Den Ruhm ernten meist andere

Drehbuchautorin Barbara Engelke hat die erste Folge von "Ein Fall für Zwei" geschrieben

Von IRIS MARTIN

Hamburg - "Eitel darf man als Drehbuchautor nicht sein", sagt Barbara Engelke und lacht. In ihrem Beruf arbeitet man im Verborgenen. "Es liegt in der Natur der Sache, dass der Regisseur sich die Geschichte aneignen muss, um sie zu verfilmen. Dabei kann er nicht ständig nach dem Drehbuchautor schielen." Doch es komme auch schon mal vor, dass ein Regisseur beim Festival alle Mitwirkenden zum Applaus auf die Bühne ruft und nur den Autor vergisst. "Das gibt dann aber böses Blut", verrät Engelke grinsend. Dass TV-Zeitschriften den Drehbuchautor gleich ganz verschweigen, findet sie skandalös.

Im Grunde scheut Engelke jedoch wie viele ihrer Zunft den Medienrummel und beneidet die Schauspieler und Regisseure nicht darum. Sie fühlt sich im Hintergrund wohler. Dort aber agiert sie durchaus selbstbewusst. "Mindestens 50 Prozent an einem guten Film macht das Script aus", sagt sie überzeugt. "Dennoch muss man als Drehbuchautor wissen, dass man nur ein Teil vom Ganzen ist." Von der Vorstellung, eine Verfilmung werde die eigenen Ideen eins zu eins abbilden, müsse man sich schnell verabschieden. "Manchmal fragt man sich schon, was machen die nur mit meinem Baby? Doch wenn eine Produktion gelingt, ist es ein herrliches Gefühl, den fertigen Film zu sehen."

Seit 16 Jahren arbeitet Barbara Engelke als Drehbuchautorin. Unter Insidern ist sie bekannt für Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen, für die sie von 1993 bis 1996 zehn Drehbücher schrieb. Unterhaltung mit den Sparten Familien- und Liebesfilm, Melodram oder Fernsehspiel blieb auch später ihr bevorzugtes Genre. Zurzeit ist sie mit weiteren Folgen der Serie "Tal der wilden Rosen" beschäftigt, die die Schicksale und Leidenschaften starker Frauen in der kanadischen Gründerzeit behandelt. Neue Folgen erscheinen ab Januar 2007 im ZDF.

Leben mit der Kritik

Anders als ein Romanschriftsteller hat der Drehbuchautor neben der zündenden Idee noch viele andere Dinge zu berücksichtigen. Vor allem das Budget muss er immer im Auge behalten. Zudem muss er mit Kritik umgehen können. "Man muss schon darauf gefasst sein, einen Text aus den verschiedensten Gründen noch drei bis sechs Mal umzuschreiben, ohne dabei die Motivation zu verlieren", so Engelke. Am Script für einen 90-Minuten-Film schreibt sie im Schnitt drei bis sechs Monate. Je nach Genre sind dafür noch umfangreiche Recherchen nötig. Besonders wenn sie an Krimis und Arztserien sitzt, muss sie sich viele Hintergrundinformationen beschaffen. "Wenn etwas falsch dargestellt wird, ist das immer ärgerlich, auch wenn die künstlerische Intention sehr gut zum Ausdruck kommt", so Engelke.

Für den Berufseinstieg gibt es verschiedene Möglichkeiten. Vom Workshop bis zur Filmhochschule lehren heute viele Institutionen, was am Drehbuchschreiben lernbar ist. Die Quereinsteigerin Engelke begann ihre Karriere beim Film als Scriptgirl. "Ich hatte das große Glück, von dem Produzenten Georg Althammer, dem Erfinder von ,Ein Fall für zwei', gefördert zu werden", erzählt sie. Für ihn schrieb sie dann auch ihr erstes Drehbuch, die erste Folge von "Ein Fall für zwei". Wer es als Drehbuchautor geschafft hat im Markt Fuß zu fassen, kann zumindest im Unterhaltungssektor meist gut davon leben. Rund 30000 Euro erhält Engelke für einen 90-Minuten-Film.

Engelke liebt ihren Beruf. "Wo sonst hat man schon solche Freiheiten?" Natürlich muss man einige Grundvoraussetzungen mitbringen. Wie jede andere selbständige Tätigkeit erfordert auch das Schreiben viel Selbstdisziplin. Natürlich dürfe man auch nicht Angst vor dem leeren Blatt Papier haben. Doch Anregungen biete das Leben selbst in Hülle und Fülle. "Ich bin sehr neugierig", sagt Engelke. "Mich in die Einsamkeit zurückzuziehen, um zu schreiben, wie einige Kollegen es tun, das wäre für mich einfach undenkbar!"

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