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Ein Renner in jedem Lebenslauf

Freiwilligendienste sollen aufgewertet werden

Jugendliche haben heutzutage nach der Schulzeit schier unendliche Möglichkeiten, wie es mit ihrer Zukunft und ihrem Lebenslauf weitergehen könnte.

Wo früher einzig Berufsausbildung und Studium eine Option waren, platzieren sich heute deutlich mehr Alternativen, die enorm viele Chancen bieten. Der klassische Weg, das heißt Schule, Ausbildung und Arbeit bis zur Rente, ist nicht mehr aktuell. Die Jugendlichen probieren sich heute deutlich mehr aus als früher, ergreifen ihre Chancen auf Selbstfindung und legen mehr Wert auf Faktoren wie Spaß bei der Arbeit und Work-Life-Balance statt Geld.

Doch es stellt sich immer öfter auch die Frage: Was von all dem soll ich nun machen? Eine immer attraktivere Möglichkeit: das Freiwillige Soziale Jahr, kurz FSJ.

FSJ nicht nur gut für den Lebenslauf

Der Lebenslauf hat auch heute noch einen hohen Stellenwert. Und genau in diesem kommt das Freiwillige Soziale Jahr immer besser an. Die Idee dahinter ist nicht neu und rückte vor allem in den Mittelpunkt, als die Wehrpflicht am Ende war: Jugendliche, die vielleicht noch nicht wissen, was sie machen wollen, oder einfach ein Jahr zwischen Schule und Ausbildung oder Studium pausieren, machen einen Freiwilligendienst. Das war anfangs überwiegend im sozialen Bereich möglich, heute aber fast überall. So gibt es das FSJK, das für „Freiwilliges Soziales Jahr in der Kultur“ steht, das FÖJ, also das „Freiwillige Ökologische Jahr“, und den BFD, den „Bundesfreiwilligendienst“.

Viele Möglichkeiten und eine Gemeinsamkeit: Personaler sehen ein FSJ im Lebenslauf richtig gerne. Denn es zeigt, dass der Bewerber ein „Überbrückungsjahr“ sinnvoll genutzt hat – mit freiwilligem Engagement. Das kann nicht nur zum Selbstfindungsprozess und zu einer guten Eingliederung ins Berufsleben beitragen, sondern auch Charaktere stärken. Für den Bildungsweg der Bewerber bietet das Freiwillige Soziale Jahr einen großen Mehrwert. Aber so viele Gemeinsamkeiten auch vorhanden sind, es gibt durchaus einige große Unterschiede.

Bei der Bezahlung sind die Differenzen noch am größten

Insbesondere der Blick in den Geldbeutel am Ende des Monats fällt bei Freiwilligen noch immer sehr unterschiedlich aus. Auch wenn junge Menschen statistisch gesehen heute nicht mehr so viel Wert auf Geld legen wie vor einigen Jahren, so spielt es dennoch eine Rolle. Gerade ein Freiwilligendienst ist für viele mit dem ersten Auszug von zu Hause verbunden, mit einer neuen Stadt und einem neuen Umfeld. Und nicht jeder hat Eltern im Rücken, die dann für einen Großteil oder gar die ganze Miete aufkommen können.

Die Spannbreite der Entlohnung in den Freiwilligendiensten reicht von nur knapp über 100 Euro bis hin zu einem monatlichen Taschengeld von knapp über 300 Euro. Eine Ungerechtigkeit, wie nicht nur die Freiwilligen finden, sondern auch die Bundesfamilienministerin Franziska Giffey.

Freiwilligendienste sollen schon zeitnah aufgewertet werden

Um diese Ungerechtigkeiten aus der Welt zu schaffen und gleichzeitig noch mehr Leute zu einem Bundesfreiwilligendienst zu motivieren, kommt jetzt Bewegung in den Bereich. Vordergründig soll es schon bald mehr Geld vom Bund geben, per Rechtsanspruch. Und auch der Name soll geändert werden: Statt „Bundesfreiwilligendienst“ soll es künftig „Jugendfreiwilligenjahr“ im späteren Lebenslauf heißen.

Ein weiterer Punkt, für den Jugendliche schon einige Jahre streiten, sind Ermäßigungen für Bus und Bahn. Während Studenten vor allem aufgrund ihres nicht vorhandenen Einkommens ein Semesterticket besitzen, mit dem sie kreuz und quer den öffentlichen Personennahverkehr nutzen können, gehen junge Menschen im Freiwilligen Sozialen Jahr immer noch leer aus. Auch hier ziehen die Freiwilligen aber oft von zu Hause aus und besuchen am Wochenende des Öfteren ihre Familien. Das geht bei einem so kleinen Taschengeld schnell mal richtig ins Portemonnaie. Zwar ist kein „komplettes“ Ticket wie das Semesterticket für Freiwillige geplant, jedoch soll es laut Familienministerin Giffey einen nicht unerheblichen Zuschuss geben.

Außerdem in Planung: garantierte Sozialversicherungsbeiträge. Auch dies ist aktuell vielerorts noch ein Problem, das junge Menschen davon abhält, sich freiwillig zu engagieren.

Derzeit absolvieren mehr als 80.000 junge Männer und Frauen ein Bundesfreiwilligenjahr, alleine 53.000 davon im FSJ. 3.000 Plätze entfallen auf das FÖJ und 27.000 auf den BFD. Im vergangenen Jahr 2018 standen für die Freiwilligendienste im Land rund 263 Millionen Euro im Haushalt der Bundesregierung zur Verfügung. Das soll sich nun ändern. Um alle geplanten Änderungen möglichst schon zum Beginn der nächsten Freiwilligendienste im Herbst umsetzen zu können, sieht der Bundeshaushalt eine Steigerung um rund 65 Millionen vor, also auf 328 Millionen Euro. In Zukunft könnte der Freiwilligendienst somit bei immer mehr jungen Menschen im Lebenslauf stehen.

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