Liebe und Jobs locken Auswanderer

Die Exotik der Fremde oder ein besserer Job - aus unterschiedlichen Gründen stieg jahrelang die Zahl der deutschen Auswanderer. Zuletzt waren es fast 175 000 im Jahr. Wie man ihnen helfen kann, diskutierten Auswandererberater in Würzburg.

Würzburg. Die Exotik der Fremde oder ein besserer Job - aus unterschiedlichen Gründen stieg jahrelang die Zahl der deutschen Auswanderer. Zuletzt waren es fast 175 000 im Jahr. Wie man ihnen helfen kann, diskutierten Auswandererberater in Würzburg.

Sandstrände, Palmen, Meer - und davor Deutsche, die sich mit neuer Sprache, neuem Job und neuer Kultur herumplagen. So sehen Auswanderer im Fernsehen aus - vor allem in Doku-Seifenopern. "Mit der Realität hat das wenig zu tun", sagt Gabriele Mertens, die Generalsekretärin des Raphaels-Werks. Der Verband berät seit 1871 deutsche Auswanderer. Bis Mittwoch (22. September) tagten seine 30 Auswanderberater in Würzburg.

Sie diskutierten in der Domstadt über Visa-Regeln, regionale Arbeitsmärkte und Aufsteigerländer bei den Aussteigern wie etwa Brasilien. "Der klassische Auswanderer ist ein Arbeitsmigrant, ein Deutscher, der als Gastarbeiter ins Ausland geht", sagt Mertens. Oft blieben diese bei deutschen Firmen und versuchten über den Umweg Ausland auf der Karriereleiter nach oben zu klettern.

Eines muss man den Doku-Soaps aber lassen: Sie spiegeln den Trend der Zeit wider. Vom Anfang des Jahrtausends bis zum Beginn der Wirtschaftskrise sei die Zahl der deutschen Auswanderer jährlich gestiegen - auf rund 175 000 im Jahr 2008, sagt Mertens. Seitdem gebe es einen Dämpfer. "Wegen der Krise fehlen international Jobs für Gastarbeiter."

Ein Blick in die Statistik zeigt, dass besonders deutsche Großstädter wanderungsfreudig sind. Im Jahr 2008 kamen auf 10 000 Einwohner Berlins und Hamburgs jeweils 34 Auswanderer. In Baden-Württemberg lag die Quote bei 33, in Hessen und Bayern bei 28, wie aus Daten der Statistischen Landesämter hervorgeht. Zum Vergleich: Bundesweit liegt die Auswandererquote bei 23 Fortzügen je 10 000 Einwohnern. Am niedrigsten war sie mit 11 in Sachsen-Anhalt.

Die Wanderungsbereitschaft im Süden überrascht Gabriele Mertens nicht: "Die Schweiz und Österreich sind als Zielländer sehr beliebt." Die geografische Nähe in Baden-Württemberg und Bayern ermögliche es teilweise sogar, zu pendeln. Ähnlich sehe es im Norden aus. "Viele Auswanderer nach Dänemark oder Skandinavien kommen aus Norddeutschland."

Die Wanderung innerhalb Europas sei wesentlich häufiger als die in exotische und weit entfernte Regionen. Die Gründe liegen laut Mertens auf der Hand: "Die soziale Sicherheit in der EU ist hoch und es gibt keine Reisebarrieren oder Visa-Anträge."

Regional ist die Wanderung auch stark von Bundeswehrstandorten, großen und internationalen Firmen oder landwirtschaftlichen Regionen abhängig: Mobile Menschen wie Soldaten, Manager oder deutsch-polnische Erntehelfer werden beim dauerhaften Überschreiten der Landesgrenze als Auswanderer gezählt.

Ein Beispiel, wie sich bestimmte Bevölkerungsgruppen in der Statistik bemerkbar machen können, hat auch Gabriele Mertens parat: "Gut ausgebildete Deutsche mit türkischem Hintergrund gehen zurzeit gerne in die Türkei zurück." Dort gebe es einen Aufschwung. "Gerade junge deutsch-türkische Ingenieure sehen es nicht ein, hier viermal solange einen Job zu suchen wie Kollegen gleicher Qualifikation, aber mit deutschem Namen."

Doch nicht nur das Geld locke die Menschen, manchmal auch die Liebe, sagt Mertens. "Mancher findet im Urlaub seinen Partner. Kommen Jobperspektive und privates Glück zusammen, reicht das oft für den Weggang." (dpa)

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