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DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach: „Arbeitgeber drücken mit Minijobs die Lohnkosten.“

Interview

Der Minijob ist keine Dauerlösung

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„Eine anständige Rente lässt mit einem Minijob allein nicht erarbeiten“, sagt Annelie Buntenbach, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Sie rät geringfügig Beschäftigten, ihren Rentenbeitrag aufzustocken.

Für wen lohnt sich die Erwerbsform?

Annelie Buntenbach: Attraktiv ist der Minijob allenfalls für Rentner oder Studenten, ganz sicher aber für Arbeitgeber. Sie drücken damit ihre Lohnkosten. Minijobberinnen und Minijobber haben in der Regel nichts von der Steuer- und Abgabenfreiheit, denn diese Vorteile werden von den Arbeitgebern eingepreist. Die Stundenlöhne im Minijob sind extrem niedrig, spätestens wenn man unbezahlte Überstunden und fehlende Feiertagszuschläge mitrechnet.

Wie hoch ist der Verdienst in der Regel?

Im Durchschnitt kommen Beschäftigte im Minijob auf 260 Euro. Als Haupterwerbsquelle lohnt der Minijob also nicht. Außerdem zeigen Studien, dass die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten deutlich beeinträchtigt werden: Ein Großteil der Beschäftigten bleibt im Minijob hängen. Wer den Absprung schafft, muss oft deutlich niedriger Löhne und geringer qualifizierte Tätigkeiten in Kauf nehmen. Und für die Rente gibt es allenfalls Minibeiträge. Wer lange im Minijob arbeitet, muss Altersarmut fürchten.

Warum wird der Urlaub von Minijobbern häufig nicht bezahlt?

Im Minijob gilt das normale Arbeitsrecht, aber in der Praxis kommt dies häufig nicht zum Tragen. Weil viele Beschäftigte den Job nicht als „normale“ Arbeit ansehen, sondern als Aushilfe oder scheinbar vorübergehende Tätigkeit wahrnehmen, fordern sie ihre Rechte selten ein. Außerdem würde das in vielen Fällen zur Entlassung führen. Das gleiche gilt auch für Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Mutterschutz und die Bezahlung von Feiertagen. So hat sich eine Praxis verfestigt, die die Beschäftigten dauerhaft benachteiligt.

Ist eine Beitragsaufstockung in der Rentenversicherung sinnvoll?

Ja, die Aufstockung ist in jedem Fall sinnvoll. Eine anständige Rente lässt mit einem Minijob allein zwar nicht erarbeiten, aber die Beschäftigten im Minijob erwerben durch die Aufstockung der Rentenbeiträge den Zugang zum kompletten Leistungsspektrum der Rentenversicherung – also z. B. Reha, Erwerbsminderungsrente oder einen vorzeitigen Rentenzugang. Das ist viel wert. Die Beschäftigten zahlen dafür nur einen Anteil von 3,9 Prozent - den Rest zahlt der Arbeitgeber. Eine Dauerlösung ist der Minijob aber nicht.

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