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"Ich bin dann mal weg", kann ein Angestellter sagen, wenn er auf Pilgerreise gehen will.

Unerlaubtes Fehlen möglich

"Ich bin dann mal weg"

"Ich bin dann mal weg", kann ein Angestellter sagen, wenn er auf Pilgerreise gehen will. Sogar dann, wenn der Chef den Urlaub nicht genehmigt hat.

Köln/Berlin. Normalerweise droht Arbeitnehmern die fristlose Kündigung, wenn sie sich im Job freinehmen, obwohl der Chef den Urlaub nicht genehmigt hat. Eine Ausnahme gilt aber, wenn für Gläubige ein wichtiger Termin für eine Pilgerreise ansteht und sie deshalb unerlaubt im Job fehlen.

In solchen Fällen muss der Arbeitgeber ihnen im Rahmen einer Interessensabwägung unter Umständen freigeben. Eine sofortige Entlassung ist dann unzulässig. Das ergibt sich aus einem Urteil des Arbeitsgerichts Köln (Az.: 17 Ca 51/08), auf das die Arbeitsgemeinschaft Arbeitsrecht des Deutschen Anwaltvereins in Berlin hinweist.

In dem Fall hatte eine beim Schulamt beschäftigte Muslima außerhalb der Schulferien Urlaub beantragt, um an einer Pilgerreise nach Mekka teilzunehmen. Das Schulamt lehnte ab. Als sie daraufhin trotzdem an der Pilgerreise teilnahm und dabei unerlaubt bei der Arbeit fehlte, kündigte ihr die Stadt.

Kündigung nicht gerechtfertigt

Dagegen klagte die Frau und führte an, dass eine "Große Pilgerfahrt", die zu den fünf Geboten für Moslems zählt, erst in 13 Jahren in den Zeitraum der Schulferien fallen würde. Dann wäre sie aber schon 64 Jahre alt. Außerdem könne ihre Mutter dann voraussichtlich nicht mehr das behinderte Kind der Klägerin betreuen.

Das Gericht gab ihr recht. Zwar sei ein eigenmächtig angetretener Urlaub ein Grund für eine fristlose Kündigung. Mit Blick auf die hierbei erforderliche Interessenabwägung sei die Kündigung aber nicht gerechtfertigt. Der Klägerin sei einzuräumen, dass sie sich in einem Glaubens- und Gewissenskonflikt befunden habe. Ihr sei daher aus nachvollziehbaren Gründen nichts anderes übriggeblieben, als die Pilgerreise trotz der fehlenden Genehmigung anzutreten. (dpa/tmn)

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