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Wie krank macht uns das Großraumbüro?

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Vorbild USA: Das Großraumbüro soll die Kommunikation unter Beschäftigten fördern - leider sieht die Realität oft anders aus.
Vorbild USA: Das Großraumbüro soll die Kommunikation unter Beschäftigten fördern - leider sieht die Realität oft anders aus. © dpa

Alleine oder zu zweit arbeiten war gestern - nach wie vor geht der Trend zum Großraumbüro. Die Unternehmen sparen damit Kosten, leider oft zu Lasten ihrer Mitarbeiter. Wie viel Platz steht uns am Arbeitsplatz zu und welche Regeln erleichtern das Miteinander?

Das Großraumbüro galt lange als Zukunftsmodell - doch für viele Mitarbeiter wurde es zum Alptraum: Immer mehr Berufstätige arbeiten mittlerweile in Räumen mit zehn Arbeitsplätzen und mehr. Die Privatsphäre ist gleich null, stattdessen herrscht oft das Gefühl sozialer Kontrolle. Das hat Folgen: Verschiedenen Studien zufolge fühlen sich Beschäftigte in Großraumbüros schneller gestresst, sind weniger produktiv und werden auch leichter krank. Neunzig Prozent der Mitarbeiter berichten in einer australischen Studie über negative Einflüsse auf ihre Psyche und Gesundheit.

„Angestellte in Großraumbüros leiden unter Reizüberflutung, Verlust von Privatsphäre, Identitätsverlust, niedriger Produktivität und geringer Zufriedenheit“, schildert Studienleiter Vinesh G. Oommen die häufigsten Probleme. Vorteile sieht der Wissenschaftler in erster Linie beim Arbeitgeber: Durch die Nutzung großer Büroflächen könnten Unternehmen bis zu 20 Prozent ihrer Entwicklungskosten senken, heißt es.

Eigentlich soll das Großraumbüro die Kommunikation unter Beschäftigten fördern. Allerdings sorgen Telefongespräche, Teammeetings oder Smalltalk auch für Störungen. Hinzu kommt das Gefühl, von den Kollegen überwacht zu werden. Entsprechend empfiehlt das australische Forscher-Team, die Raumgestaltung nicht nur von Kostenfragen leiten zu lassen, sondern die sozialen und psychologischen Bedürfnisse der Angestellten zu berücksichtigen.

Ansonsten sollten in jedem Großraumbüro Regeln gelten:

Den Anspruch auf ein Einzelbüro kann man sich in der Regel abschminken - im Zweifel muss man das Zimmer mit einem Kollegen teilen. Das gilt sogar für Professoren, die 20 Jahre lang ein eigenes Dienstzimmer gehabt haben, entschied der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg (Az.: 4 S 1020/13). Bei der Zuweisung von Diensträumen könne der Dienstherr weitestgehend frei entscheiden, erklärte das Gericht. Ein Rechtsverstoß läge nur dann vor, wenn die Zuweisung des neuen Büros sachlich unvertretbar oder willkürlich wäre.

Mindest acht Quadratmeter für jeden

Allerdings hat jeder Mitarbeiter Anspruch auf eine bestimmte Quadratmeterfläche im Büro - die jeweilige Größe regelt die Arbeitsstättenverordnung. Bei Bildschirmarbeitsplätzen sollte pro Arbeitsplatz eine Fläche von 8 bis 10 Quadratmetern zur Verfügung stehen, in Großraumbüros sind 12 bis 15 Quadratmeter festgelegt. Kommen Ablageflächen, technische Geräte, Platz für Kunden sowie für die Mitarbeiterkommunikation hinzu, muss man sogar von einem höheren Bedarf ausgehen.

Darüber hinaus verlangen Arbeitsschützer mindestens 2,5 Meter Raumhöhe sowie 60 Zentimeter breite Wege zwischen den Schreibtischen. Auch der Lärmpegel darf eine bestimmte Dezibelzahl nicht überschreiten – sie entspricht etwa einem normalen Gespräch. Doch gerade in Großraumbüros sind Lärm, die trockene und stickige Luft sowie unangenehme Lichtverhältnisse und Raumtemperaturen häufig ein Problem, zeigt eine Schweizer Studie im Auftrag des Staatssekretariats für Wirtschaft.

Gibt es solche Probleme, kann man sich beschweren oder im Extremfall sogar arbeitsrechtliche Schritte vornehmen. Besser ist aber, zuerst mit dem Chef zu sprechen und mehr Platz einzufordern. (gs/dpa)

Rutsche und Skate-Rampe - wie kreativ manche Unternehmen ihre Büros gestalten, zeigt unsere Bildergalerie:

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