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Nein, stopp, mit mir nicht! Vielen Menschen fällt es beruflich und privat schwer, Grenzen zu ziehen und auf die eigenen Bedürfnisse zu achten.
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Nein, stopp, mit mir nicht! Vielen Menschen fällt es beruflich und privat schwer, Grenzen zu ziehen und auf die eigenen Bedürfnisse zu achten.

Sieben Tipps

So schaffen Sie es endlich „Nein“ zu sagen

  • VonGesa Schölgens
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Anderen eine Bitte abzuschlagen – das fällt den meisten Menschen schwer. Wer aber immer nur „Ja“ sagt, ist schnell fremdbestimmt und unzufrieden. Karrierecoach Martin Wehrle gibt in seinem neuen Buch Tipps, damit wir besser auf unsere Bedürfnisse hören.

„Wie würden Sie Ihre restliche Zeit verbringen, wenn Sie wüssten, dass es mit der Welt und Ihrem Leben in sechs Monaten vorbei ist?“ Eine nicht ganz neue, aber für viele Menschen unbequeme Frage. Haben Sie sich diese schon einmal gestellt und sich gefragt, welche Arbeiten Sie noch verrichten wollen, welche Versäumnisse Sie nachholen möchten – und was Sie eigentlich daran hindert?

Wenn Ihnen solche Selbstanalysen unangenehm sind, dann ist Martin Wehrles neues Buch „Sei einzig, nicht artig. So sagen Sie nie mehr JA, wenn Sie NEIN sagen wollen“ (Mosaik Verlag) vermutlich nichts für Sie. Denn Selbstreflexion ist der erste Weg zur Veränderung – und der Ratgeber ist eine ausgedehnte Anleitung dazu.

Wehrle, ein bekannter Karriere- und Persönlichkeitscoach, hat bereits ähnliche Bücher zur Thematik verfasst. Und auch sein neuer Ratgeber enthält wieder viele Praxis-Beispiele, Coaching-Übungen und sogar einen Selbsttest. Mit dieser geballten Ladung Hilfe zur Selbsthilfe sollen wir Leser lernen, wie wir aus der Fremdbestimmtheit ausbrechen und besser für uns selbst einstehen können. Ein hoher Anspruch, den das Buch da erhebt. Am Anfang steht aber erstmal die Frage:

Warum fällt es uns so schwer, auf unsere eigenen Bedürfnisse zu hören?

Wehrle erklärt, dass der Impuls, es allen recht machen zu wollen und darüber die eigenen Wünsche zu vernachlässigen, eng mit unserer Kindheit und Erziehung zusammenhängt. „Das Urteil der Eltern ist für ein kleines Kind immer rechtskräftig. Die Eltern sind das Gesetz. Und so fangen wir schon als Kinder an, uns als Mängelexemplare zu betrachten“, erklärt Wehrle. Der Leitsatz laute oft: „Sei brav, dann haben wir dich lieb“ – kein Wohlverhalten bedeutet also: keine Liebe, und das ist für Kinder eine Katastrophe.

Von klein auf lernen auf diese Weise viele Menschen, dass die Bedürfnisse der anderen wichtiger sind und man es ihnen recht machen muss, um geliebt und akzeptiert zu werden. Das Muster der Anpassung setzt sich leider in der Schule und im Job fort, und es wiederholt sich laut Wehrle auch oft in der Beziehung zwischen Frau und Mann.

Zum Glück lassen sich einige erlernte Muster bewusst und gezielt durchbrechen. „Gute Golfer haben immer mehrere Schläger dabei – fürd Abschlagen, fürs Putten, je nach Bedarf. Und als guter Nein-Sager sollten Sie ebenfalls eine Vielzahl von Strategien im Gepäck haben“, rät Wehrle. Wir stellen sieben seiner 22 besten Tipps zum Nein-Sagen vor:

1. Belassen Sie das Problem beim Absender

Das Problem: Der Chef will Ihnen kurzfristig eine unbeliebte Dienstschicht aufdrücken.

Wehrles Tipp: „Eigentlich ist es eine Stärke, wenn Sie sich in andere hineinversetzen. Doch beim Nein-Sagen kann das hinderlich sein, weil Sie zu viel über die Interessen der andern nachdenken. Und zu wenig über Ihre eigenen.“ Statt immer gleich pflichtbewusst einzuspringen, wenn Not am Manne ist (wodurch sich im Unternehmen nie etwas ändern wird), lautet der Ratschlag: „Lassen Sie es nicht zu, dass Sie sich ein fremdes Problem zu eigen machen. Wer hat die Schwierigkeit? – Die Firma! Und wer muss die Schwierigkeit folglich lösen? – Die Firma, nicht Sie!“

2. Klären Sie Ihre Rolle

Das Problem: Eine Kollegin, mit der Sie privat befreundet sind, bittet: „Kannst du heute mal die Telefonate für mich annehmen? Ich habe so schrecklich viel auf dem Schreibtisch!“ Leider haben Sie selbst mindestens genauso viel Arbeit, aber Sie tun sich schwer, die Bitte Ihrer Freundin abzuweisen.

