+
In der Bäckerei arbeiten nicht selten auch Minijobber - doch welche Möglichkeiten haben die Beschäftigten, daraus eine Vollzeitstelle zu machen?

Minijob

Karriere aus dem Minijob: Wie geht es weiter?

Minijobber sind für Arbeitgeber gerne praktische Aushilfen, da ihre Arbeitszeit begrenzt ist, sie günstig sind, sie aber auch Stellen miteinander teilen können. Auch für Minijobber an sich ist dieser Arbeitsvariante häufig für eine gewisse Zeit positiv.

Sei es während der Ausbildung oder eines Studiums, sei es, weil die Kleinkinder noch keinen Vollzeitjob ermöglichen oder auch, weil angehende Selbstständige in den ersten Monaten nicht ganz auf die Selbstständigkeit vertrauen möchten. Nicht selten geschieht es auch, dass ein Minijobber so "einschlägt", dass der Betrieb gar nicht mehr auf ihn verzichten kann – und mehr anbietet. Aber welche Möglichkeiten gibt es nun, ohne dass beide Seiten letztendlich unter den höheren Kosten leiden?

Vom Minijob zum Midijob

Minijobs haben für Unternehmen den Vorteil, dass die Sozialbeiträge sehr gering sind. Sie zahlen nicht monatlich für die Minijobber, sondern überweisen die Beiträge jährlich. Zudem sind die Sozialbeiträge wesentlich geringer als bei typischen Beschäftigten. Dasselbe gilt auch für den Arbeitnehmer. Auch sie zahlen keine Abgaben, zudem wird der Minijob zwar in der Einkommenssteuererklärung aufgeführt, er liegt jedoch unter der Steuergrenze. Das ändert sich, sobald die Arbeitszeit und das Einkommen erhöht werden. Mit aus diesem Grund wurden die Grenzen des Midijobs, der höheren Stufe des Minijobs, nun verändert. Einige Fakten rund um den Midijob:

  • Gleitzone - der Midijob beschreibt die Gleitzone zwischen dem Minijob und einer Anstellung. Das Gehalt liegt zwischen 450,00 Euro und 1.300,00 Euro. Als Gleitzone wird dieser Bereich bezeichnet, weil die Sozialbeiträge langsam ansteigen.
  • Rentenversicherung - die Arbeitnehmer sind pflichtversichert, zahlen aber einen vergünstigten Beitrag, der sich an dem Gehalt orientiert. Der höchste Beitragssatz wird bei 1.300 Euro erreicht. Der Arbeitgeber hingegen zahlt ab 450,01 Euro Gehalt bereits den vollen Satz.
  • Steuern - je nach der tatsächlichen Höhe des Gehalts zahlen Midijobber monatliche Lohnsteuerabgaben. Hier lohnt es sich, vorab zu rechnen, welches Gehalt noch sinnvoll ist. Wer auf das Geld des Midijobs angewiesen ist, der kann teilweise mit 100,00 Euro weniger monatlich finanziell besser gestellt sein, als mit 100,00 Euro mehr.

Grundsätzlich steht es dem Beschäftigten jedoch zu, sogleich den vollen Anteil zur Rentenversicherung zu zahlen.

Eine Vollzeitstelle

Der Umstieg auf eine Vollzeitstelle lohnt sich immer dann, wenn der Minijob keinen Zweitjob darstellt oder eine vermehrte Arbeitszeit nicht durch ein Studium oder andere Regelungen verhindert wird. Wer noch studiert oder anderweitig familienversichert ist, der muss immer genau prüfen, ob mehr Arbeitsstunden und mehr Gehalt möglich ist, ohne dass es anderweitig Probleme gibt. Die Familienversicherung sieht beispielsweise nur einen Zuverdienst von knapp 450,00 Euro monatlich vor. Alternativ lässt sich natürlich eine gewöhnliche Teilzeitstelle anstreben, die wiederum die vollen Sozialabgabensätze beinhaltet. Teilzeitstellen fallen aufgrund ihres geringeren Gehalts häufig unter die Regelungen des Midijobs, sodass der Angestellte von den geringeren Abgaben profitiert.

