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Konfrontationen lass sich manchmal nicht umgehen. Probleme gibt es immer dann, wenn man höflich bleiben will.

Zoff am Arbeitsplatz

Reden Sie Klartext

Streit und schlechte Laune am Arbeitsplatz sind keine Seltenheit. Mit welchen Strategien man mit Quälgeistern und Nervensägen zurechtkommt. Oder gehören Sie selbst zu dieser Kategorie?

Von Kirsten Niemann

Am Kopierer ist mal wieder Papierstau. Frau X hat ihn zuletzt benutzt und das Papier darin stecken lassen. Frau Y ist nicht besser: Kaum betritt sie den Raum, reißt sie das Fenster auf, während die Kollegen vor Kälte schlottern. Herr Z kaut seine Frühstücksbrote – und schmatzt dabei. Dem Vierten im Raum wird das zu viel. Er kocht und hat seine Kollegen im Geiste schon zehnmal erstochen.

Konkurrenzdruck führt zu Ärger

Oft sind es eben solche kleinen Dinge des Alltags, die schrecklich nerven. Der Konkurrenzdruck führt zu noch mehr Stress. Der Höhepunkt der schlechten Laune ist in Sichtweite. Nun gilt es, zu lüften – damit die dicke Luft nicht weiter zunimmt. „Man muss sich mit den Kollegen ja nicht anfreunden“, sagt Gitte Härter, Coach und Expertin für ein besseres Miteinander am Arbeitsplatz. Sie wirbt für einen professionellen, distanzierten Umgang: „Wir gehen immer davon aus, dass der andere weiß, was in uns vorgeht, uns etwas Schlechtes will, und werden erst einmal sauer. Dabei merkt der es oft gar nicht, wenn er nervt.“


Die Expertin empfiehlt, Klartext zu reden, wo die meisten Menschen dazu neigen, herumzueiern. „Ich habe ihm hundertmal gesagt, er soll die Abrechnung machen“, beschwert sich etwa eine Mitarbeiterin. In Wahrheit formulierte sie ihren Auftrag so: „Man müsste mal die Abrechnung machen.“ Daraufhin fühlte sich der Kollege nicht einmal angesprochen. So geht’s nicht, meint die Expertin. Die richtige Ansage heißt: „Ich möchte, dass Sie morgen früh die Abrechnung machen.“ Punkt.

Gitte Härter unterscheidet verschiedene Typen von Arbeitskollegen, durch deren Verhalten andere die Geduld verlieren. Einer von ihnen: der, der angeblich alles kann. Er brüstet sich mit seinen Sprachkenntnissen, Abschlüssen und tollen Resultaten. Geht Ihnen der Angeber auf die Nerven? Eine gute Methode, mit ihm umzugehen: Loben Sie sein Wissen, schenken Sie ihm gelegentlich ein wenig Anerkennung – dann wird es ihm wiederum leichter fallen, die Kompetenzen anderer anzuerkennen. Schlimmer sind dagegen die Blender, die Besserwisser, die stets forsch auftreten und im schlimmsten Fall fremde Ideen als ihre eigenen verkaufen. Entlarven kann man solche Menschen durch gezieltes Nachfragen: Mangelnde Sachkenntnis offenbart sich dann recht schnell. Ansonsten gilt: Halten Sie sich mit ihren guten Ideen vor solchen Leuten zurück.

Plagegeister, Nervensägen und Lästermäuler

Ähnlich nervtötend können Kollegen sein, die stets Ausreden anführen, wenn sie Vereinbarungen nicht einhalten konnten. Oft führt das zu Diskussionen über die Gründe, warum etwas nicht erledigt wurde. „Hören Sie sich das nicht an“, sagt Gitte Härter. „Das ist schließlich nicht das Thema. Machen Sie dem anderen vielmehr klar, wie wichtig es ist, dass Sie sich aufeinander verlassen können.“ Echte Plagegeister sind auch die Schwarzseher, die Nörgler, die das ganze Team herunterziehen. Fremde Vorschläge lassen sie nicht gelten, sie könnten ja in die Hose gehen. Kompetente Mitstreiter werden dagegen gerne einmal ausgebremst. Geben Sie diesem Menschen zu verstehen, dass Sie das Projekt zur Not auch ohne ihn realisieren werden, rät die Expertin. Möglicherweise wird ihn das sogar mobilisieren: Denn eigentlich möchte er doch ganz gerne dabei sein.


Wie geht man aber mit Kollegen um, die schleimen oder lästern? Die hebelt man am besten aus, indem man nicht mitlästert. „Seien Sie kein spannender Dialogpartner“, rät Gitte Härter. Lästern verdirbt nicht nur den Charakter, es hinterlässt auch bei den Mitlästerern einen schlechten Eindruck. Zwar lieben alle den Verrat, aber keiner liebt den Verräter. Zurückhaltung empfiehlt sich auch bei Dampfplauderern und schlechten Witzeerzählern. „Nicken Sie freundlich, aber lassen Sie sich nicht in Gespräche verwickeln“, rät die Karrieretrainerin. Doch Vorsicht: Ein schweigsames Nicken aus Verlegenheit wird eventuell von Schwätzern als Zustimmung ausgelegt.

Bei allem Ärger lohnt es sich dennoch, zu überprüfen, ob unsere Wahrnehmung richtig geeicht ist. Sind die Kollegen wirklich so schlimm? „Häufig sind wir sehr ungnädig, wenn wir genervt sind“, sagt Gitte Härter. Ansonsten gilt die Regel: Das Thema sofort angehen. Denn lässt man die Probleme gären, werden sie nur schlimmer.

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