Mit Kunden nicht über Politik reden

Im Kurz-Seminar lernen Azubis Verhaltens- und Kommunikationsregeln

Von HEINZ SIEBOLD

Freiburg - Der Kunde ist König. Klar. Aber wie begegnet man seiner Majestät korrekt? Hilft man ihm - oder ihr - aus dem Mantel? Wie benimmt man sich zu Tisch beim Arbeitsessen? Auszubildende kommen im Beruf heute eher früher als später in Situationen, auf die sie nicht zwangsläufig von der Schule oder von ihren Eltern ausreichend vorbereitet wurden. "Wir leben vom Kunden", sagt Franz Josef Grunow, Geschäftsführer der Freiburger Stahlhandel GmbH & Co. KG, "wir müssen uns ihm gegenüber in allen Situationen korrekt und vernünftig verhalten können." Damit die 20 Auszubildenden der Firma das auch können, hat ihnen die Geschäftsführung gemeinsam mit dem Bildungszentrum der IHK Südlicher Oberrhein einen Kurs über "Kommunikations- und Verhaltensregeln im beruflichen Alltag" verpasst. Oder spendiert, wie man will. Im Jargon der Jungen heißt der Lehrgang kurz und knapp "Business-Knigge".

Zwei Tage lang haben die angehenden Großhandelskaufleute den Sinn von Benimmregeln gelernt oder vertieft, je nachdem. "Es geht um souveränes Auftreten beim Kunden, aber auch um das Verhalten unter den Arbeitskollegen", erklärt Trainerin Roswitha Mühl. "Das fängt bei der Körpersprache an, geht über die Kleidung bis zum Verhalten am Tisch."

Im Klartext: Wer in Korkenzieherhaltung mit zerbeulten Jeans zum Kunden kommt, wird es schwer haben, einen Auftrag zu bekommen. Mangelnde Seriosität der Mitarbeiter färbt auf das Image der ganzen Firma ab. Also ist den jungen Stahlhändlern abverlangt worden, sich auch mal zu überlegen, was einen gut gedeckten Tisch ausmacht und wozu die jeweiligen Werkzeuge bei welchem Menü-Gang da sind.

"Es war Klasse, sehr hilfreich", sagt Seline Potschull. Sie ist im zweiten Lehrjahr und hat sich wertvolle Hinweise gemerkt. Für den Smalltalk vor dem Arbeitsessen zum Beispiel: "Keine Politik, keine Religion, besser über das Wetter oder die Anfahrt reden." Oder wenn mal aus Versehen ein Besteck vom Tisch fällt: "Liegen lassen. Dezent den Ober um ein neues bitten."

Und natürlich ging es immer wieder um die Kleiderordnung: "Keine tiefen Dekolletees, keine engen T-Shirts. Besser einen Anzug, da ist man auch als Frau immer auf der sicheren Seite." Übrigens auch während der regulären Arbeit im Betrieb.

Wachsender Bedarf

Plan- und Rollenspiele, diskutieren und selber ausprobieren, so ging das zwei Tage lang. Die Auszubildenden haben daraufhin beschlossen, eine Selbstverpflichtung auszuarbeiten, ein kleines Regelwerk des Benimms. Committment nennt man das heute. Es geht nicht um die Etikette alten Stils, betont Geschäftsführer Grunow. Denn es gibt Dinge, über die man geteilter Meinung sein könne. "Ich werde zum Beispiel immer die Frau zuerst begrüßen, auch wenn der hierarchisch höher stehende Mann daneben steht", sagt der 58-jährige Rheinländer charmant. Knigge-Fundis sehen das anders. Und auch beim Dresscode müsse man flexibel sein. Ganz abgesehen davon, dass sich Azubis nicht unbedingt einen Boss-Anzug leisten können, ist "Overdressing" völlig fehl am Platz, wenn der Kunde bekanntermaßen selbst im Overall empfängt.

"Sich immer situationsgerecht verhalten können", ist für Grunow das Wichtigste. "Denn wir sind ein Global Player, ich weiß nicht, wo meine Leute mal im Konzern landen." Der Freiburger Stahlhandel gehört nämlich zur Thyssen-Krupp-Services AG. Mit 110 Beschäftigten macht das Tochterunternehmen mit 4000 Kunden gute 90 Millionen Euro Jahresumsatz in Südbaden, Elsass und Nordschweiz. Verkauft wird vor allem Edel- und Blankstahl, als Rohr, kantig oder flach, gesägt, geschliffen oder anderweitig "angearbeitet". Produktschulung und kaufmännische, betriebswirtschaftliche Ausbildung bleiben das A und O, aber "das richtige Verhalten ist entscheidend für die Kundenbindung", betont Grunow. Das scheint sich bei anderen Unternehmen herumzusprechen, "der Bedarf wächst", bestätigt Trainerin Roswitha Mühl.

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