Studium

Wie die Promotion finanzieren?

Die Promotion ist die Eintrittskarte für eine Karriere in der Wissenschaft. Viele fragen sich, wie sie das Projekt "Doktorarbeit" finanzieren können. Es gibt mit Stipendien, Graduierten-Kollegs oder Stellen an der Uni. Die Möglichkeiten sind vielfältig und bringen Vor- und Nachteile mit sich.

Warum er seine Promotion begann, weiß Daniel Nölleke noch genau. „Ich fand die intensive wissenschaftliche Auseinandersetzung mit einem Thema spannend“, sagt der Kommunikationswissenschaftler von der Uni Münster. Doch auf dem Weg zum Doktortitel stellten sich ihm nicht nur akademische Fragen. Er musste vor allem planen, wie er sein Projekt finanzieren sollte.

„Einen Königsweg zur Finanzierung gibt es nicht“, sagt Matthias Jaroch vom Deutschen Hochschulverband (DHV) in Bonn. Grundsätzlich seien viele Lösungen denkbar. Oft hängen diese auch von der Lebenssituation der Doktoranden ab. Das Wichtigste einer vernünftigen Finanzierung sei jedoch, sie rechtzeitig zu planen. Denn wer zwischendurch die Förderung verliert, riskiert sein Projekt. Vier Varianten im Vergleich:

1. Anstellung an der Uni

Etwa jeder dritte Doktorand arbeitet an der Uni. Das geht aus einer Studie des Promovierenden-Netzwerkes THESIS hervor. In den wenigsten Fällen wird für Doktoranden jedoch eine eigene Projektstelle bewilligt, erklärt Jaroch. Vielmehr forschen Doktoranden oft in anderen Projekten an ihrem Institut - so wie Daniel Nölleke.

Als Vorteil seiner Stelle an der Uni sieht er die inhaltliche Nähe seiner wissenschaftlichen Mitarbeit zum Promotionsthema. Außerdem könne man die Lehrveranstaltungen eng mit dem Thema der eigenen Dissertation verknüpfen und sich im Lehrstuhl mit Kollegen austauschen.

Schwierig ist dagegen das Verhältnis von Aufwand und Bezahlung: Eine volle Stelle im fremdem Projekt lässt kaum Zeit für die eigene Arbeit. Eine halbe reiche kaum zum Leben, sagt der Thesis-Vorsitzende Norman Weiss.

2. Stipendium

„Stipendien sind eine schöne Anerkennung für die eigene Arbeit“, sagt Daniel Nölleke. Zu bedenken sei aber, dass es sich meist um Förderbeträge handele, die nur für das Notwendigste ausreichen. Weiss zufolge sind sie in der Regel auch auf drei Jahre befristet. Wer länger für die Promotion braucht, sollte frühzeitig für das anschließende Einkommen sorgen. „Vom Stipendium in Hartz-IV zu rutschen, ist leider nicht selten.“

Auf der Suche nach dem passenden Stipendium sehen Doktoranden einem Überangebot entgegen. Wichtig ist, sich nicht blind zu bewerben, sondern zu prüfen, zu welcher Stiftung man persönlich oder fachlich passt, so Weiss. Voraussetzung sind neben der politischen Gesinnung bei parteinahen Stiftungen oft auch soziales Engagement oder Bestnoten, sagt Uta Hoffmann, Promotionsberaterin an der Berliner Humboldt-Universität.

In Auswahlverfahren müssen Bewerber Einzel- und Gruppengespräche bewältigen sowie Zusammenfassungen eigener Projekte einreichen. Werden sie aufgenommen, bringe die Förderung auch Pflichten mit sich: „Oft wird die Teilnahme an Trainings oder Veranstaltungen erwartet.“

3. Graduierten-Kolleg

Der große Vorteil von Graduierten-Kollegs ist, dass die Doktoranden verbindlich eingebunden sind, sagt Sabine Mönkemöller von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in Bonn. Wer in einem solchen Kolleg promoviert, nimmt am engen Austausch in kleinen Gruppen und Seminaren teil und macht dazu Workshops über wissenschaftliches Schreiben und Präsentieren. Und das Ganze lohnt sich auch finanziell: Zwischen 1.000 und 1.365 Euro zahlt die DFG ihren Stipendiaten monatlich. Hinzu kommt ein Sachkostenzuschuss von 103 Euro sowie 400 Euro für das erste und 100 Euro für jedes weitere Kind - und zwar netto. .Im Juli 2011 gab es Mönkemöller zufolge bundesweit 207 DFG-geförderte Graduiertenkollegs mit durchschnittlich je zwölf bis 14 Doktoranden. 36 Monate lang dauert die Förderung, bei Schwangerschaft und Kinderbetreuung gibt es Verlängerungen.

4. Finanzierung auf eigene Faust

Natürlich lässt sich jede Promotion auch ohne fremde Hilfe finanzieren, etwa über eine berufliche Tätigkeit außerhalb der Uni. Das sei mitunter aber ein ständiger Spagat, gibt Weiss zu bedenken. „Ob man diesen jahrelang schafft, sollte man sich gut überlegen.“ Nölleke zufolge sei diese Finanzierung die schwierigste, da es an Zeit sowie an inhaltlicher Nähe zur Doktorarbeit fehle. Daneben gibt es auch noch die Möglichkeit der sogenannten Industriepromotion - etwa in Unternehmen der Automobil-, Elektrotechnik- oder Telekommunikationsbranche. Eine Promotion gelte dort als Entwicklungsmaßnahme: Ein bis zwei Tage die Woche erhält der Mitarbeiter zur Bearbeitung frei und wird nach individueller Vereinbarung weiterbezahlt. (dpa/tmn)

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