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Wird demnächst vor zahlreichen kleinen- und mittleren Unternehmen zu finden sein: Das Infomobil der Qualifizierungsoffensive des Landes Hessen.

Weiterbildung

Qualifizierungsschecks: Bis zu 500 Euro für Weiterbildung

Potenziale bündeln und den eigenen Marktwert steigern - das ist für Arbeitnehmer in diesen Zeiten besonders wichtig. Doch nur wenige Deutsche bilden sich weiter. Obwohl es durchaus attraktive Förderungsinstrumente gibt.

Potenziale bündeln und den eigenen Marktwert steigern - das ist für Arbeitnehmer in diesen Zeiten besonders wichtig. Doch nur wenige Deutsche bilden sich weiter. Dabei gibt es so viele attraktive Förderungsmöglichkeiten. Laut Stiftung Warentest haben im Jahr 2007 lediglich 14 Prozent der Erwerbstätigen an Weiterbildungsmaßnahmen teilgenommen. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland damit deutlich hinter Frankreich, England und Skandinavien - letztere bilden sich über doppelt so häufig fort.

Keine Zeit für Weiterbildung
Doch woran liegt das? Schließlich unterhalten große Unternehmen wie die Commerzbank regelrechte Weiterbildungszentren, in denen sich Angestellte nach Herzenslust fortbilden können. Wie verhält es sich jedoch mit den kleinen- und mittleren Unternehmen (KMU)? Dort, wo das Geld nicht so locker sitzt, konzentriert man sich vermehrt aufs Arbeiten. Für Weiterbildung ist keine Zeit. "Und überhaupt, wer zahlt mir denn den Arbeitsausfall, wenn Arbeitnehmer X plötzlich auf Fortbildung will und dem Unternehmen für zwei Tage effektiv kein Geld einbringt? Die Arbeit macht sich ja schließlich nicht von selbst." So könnte das Statement des Chefs eines KMU lauten.

Mangelnde Übersicht
Aus seiner Perspektive durchaus nachvollziehbar, schließlich finden betriebliche Weiterbildungen in der Regel während- und nicht nach der Arbeitszeit statt. Mitarbeiter müssen extra freigestellt werden oder gar auf große Fahrt gehen, da die meisten Weiterbildungsanbieter in großen Städten angesiedelt sind. Für viele deutsche KMU stellt sich die Frage nach Weiterbildung also gar nicht. Kein Geld, keine Zeit und wozu eigentlich? Und auch der in Arbeit versinkende Mitarbeiter hat nur selten Zeit und Muße sich weiterzubilden. Schließlich muss er sich erst mal durch einen wahren "Weiterbildungs- und Förderdschungel" kämpfen, um zu wissen was Sache ist. An dieser Stelle verlässt die meisten die Lust - mangelt es doch weniger am Angebot als viel mehr an der Übersicht.

Land Hessen schafft Abhilfe
An dieser Stelle setzt die "Qualifizierungsoffensive" des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung (HMWVL) an. Finanziert aus Mitteln des Landes Hessen, des Europäischen Sozialfonds und des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung, widmet sich die Qualifizierungsoffensive vor allem den Bereichen Erstausbildung und Weiterbildung. In Sachen Weiterbildung stehen gerade die KMU (weniger als 250 Mitarbeiter) im Zentrum des Interesses; finden sich hier doch offensichtlich die größten Schwachstellen. Zentrales Element der Weiterbildungsförderung sind die sogenannten Qualifizierungsschecks - staatliche Zuschüsse für Weiterbildungsmaßnahmen. Damit müssen Arbeitgeber, unter bestimmten Voraussetzungen, die finanzielle Belastung nicht mehr allein tragen und sollen so dazu angeregt werden, in die Weiterbildung ihrer Angestellten zu investieren.

Wer wird gefördert?
Laut HMWVL-Infoblatt richten sich die Qualifizierungsschecks an Beschäftige von KMU, die über keinen anerkannten Abschluss in der ausgeübten Tätigkeit verfügen oder das 45. Lebensjahr vollendet haben. Doch auch Teilzeitkräfte bis zu 30 Wochenstunden oder Ausbilder/innen können von diesem Instrument partizipieren - unabhängig von Alter und Qualifikation. Bei den Ausbilder/innen ist es überdies wichtig, dass die Weiterbildungen in direktem Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit als Ausbilder stehen.

