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Spricht er mit einem Kunden – oder mit seiner Frau? Wer clever ist, schafft sich heimlich Freiräume auf der Arbeit.
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Spricht er mit einem Kunden – oder mit seiner Frau? Wer clever ist, schafft sich heimlich Freiräume auf der Arbeit.

Beschäftigt tun

Männer tricksen laut Studie eher mit der Arbeitszeit

Wir arbeiten alle zu viel. Zumindest sagen wir das. Aber nicht immer stimmt es auch: Insbesondere Männer geben laut einer US-Studie gerne vor, Arbeitstiere zu sein. So entkommen sie den überzogenen Erwartungen ihrer Arbeitgeber.

„Und, Thomas, wie läuft es so bei dir im Büro?“ – „Hör' mir bloß auf, ich kann vor lauter Arbeit gar keine Pause mehr machen, ständig Überstunden, ein Projekt nach dem anderen flattert bei mir auf den Schreibtisch!“ – Zu viel zu tun, kaum Privatleben, der Chef sitzt einem im Nacken – es ist ein irgendwie vertraut klingendes Gespräch, das man soeben in der Bahn belauscht hat.

Aber ist Thomas wirklich so überarbeitet, wie er scheint – oder ist er ein sogenannter „Fake-Workaholic“, jemand, der nur behauptet, unglaublich viel malochen zu müssen? Laut einer Studie der Questrom School of Business an der Boston University geben vor allem Männer gerne mal vor, bis zum Hals in Arbeit zu stecken. Und: Sie schauspielern dabei offensichtlich besser als weibliche Berufstätige.

Organisationspsychologin Erin Reid und ihr Team interviewten über 100 Mitarbeiter einer Consulting Firma, wo lange Arbeitstage und Mehrarbeit an der Tagesordnung sind und auch ganz klar eingefordert werden. Außerdem nahm Reid interne Dokumente und Leistungsberichte unter die Lupe. Das Ergebnis: Ein großer Teil der Beschäftigten (insbesondere Männer) gab eine 80- bis 90-Stunden-Wochen nur vor – die Befragten arbeiteten eigentlich weniger, und keiner regte sich darüber auf.

Ein Grund für die Schauspielerei könnte der Druck seitens des Unternehmens auf seine Angestellten sein, rund um die Uhr im Dienst der Kunden zu stehen und das Privatleben hintenan zu stellen (oder zumindest den Anschein zu erwecken). Irwin wertete die Gespräche mit den (Möchtegern-)Malochern aus und kam zu dem Schluss: „Manche Arbeitnehmer umarmten diese Firmenkultur und machten tatsächlich Überstunden, sie waren meistens Top-Performer. Andere weigerten sich offen, forderten weniger Arbeit und flexiblere Zeiten oder weniger Dienstreisen. Das wurde in den Leistungsberichten abgestraft.“

Fast ein Drittel arbeitete „heimlich“ weniger

Doch am interessantesten war für Reid eine dritte Gruppe: Fast ein Drittel der Männer und 11 Prozent der Frauen arbeiteten zwar weniger als eigentlich von der Geschäftsführung und der Firmenkultur verlangt wurde, aber sie taten dies, ohne direkt um eine Stundenreduzierung zu bitten. Wie schafften die Mitarbeiter das?

Die Antwort: Sie stellten es geschickt und heimlich an. Zum einen bemühten sich die Angestellten um Kunden vor Ort und sparten sich so lange Dienstwege. Zum anderen hingen sie es nicht an die große Glocke, wenn sie früher nach Hause gingen, um Zeit mit der Familie zu verbringen – und „deckten“ sich dabei gegenseitig im Team. So wurden flexiblere Arbeitszeiten für alle möglich.

„Ein Juniormanager sorgte dafür, dass er Kundenaufträge in der Nähe bekam – so nah an zu Hause, dass er sie mit einer Tagesfahrt erledigen konnte: 'Ich versuche gegen 17 Uhr fertig zu werden, fahre um 17:30 Uhr nach Hause, esse, spiele mit meiner Tochter', sagte er, und ergänzte, dass er seine Arbeitszeit in der Regel am Wochenende auf zwei Stunden Mails lesen beschränke“, nennt Reid ein Beispiel.

Dennoch galt der Juniormanager als Leistungsträger in seiner Firma – ebenso wie die anderen Pseudo-Arbeitstiere. Sie schnitten in den Augen der Vorgesetzten ebenso gut ab wie die echten Workaholics. Was lernen wir daraus? Schlauer arbeiten – nicht noch härter.

Männer schaufeln sich „hintenrum“ Zeit frei

Für Frauen mit Kindern sah die Situation etwas anders aus: „Insbesondere Frauen mit jüngeren Kindern neigten dazu, flexiblere Arbeitszeiten formal einzufordern, zum Beispiel reduzierten sie vertraglich Stunden, wenn sie aus der Elternzeit kamen“, so Wissenschaftlerin Reid. Darunter litten häufig auch die Arbeitsergebnisse bzw. die Performance der Mitarbeiterinnen. Männer hingegen nahmen sich die Zeit für ihre Familie eher inoffiziell und wurden von ihrem Chef dann als leistungsfähiger eingestuft. (gs)

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