Auf nach Kanada

Auslandspraktika sind fast schon selbstverständlich / Nordamerika ist besonders beliebt

Von CHRISTA EDER

München - Für eine ganze Reihe von Fachrichtungen, etwa Medizin und Zahnmedizin, Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften sowie Jura, gehören Praktika zwar traditionell zur Ausbildung, aber es empfiehlt sich heute, sie auswärts zu absolvieren. "Im Zuge der Globalisierung aber auch durch die Entwicklung internationaler Studiengänge werden mehr und mehr Auslandspraktika vorgeschrieben", sagt Günter Müller-Graetschel, Leiter des Referats Internationaler Praktikantenaustausch im Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), Bonn.

Die Studiengänge der ersten Stunde waren Tropische Landwirtschaft, Tropische Forstwirtschaft, Tropenmedizin und Internationale Verwaltungswissenschaften. Mittelfristig dürften Praktika im Ausland zum selbstverständlichen Bestandteil der Hochschulausbildung werden.

Wer heute nach dem Studium eine Auslandskomponente vorweisen kann, bereichert nicht nur seine fachlichen und persönlichen Erfahrungswerte, er hat auch einen handfesten Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Bewerbern.

Gerade in den Geisteswissenschaften, eigentlich aber in allen Fachrichtungen, habe sich ein Bewusstsein entwickelt, demzufolge Hochschulabsolventen nur dann einen adäquaten Einstieg in den Arbeitsmarkt finden, wenn sie ein oder mehrere Auslandspraktika vorweisen können, so Müller-Graetschel. Zwar ist Auslandserfahrung bei kleineren und mittleren Unternehmen kein Muss - aber wer weiß schon, wo er nach dem Studium landet. "Sicher ist, dass alle Fachrichtungen, die sich allein inneruniversitär ausrichten und keinen bewussten Kontakt zum Arbeitsmarkt pflegen, sich also wirtschaftsfern aufstellen, auf Praktika keinen großen Wert legen. Kunstgeschichte etwa oder Mathematik, Literatur, Geschichte",so Müller-Graetschel.

Wer sich für ein Auslandspraktikum entscheidet, sollte sich gut vorbereiten. Schritt eins: die perfekte Bewerbung. Selbstverständlich müssen Anschreiben und Lebenslauf fehlerfrei, das Foto ansprechend und das Erscheinungsbild sauber und klar strukturiert sein. Wer sich in einer Fremdsprache bewirbt, sollte die Unterlagen von einem Muttersprachler korrigieren lassen. Im Anschreiben ist es von Vorteil, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und im Ton verbindlich, freundlich und selbstbewusst zu bleiben. Wer nicht will, dass seine Bewerbung im Mülleimer landet, verzichtet lieber auf überflüssige Details und Selbstüberschätzungen. Der Ratgeber "Wege ins Ausland", herausgegeben vom DAAD und dem Austauschprogramm Iaste, nennt detaillierte Bewerbungstipps (siehe Infobox). Auch welche Kriterien ein guter Praktikumsplatz erfüllen sollte sowie Informationen über Formalia, Verträge, Bezahlung, Projektplan, soziale Betreuung, landeskundliche Vorbereitung, Anerkennung durch die Heimathochschule findet man dort.

Kanada besonders beliebt

Ein Praktikum im Ausland ist in der Regel erst ab einem höherem Semester sinnvoll, die meisten Auslandsprogramme setzen dies auch voraus. "Im Bereich der Natur- und Ingenieurwissenschaften empfehlen wir ein Auslandspraktikum erst nach durchlaufenem Grundstudium. Dann haben die Praktikanten im Ausland schon Fachwissen einzubringen und laufen weniger Gefahr, als Fotokopierer und Kaffeekocher eingesetzt zu werden", so Müller-Graetschel. Zudem fehlen nach ein oder zwei Semestern meist auch hinreichende Sprachkenntnisse.

Zu den favorisierten Ländern zählen derzeit übrigens nicht mehr die USA, sondern Australien, Neuseeland und Kanada. Da dort aber relativ wenig Praktikumsmöglichkeiten zur Verfügung stünden, fänden die meisten Deutschen ihren Auslandspraktikumsplatz nach wie vor in den USA. "Dennoch sind die Zahlen in den letzten fünf Jahren deutlich zurückgegangen. Das liegt zum Teil auch an den restriktiven Visumsbestimmungen", glaubt Müller-Graetschel.

Der DAAD hilft auch als nationale Agentur, der IAESTE konkret bei der Vermittlung von Auslandspraktika: Pro Jahr verhilft er etwa 700 deutschen Studierenden zu Praktika in 80 Ländern. Laut Müller-Graetschel haben von den gegenwärtig immatrikulierten Studenten 13,9 Prozent ein Auslandspraktikum absolviert, 13,5 Prozent ein Auslandsstudium von mindestens einem Semester durchlaufen und 7,5 Prozent einen Sprachkurs im Ausland gemacht. "Damit ist Deutschland in der Spitzengruppe, was den Nachweis einer Auslandkomponente angeht."

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