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Zwei Spaziergänger genießen im Höhenpark Killesberg die Sonne.
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Wandern in den Bergen trotz Krankschreibung? Auch das ist bei einigen Erkrankungen erlaubt.

Karriere

Spazierengehen, Urlaub oder Einkaufen: Was mit Krankschreibung erlaubt ist – und was nicht

  • Svenja Wallocha
    VonSvenja Wallocha
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Wer krankgeschrieben ist, traut sich oft kaum vor die Tür. Zu groß ist die Angst vor Konsequenzen wie Abmahnung oder Kündigung. Doch nicht bei jeder Erkrankung muss brav das Bett gehütet werden.

Frankfurt – Ob Erkältung, fiese Migräne oder Rückenschmerzen: Wer krank ist, sollte sich nicht zur Arbeit schleppen, sondern den Gang zum nächsten Arzt oder Ärztin antreten und sich krankschreiben lassen. Oft kann man direkt ein paar Tage zu Hause bleiben und sich komplett auskurieren. Doch muss man dabei auch die gesamte Zeit im Bett liegen oder zumindest in der Wohnung bleiben?

Wer trotz Krankschreibung ein paar Dinge im Supermarkt besorgt oder einen Spaziergang an der frischen Luft macht, hat schnell ein schlechtes Gewissen. Groß ist die Sorge, dass man plötzlich einem Kollegen oder einer Kollegin über den Weg läuft. Viele Menschen stellen sich deshalb die Frage: Was ist alles erlaubt, wenn ich krankgeschrieben bin? Was arbeitsunfähige Beschäftigte tun dürfen und was nicht, hängt laut Fachleuten auch immer von der Art der Erkrankung ab. Einige Dinge sind generell erlaubt, bei anderen wird es dagegen knifflig.

Krankschreibung: Was ist erlaubt und was nicht? „Vermeiden, was die Genesung verhindert“

„Wichtig ist, alles zu vermeiden, was die Genesung verhindert oder verzögert“, erklärt Michaela Rassat, Juristin der Ergo Rechtsschutz Leistungs-GmbH in einer Mitteilung. Erlaubt sei dagegen alles, was die Genesung beschleunigt oder ihr zumindest nicht entgegensteht. Doch was heißt das konkret?

Wenn der Arzt oder die Ärztin nicht gerade strenge Bettruhe angeordnet hat, sind viele Dinge für krankgeschriebene Beschäftigte grundsätzlich erlaubt. Dazu zählt neben Arztbesuchen und dem Gang zur Apotheke auch Spaziergänge und Einkäufe für den Tagesbedarf. Denn ein paar Schritte an der frischen Luft können zur Genesung beitragen. Wichtig ist, dass sich die krankgeschriebene Person so verhalten muss, dass sie möglichst bald wieder einsatzfähig ist. Der Besuch im Schwimmbad sollte bei einer starken Erkältung also besser erstmal aufgeschoben werden.

Trotz Krankschreibung in den Urlaub fahren? Das sollten Beschäftige beachten

Auch Reisen sind trotz Krankschreibung möglich – wenn sie zur Genesung beitragen. Zum Beispiel kann ein Wanderausflug bei starker Erschöpfung, wie einem Burnout guttun. Ein Kuraufenthalt an der Ostsee hilft dagegen sicherlich bei Bronchitis. Verweigern dürfen Krankenkassen solche Urlaube nicht. „Trotzdem ist es ratsam, vor der Abreise eine Genehmigung der Krankenkasse einzuholen und ärztliche Untersuchungen oder Behandlungen nachzuweisen“, erklärt Lenia Baga, Juristin bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein in einer Mitteilung.