Was sollten Beschäftigte sonst beachten?

Früher war es so, dass die klassischen Minijobs tatsächlich nur Aushilfsjobs waren. Darunter fielen die typischen Schüler- und Studentenjobs: Zeitung austragen, Regale einräumen, Kellnern oder auch Pizza ausfahren. In den vergangenen 15 Jahren hat sich das Bild deutlich gewandelt und immer mehr "ernsthafte" Jobs werden auf mehrere Minijobber aufgeteilt. Für die Unternehmen ist das natürlich günstig, denn die Abgaben sind wesentlich geringer. Und auf den ersten Blick sieht solch eine Beschäftigung auch für die Jobber an sich positiv aus. Immerhin erlauben die Stellen, auch neben dem Arbeitslosengeld noch etwas hinzuzuverdienen, die eigene Kasse kann während des Studiums oder zu anderen Zeiten im Leben aufgefüllt werden. Leider ergaben sich in den letzten Jahren jedoch Auswirkungen, die den Minijobbern später teuer zu stehen kommen werden:

  • Anwartschaften – Minijobs – selbst Midijobs – tragen nur minimal zur Bildung von Rentenanwartschaften bei. Wird heute schon darüber diskutiert, dass jetzige Rentner, die nicht arbeiteten, zu wenig Rente erhalten, werden in einigen Jahren all diejenigen an Altersarmut leiden, die sich jetzt von Minijob zu Minijob hangeln müssen.
  • Spirale – es wird zunehmend schwerer, aus dem Minijob in eine echte Anstellung zu kommen. Nicht alle Unternehmen erlauben es, den Aushilfsjob als Sprungbrett oder längerfristiges bezahltes Praktikum mit Aussicht auf eine Anstellung zu nutzen.
  • Multijobber – es gibt jetzt schon viele Menschen, die sich rein mit verschiedenen Minijobs über Wasser halten. Nun heben sich auch wieder die verminderten Sozialbeiträge durch die Mehrfachjobs gegenseitig auf.
  • Midijobs – bezüglich dieser Jobs wissen viele Arbeitgeber überhaupt nicht Bescheid. Die Midijobs stellen bereits eine deutliche Verbesserung zum Minijob dar, jedoch nur, wenn der Arbeitgeber auch von ihnen gehört hat. Es ist also sinnvoll, den Arbeitgeber gezielt auf diese Möglichkeit anzusprechen. Sicherlich sind die Anwartschaften beim Midijob ebenfalls gering, doch fallen sie schon deutlich höher aus, als die des Minijobs.

Trotz aller Änderungen und Möglichkeiten sollten Mini-und Midijobs nur als kurzfristige Lösung und als Sprungbrett für eine echte Festanstellung gesehen werden. Beschäftigten ist stark davon abzuraten, über Jahre in diesen Jobs zu verweilen, denn tun sie es, werden sie auch im Rentenalter vermutlich nicht mehr davon loskommen. Denn aufgrund der niedrigen Rente wird es dann wieder notwendig, die monatliche Kasse über Minijobs aufzubessern.

Fazit - Schritt für Schritt zur Festanstellung

Sobald ein Minijob nicht neben dem Studium oder der Schule genutzt wird, sollte er immer nur als die erste Sprosse einer Leiter betrachtet werden. Das Ziel ist, die Leiter zu erklimmen, bis oben eine Voll- oder auch Teilzeitstelle wartet. Über den Sprung zum Midijob gelingt das sogar häufig, sofern denn der Arbeitgeber von dieser Möglichkeit weiß.

Auf der anderen Seite ist es sehr wichtig, niemals über Jahre in Minijobs zu verweilen, denn sie gelten schon jetzt als der erste Schritt zur Altersarmut, da kaum Rentenanwartschaften erwirtschaftet werden. Wer zudem dazu gezwungen ist, sich als Multijobber zu betätigen, der erreicht nicht nur geringe Anwartschaften, sondern neigt auch durch den Stress dazu, gesundheitlich zu erkranken. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion