Kein Job für Schwermütige

Bestatter sollten taktvoll sein und müssen organisieren können / Eine positive Lebenseinstellung ist hilfreich

Von IRIS MARTIN

Hamburg · Der schlichte Eichensarg ist umrahmt von Gerbera. Hohe Kerzenleuchter geben stimmungsvolles Licht. Der Geistliche hält nur eine kurze Ansprache, denn er weiß, dass die Kappelle schon bald für die nächste Trauerfeier hergerichtet werden muss. Dann wird der Sarg zur Grabstelle getragen. Die Trauergäste folgen gemessenen Schrittes. Dieter Hinz ist erleichtert, dass alles so gut geklappt hat, denn er ist als Bestatter verantwortlich für eine schöne und würdevolle Zeremonie.

Der 66-Jährige weiß wie wichtig der rituelle Rahmen für den Abschied und die Trauerbewältigung der Hinterbliebenen ist. Doch er weiß auch, dass die Organisation dem Profi nicht immer leicht gemacht wird. Bis zuletzt gab es Streit zwischen den Kindern des Verstorbenen über Art und Zeitpunkt der Beerdigung. In letzter Minute wollte der Geistliche den Termin noch verschieben, doch Kappelle, Musiker und Träger waren schon gebucht.

Organisatorische Arbeiten machen neben der Betreuung der Hinterbliebenen einen Großteil der Arbeit des Bestatters aus.

Dieter Hinz arbeitet seit 40 Jahren für das Großhamburger Bestattungsinstitut (GBI), seit zwölf Jahren hauptberuflich. Zuvor hat der gelernte Kaufmann für ein Reisebüro gearbeitet, wie viele Bestatter ist er Quereinsteiger. "Ich mag den Umgang mit Menschen", sagt Hinz. Zu den Aufgaben eines Bestatters gehört, den Hinterbliebenen Formalitäten abzunehmen, Totenschein und Sterbeurkunde zu beschaffen, die Wohnung des Verstorbenen zu kündigen und mit dessen Versicherung abzurechnen. Außerdem organisiert er die Überführung der Leiche in die Verstorbenenhalle, sorgt dafür, dass sie eingekleidet und eingesargt wird. Er berät bei der Auswahl des Sarges, der Kleidung des Verstorbenen, des Blumenschmucks. Er unterstützt bei der Entscheidung über Art und Dauer der Trauerfeier, Bestattungsart und Grabstein.

"Eine positive Grundeinstellung ist für den Bestatter sehr wichtig", sagt Hinz. Denn der Beruf sei natürlich nicht immer leicht. Manchmal seien Trauernde noch so verstört, dass er das Gespräch auf einen späteren Zeitpunkt verschieben müsse. "Das kann mitunter sehr belastend sein. Labilen Menschen würde ich nicht zu diesem Beruf raten." Daneben seien vor allen Dingen gute Umgangsformen, Taktgefühl und Toleranz wichtige Voraussetzungen für seinen Beruf. "Der Bestatter muss für Kunden mit unterschiedlichen Konfessionen und Einstellungen gleichermaßen ein verständnisvoller Ansprechpartner sein", so Hinz.

Die Ausbildung ist neu

Der Ausbildungsberuf Bestattungsfachkraft wurde erst 2003 eingeführt. Um als Bestatter tätig zu werden, genügt ein Gewerbeschein. Doch das war nach Ansicht des Bundesverbandes Deutscher Bestatter (BDB) noch nie genug. Von den Bestattern werden umfassende Dienstleistungen in den Bereichen Beratung, Betreuung und Organisation verlangt. Daneben sind detaillierte Kenntnisse rechtlicher, sozialer und fachlicher Belange rund um Tod, Trauer und Bestattungstradition nötig.

Zu den Ausbildungsinhalten gehören außer Beratung und Organisation auch die hygienischen Arbeiten wie Einkleidung und Einbettung des Verstorbenen sowie grabtechnische Arbeiten. Denn nur in größeren Betrieben sind die Bestatter auf den Verkauf und die Beratung spezialisiert. Im Normalfall beschäftigen sie sich mit allen anfallenden Arbeiten. Lediglich aufwendigere hygienische oder kosmetische Behandlungen werden von einem Thanatopraktiker übernommen.

"Vor allem die Damen stellen sich oft nur die Betreuungssituation vor, wenn sie an diesen Beruf denken", weiß Hans-Joachim Widmann, Pressesprecher des BDB-Landesverbandes Hamburg. An den hygienischen Arbeiten liege es, dass doch einige der Auszubildenden aufgeben. Daneben erschweren unregelmäßige Arbeitszeiten den Beruf, gibt Rosina Eckert vom Bundesausbildungszentrum der Bestatter in Münnerstadt zu bedenken. Die Ausbildung wird in Betrieben und Berufsschule absolviert. Der Verdienst einer Bestattungsfachkraft liegt zwischen 1800 und 3800 Euro.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion