät zum Gespräch kommt, den bestraft der Personalverantwortliche. Eine gute Vorbereitung am Abend zuvor schafft Abhilfe, so sollten wichtige Unterlagen rechtzeitig bereit gelegt werden. „Dazu zählt beispielsweise auch der Lebenslauf, falls im Gespräch noch Fragen dazu auftauchen“, sagt Anke Quittschau. Damit am Morgen vor dem Termin nichts mehr schiefgeht, müssen verspätete Züge oder Staus in die Zeitplanung mit einfließen. „Notieren Sie sich auch den Namen Ihres Ansprechpartners im Unternehmen, falls unten bei der Anmeldung danach gefragt wird“, rät die Karriereberaterin.

Kann ein Bewerber den Termin absolut nicht einhalten, sollte er frühzeitig im Unternehmen Bescheid sagen und nach Möglichkeit ein neues Gespräch vereinbaren. So bleibt vielleicht die Tür für eine zukünftige Zusammenarbeit noch offen.

4. Schlechte Vorbereitung
Beinahe genauso unbeliebt wie unpünktliche Bewerber sind schlecht informierte Jobanwärter. Schließlich lassen sich mit ein paar Mausklicks viele Informationen zum Unternehmen, seiner Philosophie sowie Aufgabenfeldern, Partnern und Kunden finden. Während des Gesprächs können Kandidaten auf ihre Recherche Bezug nehmen und wenn gewünscht sogar Ideen anbieten, etwa eine neue Marketingkampagne. Auf diese Weise zeigen sie dem Arbeitgeber ihre Begeisterung für den Job und signalisieren Eigeninitiative. Auch über die angestrebte Position müssen Bewerber so gut wie möglich im Bilde sein. Je mehr Kenntnisse Anwärter darüber besitzen, desto besser können sie begründen, wieso ausgerechnet sie den Posten perfekt ausfüllen.

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Wichtig ist auch, im Gespräch gute Fragen zu stellen. Personalmanager erwarten, dass der Bewerber sich für den Arbeitgeber interessiert. „Auf den Satz: 'Haben Sie noch Fragen?' sollte man immer eine Antwort parat haben“, sagt Anke Quittschau. Bewerber könnten zum Beispiel weitere Details zum Job oder zur Unternehmenskultur erfragen. (Wurde die Stelle neu geschaffen oder wie lange gibt es diese schon? Wer war zuvor dort tätig und warum musste sie/er aufhören? Welche Fort- und Weiterbildungen werden angeboten? Wer sind die unmittelbaren Vorgesetzten?) Sie könnten ebenfalls darum bitten, den neuen Büroarbeitsplatz sehen zu dürfen oder die potenziellen Kollegen kennenzulernen. Wichtig ist: „Keine Fragen stellen, deren Antworten eigentlich bekannt sein müssten, weil darüber bereits gesprochen wurde oder deren Antwort im Vorfeld zu leicht zu recherchieren gewesen wäre“, empfiehlt Oskar Ehehalt.

5. Unehrlichkeit
Ehrlich währt am längsten, das gilt auch für Vorstellungsgespräche. Auf keinen Fall sollten Bewerber geforderte Kompetenzen vortäuschen. Schlimmstenfalls werden diese im Vorstellungsgespräch abgefragt - und das kann peinlich enden. „Mit etwas Glück klappt das Blendmanöver und man bekommt den Traumjob, scheitert dann aber im worst case in der Probezeit“, warnt Oskar Ehehalt. Das vermeintlich „verhandlungssichere Französisch“ werde im konkreten Bedarfsfall sicher auffliegen, „wenn man gerade mal ein Glas Rotwein bestellen kann“. Ebenso fahrlässig sei es, ungefragt mit erfundenen Kompetenzen zu prahlen, um sich dadurch einen vermeintlichen Vorteil zu erschleichen. „Im Zweifelsfall erleidet man auch damit Schiffbruch“, sagt der Bewerbungsexperte.

Schlimmstenfalls könne die Lüge eine fristlose Kündigung zur Folge haben, ergänzt Anke Quittschau. Wichtig sei es daher, den eigenen Lebenslauf gut zu kennen und eine ehrliche Erklärung für mögliche Lücken parat zu halten. Diese sind nicht zwangsläufig Karriere-Killer. „Auszeiten für eine berufliche Neuorientierung werden in der Regel toleriert, sofern sie nicht zu häufig vorkommen“, sagt die Expertin. Gut machen sich ein ausgeprägtes ehrenamtliches Engagement oder Weiterbildungen, darunter fallen etwa Sprachkurse oder Sprachreisen, die in solchen Phasen wahrgenommen wurden.

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Wenig problematisch sind in der Regel auch ein Schulabbruch, der Wechsel eines Studienfachs oder auch ein Quereinstieg - so lange nach diesem Bruch dann ein klares Ziel und ein roter Faden erkennbar sind. „Gibt es Lücken von mehr als drei Monaten im Lebenslauf, so ist es immer ratsam, diese auch kurz zu erläutern, um sie für den Personaler nachvollziehbar zu machen“, sagt Ehehalt. Krankheitsgeschichten müssen Arbeitnehmer aber nicht detailliert erklären, „bei längeren Krankheitsperioden empfiehlt es sich, das auch pauschal so zu formulieren“, rät der Experte.