ErkrankungenProzent der Krankheitstage (2019)
Krebserkrankungen4,1
Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems4,2
Infektionen4,5
Krankheiten des Verdauungssystems4,6
Verletzungen und Vergiftungen11,4
Krankheiten des Atmungssystems14,4
Sonstige Ursachen15,7
Psychische Störungen16,8
Muskel- und Skeletterkrankungen24,3
(Quelle: Informationsdienst des Instituts der deutschen Wirtschaft)

Zusätzlich sollte man die Reise mit seinem Arzt oder seiner Ärztin absprechen, auch ein Attest kann hilfreich sein. Daraus sollte laut der Verbraucherzentrale hervorgehen, dass man „für die Dauer der Reise arbeitsunfähig ist und dass keine medizinischen Bedenken gegen die Reise bestehen“. Wird die Arbeitsstelle dann noch über die Reise informiert und die Situation erklärt, sollte es keine Missverständnisse geben. Bei anderen Aktivitäten ist es etwas kniffliger.

Party, Sport und Kino trotz Krankschreibung: Was erlaubt ist und was nicht

Ist beispielsweise Sport trotz Krankschreibung möglich oder ein Besuch im Kino, bei Freunden oder im Theater? Auch hier hängt es natürlich von der Art der Erkrankung ab und dem eigenen Verhalten. Generell ist alles, was die Genesung nicht gefährdet oder ihr sogar hilft, erlaubt. Im Park leichte Sportübungen zu machen, kann Nervenverspannungen lösen. Hilft man dagegen bei starken Rückenschmerzen den Freunden beim Umzug, ist das eher kritisch und könnte zu Problemen führen. Mit einem gebrochenen Arm ins Kino oder Theater zu gehen, wird dem Genesungsprozess wiederum nicht schaden.

Auch der Status der Gesundung spielt eine Rolle, heißt es auf der Seite der Allianz-Versicherung. „Wenn ich am letzten Abend einer fünftägigen Krankschreibung auf den Weihnachtsmarkt gehe und am nächsten Morgen wieder ins Büro komme, dann war der Besuch wohl kaum mehr genesungswidrig“, so Oliver Kieferle, Fachanwalt für Arbeitsrecht. Wer sich trotzdem unsicher ist, kann auch immer seinen Arzt oder seine Ärztin um Rat fragen.

Krankschreibung: Wann eine Abmahnung oder sogar eine sofortige Kündigung droht

Bis es tatsächlich zur Kündigung ohne vorherige Abmahnung kommt, muss sich der oder die krankgeschriebene Beschäftigte wirklich sehr genesungs­widrig verhalten. Und bevor es arbeitsrechtliche Maßnahmen geben kann, gilt es, so eine Pflichtverletzung zunächst einmal vom Arbeitgebenden nachzuweisen. Ganz so einfach ist das nicht, denn: „Der Arbeitgeber hat nicht das Recht, den Grund für die Krankschreibung zu erfahren“, so Arbeitsrechtsanwältin Kaja Keller gegenüber welt.de. Außer es handelt sich um besonders schwerwiegende und ansteckende Krankheiten, wie eine Infektion mit Corona. Ansonsten ist es allerdings nicht ganz leicht einzuschätzen, ob die Aktivität der Genesung der krankgeschriebenen Person gerade schadet oder nicht.

Doch auch der Arbeitgebende hat einige Möglichkeiten. So kann er oder sie eine kassenärztliche Untersuchung anordnen, die Beschäftigte dann auch wahrnehmen müssen – ansonsten droht eine Abmahnung. Ebenfalls sollte klar sein, dass es bei Kolleg:innen und Vorgesetzten sicherlich nicht gut ankommt, wenn die eigentlich krankgeschriebene Person beim Partymachen gesehen wird oder davon ein Bild auf Social Media kursiert. So kann das Vertrauen nachhaltig geschädigt werden. Ganz extrem wird es, wenn der Verdacht besteht, dass die Erkrankung nur vorgetäuscht wurde. Sollte sich das bestätigen, droht eine sofortige Kündigung. Ebenfalls sollten Arbeitnehmer:innen wissen, wie sie sich richtig krankmelden. Bei Fehlern drohen ernsthafte Konsequenzen. (svw)

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