Was wird gefördert?
Gefördert werden Maßnahmen, die von einem zertifizierten Weiterbildungsanbieter aus der Hessischen Weiterbildungsdatenbank angeboten werden und "der Förderung der Beschäftigungsfähigkeit dienen." Zudem müssen dem Teilnehmenden "Kenntnisse, Fertigkeiten sowie Einsichten und Verhaltensweisen für die Ausübung einer beruflichen Tätigkeit vermittelt werden." Treffen diese Kriterien zu, übernimmt das HMWVL ein Mal pro Jahr die Hälfte der Weiterbildungskosten (ohne Spesen und Sachmittel) bis maximal 500 Euro.

An wen muss ich mich wenden?
Um von einem Qualifizierungsscheck zu profitieren, muss vorher eine persönliche Bildungsberatung erfolgt sein. Dafür wendet man sich am besten an den zuständigen Qualifizierungsbeauftragten oder an die anerkannten Beratungsstellen zum Qualifizierungsscheck. Um den richtigen Ansprechpartner zu finden, hilft ein Blick auf die Homepage des Qualifizierungsschecks. Die Projektleitung für den Qualifizierungsscheck obliegt dem Weiterbildung Hessen e. V. Dort wird derzeit ein flächendeckendes Programm zur Weiterbildungsförderung etabliert. "Mittlerweile haben wir in jedem Landkreis einen Qualifizierungsbeauftragten sitzen. Das ermöglicht es uns, jeden Interessenten individuell und regionsbezogen zu beraten und passgenaue Lösungen anzubieten", so Holger Fischer, Qualifizierungsbeauftragter und Projektkoordinator der Qualifizierungsoffensive Landkreis Gießen. Er versteht sich als Vermittler zwischen den Unternehmen und den verfügbaren Weiterbildungsangeboten. Denn gerade der Laie wisse oft gar nicht um seine vielfältigen Möglichkeiten zur Weiterbildung.

Raus aus dem Dschungel, rein ins Infomobil!
Kein Wunder bei dem "Förderungsdschungel." Fischer empfiehlt Interessenten zunächst einen Blick in die Hessische Weiterbildungsdatenbank zu werfen. "Hier können Sie zielgerichtet nach Seminaren in ihrem Bereich und ihrer Region suchen. Neben den anfallenden Kosten finden Sie dort auch gleich den zuständigen Ansprechpartner, der Sie dann weitervermitteln kann", erklärt der Qualifizierungsbeauftragte. Auch ihm liegen besonders die kleineren Unternehmen am Herzen: "Wir vermitteln auch Weiterbildungen für größere Belegschaftsgruppen. Gerade im ländlichen Raum sind solche Maßnahmen ja oft nicht möglich."

Aus diesem Grund hat man sich etwas ganz besonderes einfallen lassen, um künftig überall qualifizierte Weiterbildungsförderung betreiben zu können. Das Infomobil. Ein schnittiger VW-Bus mit integrierter Espresso-Maschine und allem, was ein Qualifizierungsbeauftragter so braucht. Alf H. Kindinger vom Weiterbildung Hessen e. V. ist Herr über das Infomobil und erklärt dessen eindeutige Vorteile: "Wir fahren direkt zu den Unternehmen und beraten vor Ort. Arbeitgeber müssen ihre Belegschaft lediglich mal für eine halbe Stunde freistellen." Kosten und Aufwand für Arbeitgeber und Belegschaft werden dadurch auf ein Minimum reduziert und auch die große Fahrt bleibt aus. Eine gute Idee, um der in Deutschland geschmähten Weiterbildung etwas auf die Sprünge zu helfen und die eigenen Potenziale mit etwas offeneren Augen betrachten zu können.

Am Dienstag, 18. Januar, hat das Infomobil seinen ersten richtigen Einsatz. Von 11 bis 15 Uhr wird es auf dem Parkplatz der Technologie- und Innovationszentrum GmbH (TIG) im Gießener Europaviertel stehen.

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