Auch ihre persönliche Eignung für die ausgeschriebene Stelle sollten Bewerber stets vor Augen behalten und authentisch vorbringen: „Im ersten Gespräch geht es schließlich vor allem um das Menschliche“, so Quittschau.

6. Wortkargheit und Blackouts

Der Erfolg im Vorstellungsgespräch hängt zu 60 bis 80 Prozent von der Persönlichkeit des Bewerbers ab. Kandidaten, die nichts über sich, ihre Qualifikationen und die Eignung für die ausgeschriebene Stelle preisgeben, wecken bei Personalverantwortlichen wenig Interesse. Eine gute Vorbereitung ist laut Anke Quittschau das A und O: „Fühle ich mich gut, strahle ich das auch aus. Deswegen tun Bewerber gut daran, sich vorher über ihren Gesprächspartner via Xing oder Google zu informieren.“ Schon ein Foto des Personalers helfe dabei, sich sicherer zu fühlen: „Man weiß dann, mit wem man es zu tun hat.“

Wer sich unwohl beim Sprechen fühlt oder schnell nervös wird, kann das Vorstellungsgespräch auch mit Freunden vorher einmal durchspielen. So werden Schwächen in der Präsentation oft noch behoben. Im Falle eines Blackout gilt: „Erst einmal einen Schluck Wasser oder Kaffee trinken und sich sammeln“, rät Quittschau. Angebotene Getränke sollten deshalb nie abgelehnt werden, sie verschaffen einem die notwendige Verschnaufpause. Wenn gar nichts mehr geht, heißt es ehrlich sein: „Bringen Sie Ihre Aufregung zur Sprache und machen Sie deutlich, wie wichtig Ihnen das Gespräch und die angebotene Stelle sind.“ Eine weitere Taktik, die in der Rhetorik in solchen potenziell peinlichen Situationen häufig angewandt wird, sind überbrückende Floskeln, die einem Zeit zum Nachdenken geben, beispielsweise: „Das ist eine gute Frage...“ oder „Lassen Sie mich kurz überlegen...“. „Unter Umständen kann man anbieten, die gewünschten Informationen im Anschluss an das Gespräch nachzureichen“, rät Ehehalt.

Personaler verwenden in Vorstellungsgesprächen häufig die Taktik der Stressfragen oder nutzen so genannte Brainteaser, also eine Art Knobelspiel, um den Jobanwärter auf die Probe zu stellen. „Hier geht es weniger um die konkrete Lösung, sondern darum, die Reaktion des Bewerbers und auch seine Fähigkeit zum logischen Denken zu beobachten“, weiß Ehehalt. Wer also beispielsweise auf die Frage „Wie viele Eier legt ein Huhn an einem Tag, wenn eineinhalb Hühner an eineinhalb Tagen eineinhalb Eier legen?“ nicht sofort eine Antwort parat hat, der hat noch nicht automatisch verspielt. „Man darf also ruhig erst mal nachdenken - oder sogar zu Zettel und Stift greifen und per Dreisatz die Lösung ermitteln“, sagt Ehehalt.

Auch zu große Gesprächigkeit kann allerdings von Nachteil sein, etwa wenn der Bewerber ständig Floskeln wie „Ich bin teamfähig und motiviert“ zum Besten gibt oder zur übertriebenen Selbstdarstellung neigt. Weitere Tipps zum Thema Selbstpräsentation bei der Vorstellung im Unternehmen gibt es im Internet oder als Ratgeber in Buchform. Anke Quittschau empfiehlt Arbeitnehmern darüber hinaus, sich individuell von einem Karriere-Coach beraten zu lassen: „Solche ein Investment kann sich bei Bewerbungen auszahlen!“

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7. Unrealistische Gehaltsvorstellung

Fast drei von fünf der wechselwilligen Arbeitnehmer (59 Prozent) nennen laut Forsa-Umfrage als Motiv für ihre Jobsuche ein unbefriedigendes Gehalt. Aber darf man bereits im Vorstellungsgespräch anfangen zu verhandeln? „Wenn die Frage nach den Gehaltsvorstellungen kommt, sollte man auch darauf antworten“, sagt Quittschau. Es zahle sich aus, wenn ein Bewerber sich vorher nach den üblichen Branchentarifen erkundigt.

Etwas mehr als das vom Arbeitgeber vorgeschlagene Gehalt dürften die Kandidaten durchaus fordern: „Das ist ja auch der Sinn der Verhandlungen“. Jedoch sollte die erwartete höhere Entlohnung nie als Grund für den Jobwechsel genannt werden: „Kein Arbeitgeber möchte den Eindruck erwecken, dass er Mitarbeiter der Konkurrenz aufkauft. Das ist kein guter Stil“, so Quittschau. Auch sollten Bewerber ihre ehemaligen Arbeitgeber nicht schlecht machen oder als Lohndumper darstellen. „Wichtig ist, dass Sie von dem neuen Unternehmen überzeugt sind, etwa von dessen Strategie, Internationalität oder dem neuen Team. Das sollten Sie durchblicken lassen - und nicht, dass Sie käuflich sind.“

Selbst nach dem Gespräch können sich Bewerber noch positiv präsentieren, etwa indem sie sich einen Tag später mit einer höflichen E-Mail für das Gespräch bedanken. „Ein gut formuliertes Dankeschön wirkt sympathisch und kann gerade, wenn der Personaler sich zwischen mehreren Kandidaten nicht entscheiden kann, das Zünglein an der Waage sein“, raten die Experten von Jobscout24.

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