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„Zu den wirksamsten Mitteln, einen Konkurrenten aus dem Feld zu schlagen, gehört das Anschwärzen und die üble Nachrede“, weiß der Buchautor.
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„Zu den wirksamsten Mitteln, einen Konkurrenten aus dem Feld zu schlagen, gehört das Anschwärzen und die üble Nachrede“, weiß der Buchautor.

Buch analysiert unsere Sünden

Schweinereien, die viele im Job begehen

Fehler auf andere schieben, heimlich im Netz surfen, ablästern über Kollegen: Am Arbeitsplatz begehen wir oft „kleine Sauereien“. Die Psychologie unserer Alltagssünden erklärt Matthias Nöllkes humorvolles Buch „Man darf sich nur nicht erwischen lassen“.

Im Beruf aber auch privat kommt es immer wieder vor: Menschen schummeln, lügen, hintergehen andere und legen alles zum eigenen Vorteil aus. Wieso eigentlich hält sich niemand an die guten Sitten? Kommunikationsexperte und Buchautor Matthias Nöllke hat darauf eine klare und schockierende Antwort: Weil es Spaß macht. „Wir genießen es, wenn wir uns zeitweilig 'daneben benehmen', wenn wir 'die Sau rauslassen' können. Es bereitet uns also Freude, wenn wir die Regeln für uns selbst ein wenig ausdehnen können.“

Aber Spaß ist nicht alles – auch unsere Evolution und der Wettbewerb mit anderen lassen uns Regeln und gutes Benehmen vergessen. Wie das psychologisch genau funktioniert, erklärt Matthias Nöllke in seinem „Handbuch der kleinen Sauereien“ (C.H. Beck). Darin geht er allen möglichen Alltagstricksereien auf den Grund – und er zeigt, dass wir im Prinzip ALLE für gemeine Taten und kleine Rechtsbrüche anfällig sind und sie vielfach schon begangen haben. Einige „säuische“ Beispiele aus dem Buch – und warum wir sie begehen:

1. Privat im Netz surfen

So mancher Kollege umgeht das Verbot seines Chefs und ist ständig privat im Internet unterwegs, schreibt Mails an Freunde oder surft auf Facebook. Wieso kommt er damit durch? Oft handelt es sich laut Nöllke um einen „eigenwilliger Dickkopf“ ist, mit dem man es sich nicht verderben will. Der Trick besteht also daran, höchst unangenehm, also zornig oder eingeschnappt, zu reagieren, wenn man auf das Vergehen aufmerksam gemacht wird. Immer vorausgesetzt, man sitzt in einer Position, die ein solches Verhalten erlaubt. Das gleiche gilt übrigens für Mitarbeiter, die ständig ihre Pause überziehen oder nicht dem Dresscode folgen.

2. Netzwerken auf Kosten anderer

Eigentlich mag man den Vorgesetzten nicht besonders. Aber um befördert zu werden, geht man trotzdem einen mit ihm trinken, um die anderen Stellen-Bewerber auszustechen. Oder: zwei Kollegen, eigentlich beide nicht besonders fähig, tun sich zusammen, um gemeinsam die Nummer eins vom Thron zu stoßen. „Solche zwielichtigen Manöver sind evolutionär tief in uns verwurzelt und lassen sich sogar in Affenhorden beobachten“, so Nöllke. Eine Hand wäscht eben die andere – aber oftmals nur so lange, wie man den Verbündeten braucht.

3. Faule Ausreden

Ein Pressefotograf verkauft intime Schnappschüsse von Promis: „Die wollen ja schließlich berühmt sein. Ich brauche das Geld“. Ein Manager entlässt Mitarbeiter, die nicht genug leisten: „Wenn ich es nicht tue, macht es jemand anders. Ich werde sonst selbst rausgeworfen.“ Mit solchen Entschuldigen rechtfertigen wir unmoralisches Tun oder Fehler vor uns selbst und anderen. Evolutionsbiologen behaupten Nöllke zufolge, dass Selbstbetrug nötig ist: Um die Glaubwürdigkeit zu bewahren, um vor sich selbst zu bestehen – und um die anderen erfolgreich über den Tisch zu ziehen.

4. Gerüchte streuen

„Habt ihr schon gehört? Kollegin XY soll was mit dem Geschäftsführer gehabt haben nach der Betriebsfeier. Die sind ja auch zusammen aufgebrochen...“ „Der Sowieso ist immer so schick und riecht nach Parfum. Ob der schwul ist?“ Gelästert und angeschwärzt wird an jedem Arbeitsplatz – oft, um Konkurrenten schlecht zu machen und auszuschalten. Allerdings, warnt Nöllke, kann die üble Nachrede auch auf den zurückfallen, der sie in die Welt gesetzt hat.

Aber warum spielen wir im Beruf eigentlich nicht fair? In der Regel ganz klar: um nicht den Kürzeren zu ziehen. „Irgendwann kommen wir dahinter, dass diejenigen, die im Wettbewerb die Nase vorn haben, nicht unbedingt die besten sind, sondern diejenigen, die am geschicktesten schummeln“, weiß Nöllke. Da habe man als Mitarbeiter nur zwei Möglichkeiten: Entweder mit Fairplay untergehen – oder mitziehen und im Spiel bleiben.

Anders als zunächst vermutet ist „Man darf sich nur nicht erwischen lassen – Handbuch der kleinen Sauereien“ keine Anleitung oder Aufforderung, gegen Regeln zu verstoßen, sondern erklärt, warum wir am Arbeitsplatz oft so handeln, wie wir handeln. Das humorvoll geschriebene Buch beantwortet aber noch viel mehr Fragen rund um die menschlichen Sauereien im Alltag, zum Beispiel, warum wir uns nicht an Verkehrsregeln halten, wieso wir fremdgehen oder unsere Freunde im Stich lassen. (gs)

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