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Pharmareferenten müssen wissen, was sie tun: Sie leben vom Vertrauen, das Ärzte ihnen schenken.

Pharmareferent

Die Pillenprofis

Ein Pharmareferent ist bei einer Pharmafirma angestellt und muss mehr sein als ein Informant für den Arzt über neue Produkte seines Unternehmens. Er muss viel mehr Vertrauter und Unterstützer sein.

Von Alice Baum

Die Damen und Herren mit den schwarzen Köfferchen kommen beim Arzt immer zuerst dran. Dafür beanspruchen Pharmareferenten nur wenig Zeit, vor allem, wenn der Arzt oder die Ärztin ohnehin schon viel zu tun hat. „Zwischen Arzt und Pharmareferent muss ein Vertrauensverhältnis bestehen, und der Pharmareferent muss den Arzt im Praxisalltag unterstützen“, sagt Tom Sicker. Er ist Ausbildungsleiter bei der Pharmaakademie, einer Akademie für Pharmaberufe, die an insgesamt acht Standorten in Deutschland Pharmareferenten ausbildet.

Die Aufgabe ist klar umrissen: Ein ausgebildeter Pharmareferent ist generell bei einer Pharmafirma angestellt und informiert Ärzte über neue Produkte seines Unternehmens. „Dabei will ein Arzt nicht nur informiert, sondern bis zu einem gewissen Mass auch unterhalten werden“, sagt Sicker. Wer sich zum Pharmareferenten weiterbildet, muss kommunikativ sein, auf Menschen zugehen können. Er muss schlagfertig, neugierig und interessiert sein. „Schüchterne Menschen tun sich in diesem Beruf schwer. Auch ein gepflegtes Äußeres gehört unbedingt dazu.?

Vorteile für Pfleger, Arzthelfer oder Physiotherapeuten

Neben den menschlichen Voraussetzungen sind die beruflichen Zulassungsvorsaussetzungen sehr allgemein. Fünf Jahre Berufserfahrung in einer Sparte, die in irgendeiner Form mit Medizin zu tun hat, genügen als Voraussetzung: Pfleger, Arzthelfer oder Physiotherapeuten haben also gute Karten.

Die Industrie-und Handelskammern entscheiden am Ende über ihre Zulassung. Menschen, die ein abgeschlossenes Studium der Humanmedizin, Veterinärmedizin, Chemie oder Biologie vorweisen können, brauchen überhaupt keine Weiterbildung mehr und können gleich als Pharmaberater bei einem Unternehmen anheuern. „Die Berufe im Gesundheitswesen sind krisensicherer als manch andere,“ sagt Sicker, das treffe auch auf den Pharmareferenten zu. Liegt keine medizinische Vorbildung vor, dauert die Weiterbildung in der Regel sechs Monate, der Löwenanteil auf dem Stundenplan liegt im medizinischen Bereich.

Ein attraktives Einsteigergehalt

Anatomie, Physiologie, Therapie von Krankheiten stehen auf dem Stundenplan. Nach einem erfolgreichen Abschluss lockt ein attraktives Einsteigergehalt von rund 3000 Euro zuzüglich Bonuszahlungen. Den flotten Firmenwagen, Telefon und Laptop stellen die Unternehmen ebenfalls.

Nach einem Jahr Berufserfahrung steigt das Gehalt. Bei dem Wort „Vertreter“ reagiert Ausbilder Sicker empfindlich. „Ein Pharmareferent ist kein Autohändler“, insistiert er. „Der Pharmareferent muss seriös auftreten und glaubwürdig sein.“ Der Trend geht zur Spezialisierung: Oft besuchen die Referenten selbst keine Ärzte mehr, sondern kümmern sich um die Organisation von Fachtagungen zu bestimmten Krankheitsbildern und den entsprechenden Medikamenten. Auch bei Mediziner-Kongressen sind sie vor Ort und sprechen dort mit Ärzten und betreiben Kontaktpflege, eine Art Public Relations für ihre Pharmafirma.

Aufstiegschancen gibt es auch hier, etwa zum Regionalmanager. Dieser unterhält selbst nicht mehr direkten Kontakt zu den Ärzten, sondern leitet andere Pharmareferenten an. Ein weiterer Aufstieg bietet sich bei einem Wechsel zum Produktmanager: Hier hält der „Ehemalige“ andere Pharmareferenten auf dem Laufenden und hilft ihnen dabei, ihre Produkte besser zu präsentieren. Im Innendienst genießen Pharmareferenten regelmäßigere Arbeitszeiten, während ein Außendienstler schon mal sein Wochenende für einen Ärztekongress opfert. Dort pflegt er Kontakt zu denen, die seine Medikamente einmal verschreiben sollen.

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