Wehrles Tipp: Trennen Sie Ihre beiden Rollen – Freundin und Arbeitskollegin – voneinander. Dann fällt Ihnen auch folgende Antwort leichter: „Als Freundin würde ich dir diesen Gefallen gerne tun. Du weißt, im Privatleben unterstütze ich dich nach Kräften. Hier in der Firma bin ich jedoch in derselben Situation wie du: Bitte such nach einer anderen Lösung.“

3. Machen Sie kein Drama draus

Das Problem: Viele Absagen klingen nach einem rhetorischen Kniefall: „Es tut mir echt wahnsinnig leid, dass ich dich enttäuschen muss, aber...“ Durch eine solche Entschuldigung nimmt uns der andere als schuldig wahr – je schuldbewusster ich bin, desto mehr Schuld schreibt uns der andere zu.

Wehrles Tipp: „Profitieren können Sie von einem lockeren Nein, das Sie aussprechen wie eine undramatische Selbstverständlichkeit: 'Nö, das passt jetzt nicht.' Ein freundlicher Blick, aber keinesfalls entschuldigend, darf die Aussage begleiten.“ Die Lockerheit färbe auf den anderen ab: Wenn man „Nein“ sage, als sei es selbstverständlich, nehme dies auch der Bittsteller als selbstverständlich auf.

Lesen Sie bitte weiter auf der nächsten Seite.

4. Meiden Sie Konjunktive und sprachliche Weichmacher

Das Problem: „Konjunktive wie 'würde' und 'hätte', Relativierungen wie 'eigentlich' und 'vielleicht': Solche sprachlichen Weichmacher bewirken, dass hinter Ihrem Nein kein Ausrufezeichen, sondern nur ein dickes Fragezeichen steht.“

Wehrles Tipp: Klare Positionen erreiche man nur durch eine klare Sprache. Wer entschlossen klingen will, sollte solche Wörter aus seinem Wortschaftz verbannen.

5. Zeigen Sie Alternativen auf

Das Problem: Sie möchten den neuen Firmenkunden lieber nicht betreuen – aber dem Chef trotzdem Ihren guten Willen signalisieren.

Wehrles Tipp: „Statt einfach nur Nein zu sagen, denken Sie über den Tellerrand hinaus und arbeiten aktiv an der Lösung mit.“ Das mache einen glaubwürdigen Eindruck und verleihe dem Nein noch mehr Gewicht. Eine Antwort könnte etwa so aussehen: „Meine aktuellen Kunden lasten mich aus und brauchen meine volle Konzentration. Dieser zusätzliche Kunde würde – ich habe das mal überschlagen – 15 Stunden Einsatz pro Woche erfordern. ABER: Wenn ich einen großen Bestandskunden abgeben könnte, würde meine Kapazität für den neuen Kunden reichen.“

6. Würdigen Sie die Absicht Ihres Gegenübers

Das Problem: Ihr Abteilungsleiter kommt auf Sie zu und sagt: „Gute Nachricht: In einem halben Jahr werde ich befördert und ich mache Sie zu meinem Nachfolger. Gratulation!“ Aber Sie lieben Ihre jetzige Position und haben gar keine Lust auf Führung.

Wehrles Tipp: „Ein gutes Vorgehen: Würdigen Sie die positive Absicht hinter dem Angebot, indem Sie aktiv zuhören. Zeigen Sie auf, warum sich diese Absicht durch Ihr Ja nicht verwirklichen ließe.“

7. Sagen Sie zeitlich befristetet Nein

Das Problem: Der Vorgesetzte will, dass Sie eine ausgedehnte Dienstreise machen. Aber das passt Ihnen derzeit gar nicht.

Wehrles Tipp: „Manchmal ist ein Nein nicht grundsätzlich, sondern bezieht sich auf eine bestimmte Zeit – dann sollten Sie diese Perspektive aufzeigen.“ Zum Beispiel: „Diesen Monat passt es gar nicht, Nächsten Monat kann das anders sein. Kommen Sie dann gerne noch einmal auf mich zu.“ Allerdings sollte man solche Einladungen nur aussprechen, wenn man es wirklich ernst damit meint.

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