1. Startseite
  2. Ratgeber
  3. Karriere

Der Jammer gehört zum Job

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Gejammert wird auf allen Ebenen und an allen Orten: Direkt am Arbeitsplatz, allein, gemeinsam mit seinen Kollegen oder zu Hause am Frühstückstisch. Jammern hat sogar einen Nutzen. Es stärkt das Wir-Gefühl derjenigen, die sich einig sind.
Gejammert wird auf allen Ebenen und an allen Orten: Direkt am Arbeitsplatz, allein, gemeinsam mit seinen Kollegen oder zu Hause am Frühstückstisch. Jammern hat sogar einen Nutzen. Es stärkt das Wir-Gefühl derjenigen, die sich einig sind. © dpa

Jammern im Job hat einen Nutzen. Warum aber gilt der Chef als Feindbild und welche überzogenen Erwartungen werden an Führungskräfte gestellt?

Immer mehr Arbeit lastet auf immer weniger Schultern. In Zeiten der Krise nimmt die Unzufriedenheit zu, obwohl gerade jetzt Loyalität und Teamgeist gefragt sind. Wir sprachen darüber mit der Buchautorin und Personaltrainerin Maren Lehky.


Frau Lehky, was sorgt besonders häufig für Konflikte zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten?
Unterschiedliche Auffassungen über die Leistung des Mitarbeiters, wobei der Angestellte sich selbst meist besser beurteilt als der Chef ihn. Ein ebenso häufiger Konflikt entbrennt darüber, unzureichend informiert zu werden. Und diese Vorwürfe führen die Liste an: „Er lobt mich nicht. Er sieht nicht, was ich leiste. Der weiß gar nicht, was ich den ganzen Tag mache.“ Das sind typische Zitate für den Mangel an Wertschätzung, den viele empfinden.


Warum gilt der Chef eigentlich so oft als Feindbild?
Er ist auch Projektionsfläche für Mitarbeiter. Auf einer unbewussten Ebene werden auch Erwartungen, Hoffnungen, manchmal auch Illusionen in Führungskräfte hineinprojiziert. Der Chef soll der Held sein, der alles weiß, der selbst nie durchhängt, überaus belastbar ist und sich für die Interessen der Mitarbeiter einsetzt. Kurz: Er ist derjenige, der das Team vor allem Unbill schützt. Dem gerecht zu werden, gelingt nie.

Welches sind besonders grobe Führungsfehler?
Keine Lust auf die Führungsrolle zu haben und sich dem Kontakt mit Mitarbeitern zu entziehen. Mitarbeiter brauchen Feedback. Sie nicht zu loben ist ebenso falsch, wie die eigenen Erwartungen nicht eindeutig zu benennen. Der Angestellte sollte wissen, woran er gemessen wird. Fatal ist es, entweder gar keine Entscheidung zu treffen oder sie ungenügend zu begründen. Führung heißt, zu den Mitarbeitern zu stehen und Vorbild zu sein, in guten wie in schlechten Zeiten.

Mitarbeiter jammern, warum?
Jammern hat sogar einen Nutzen. Es stärkt das Wir-Gefühl derjenigen, die sich einig sind. Sie fühlen sich komfortabel, wenn sie sich beklagen und nicht selbst gestalten müssen. Gejammert wird übrigens auf allen Ebenen: Auch Führungskräfte haben noch jemanden über sich, über den es auch jede Menge zu jammern gibt. Geklagt wird allein, gemeinsam mit seinen Kollegen oder zu Hause am Frühstückstisch.

Wie gehe ich als Chef mit Nörglern um?
Die notorischen Giftspritzen, die immer etwas zu kritisieren haben und für die das Glas immer halb leer ist, gilt es unter vier Augen mit diesem Verhaltensmuster zu konfrontieren. Ihnen muss deutlich gemacht werden, dass sie die Stimmung gefährden und dass man sich wünscht, sie würden ihre Kritik konstruktiv formulieren.

Und wenn das ganze Team schlecht drauf ist?
Dann gilt es herauszufinden, was das Team braucht. Hier könnte der Chef fragen: „Was können wir zusammen ändern? Wie kann ich euch unterstützen?“ Solche Fragen sind lösungsorientiert und damit konstruktiv. Bei der üblichen Jammerorgie heißt es aber sicher ab und an einfach: „Ohren zu und durch.“

Loyalität der Mitarbeiter zur Firma ist wichtig. Wie holt man sich die?
Sicherlich, indem man die zuvor beschriebenen Fehler vermeidet und damit selbst ein loyaler Chef ist. Man muss ein gutes Vorbild liefern – auch in Fragen der Loyalität zum Unternehmen. Als Chef ist man Teil des gemeinsamen „Wir“.

Interview: Kirsten Niemann

Auch interessant

Kommentare