Business Netzwerke

Profil zeigen

Es sind die „passiven Bewerber“, die für Personaler oft so interessant sind: Fachkräfte, die über einen festen Arbeitsplatz verfügen, bei einem attraktiven Jobangebot aber nicht abgeneigt wären.

Von Eloy Barrantes

„Für Personaler sind sie besonders attraktiv, weil sie oft qualifiziert sind und bereits über Berufserfahrung verfügen“, sagt Andreas Eckhardt von der Universität Frankfurt.

Erst kürzlich führte sein Team eine repräsentative Studie zu aktuellen Recruiting-Trends bei den 1000 umsatzstärksten deutschen Unternehmen durch. Ein Ergebnis: Jedes dritte Unternehmen nutzt das Online-Netzwerk Xing regelmäßig für die Personalsuche. „Business-Netzwerke haben bei deutschen Unternehmen meistens einen additiven Charakter“, erklärt Eckhardt.

Man nutze sie als zusätzliches Instrument neben den klassischen Stellenbörsen in Zeitungen und im Internet. „Vor allem für Stellen in der Finanzbranche sind die Netzwerke inzwischen sehr wichtig“, sagt Christian Umbs vom Personaldienstleister Robert Half International (RHI). „Das fängt bei Junior-Positionen an und geht bis zum Finanzvorstand.“ Bei Stellen mit internationalem Bezug nutze man immer häufiger auch das englischsprachige Netzwerk LinkedIn. Der Vorteil liegt auf der Hand: Wer auf LinkedIn ist, zeigt damit auch, dass er Englisch kann.

Außerdem macht man mit einem Profil auch Headhunter aus dem Ausland auf sich aufmerksam. Als passiver Bewerber sollte man allerdings nicht zu offenkundig nach einer neuen Stelle suchen. Aussagen wie „Ich suche nach neuen Herausforderungen“ könnten bei Festangestellten schnell Ärger mit dem Chef nach sich ziehen. Auch arbeitsrechtlich befinden sich solche Floskeln in einer Grauzone, sagen Experten.

Eine Alternative sind möglichst präzise Angaben zu den fachlichen und persönlichen Stärken. Mit diesen Angaben erhöhe man gleichzeitig auch die Chance, von Headhuntern gefunden zu werden, sagt Jan Kirchner von der auf soziale Netzwerke spezialisierten Personalberatung Atenta.

Was man suche und biete sollte möglichst genau an den entsprechenden Stellen im Profil stehen. „Auch Spezialfähigkeiten, mit denen man sich möglicherweise hervorheben kann, sollten unbedingt angegeben werden“, rät Kirchner. „Synonyme können ebenfalls zur besseren Auffindbarkeit führen.“ Man solle sich darüber Gedanken machen, nach welchen Begriffen Personaler suchen könnten, um auf das eigene Profil aufmerksam zu werden.
„Allerdings sollte man nicht übertreiben“, warnt der Experte. „Endlose lange Listen von Fähigkeiten wirken eher abschreckend.“ Im Netz achten Personaler auf Übersichtlichkeit und eine gute Struktur. „Ein Profil betrachte ich wie eine Papierbewerbung“, erklärt Personalberater Umbs. „Die Form ist für mich auch im Internet extrem wichtig.“

Seine Mitarbeiter achten beispielsweise auf vollständige und aktuelle Angaben. Auch ein professionelles Bewerbungsfoto sei im Internet genau so wichtig wie auf Papier. Interessen und Referenzen werden häufig ebenfalls positiv gesehen. Manchmal prüfen die Headhunter sogar, ob wichtige Kontakte in die Brache bestehen.
„Kontakte sind für uns besonders wichtig, wenn wir nach Führungskräften suchen“, erklärt Umbs. „Wir prüfen dann stichprobenartig, über welche Branchenkontakte ein Kandidat verfügt.“ Allerdings gibt es auch Punkte, die Headhunter abschrecken: Rechtschreibfehler, unverständliche Jobbeschreibungen, Lücken im Lebenslauf oder ein ungepflegtes Profil sind beispielsweise keine Indizien für Professionalität.

Finden die Personaler einen geeigneten Kandidaten, so wird dieser in der Regel direkt kontaktiert. „Wir prüfen dann, ob bei den Kandidaten möglicherweise die Bereitschaft für einen Wechsel existiert“, erklärt Umbs. Die Business-Plattformen nutze man mittlerweile standardmäßig um erfahrene Fachkräfte zu rekrutierten. „Noch vor zehn Jahren war das viel schwieriger“, erinnert sich Umbs. „Damals konnte man an solche Leute wenn überhaupt per Empfehlung kommen.“

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